Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-06-01 · Heft 43 (1.6.1891) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 43 (1.6.1891)
Date
1891-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448162--32189-2480023
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„Du scheinst mir ein sehr braver und vernünftiger junger Mann zu sein", sagte er, „daß Du Dich lieber mit dem Talmud beschäftigst, als Dir von Sabbatai den Kopf verdrehen zu lassen, das kann ich nur loben, und auch, daß Du Dir Geschäftskenntniffe anzueignen strebst, ist sehr vernünftig. Aber daS Geschäft Deines Vaters ist nicht ausgedehnt genug, als daß Du viel bet ihm lernen könntest. Ich suche augenblicklich einen jungen Mann, der mir einen Theil meiner Correspondenz führen soll. Ich möchte Dich nicht vom Lernen zurückhalten, aber wenn Du, statt in Deines Vaters Geschäft bei mir täglich ungefähr vier Stunden zubringen würdest, so würde ich Deine Leistungen gut bezahlen und und Du hättest überdies den Vortheil, ein ausgedehntes Geschäft gründlich kennen zu lernen. Ueberlege die Sache mit Deinem Vater, und wenn Du willst, so kannst Du gleich morgen Vormittag bei mir einterten." Froh erregt machte sich Gabriel auf den Hetmweg; der Vorschlag des reichen Mannes erschien ihm überaus vortheilhaft und auch seine Eltern stimmten ihm zu, daß er ihn nicht zurückweisen dürfe. Aber er war ein ernster charaktervoller junger Mann, er hatte sich die bittersten Vorwürfe gemacht, daß er Jahre hindurch durch seine Beschäftigung mit jenen mystischen Lehren, das Forschen im Gesetze vollständig vernachlässigt hatte, er gelobte sich daher sofort, daß durch seinen Eintritt in das Geschäft des reichen Mannes, sein Talmudstudium nicht geschmälert werden dürfe. Er stand daher früher auf, lernte zuerst mehrere Stunden und begab sich dann zu Lisbona. Dieser hatte ihn erwartet und hieß ihn freundlich willkommen und wies ihm an, was er zu thun hatte. Gabriel zeigte sich überaus anstellig und gewandt, begriff sofort, was von ihm verlangt wurde und erntete sogleich am ersten Tage das Lob seines Prinzipals. Als er Mittags nach Hause gehen wollte, forderte Lksbona ihn auf, an seinem Tische Theil zu nehmen, undZobgleich er weit lieber daheim bei seinen Eltern gewesen wäre, so glaubte er doch die Aufforderung seines Chefs nicht zurückweisen zu dürfen. Außer dem Hausherr und seiner Tochter, nahmen auch noch der langjährige Geschäftsführer des Hauses, ein bereits älterer Mann, und ein armer junger Mann an dem Mittagessen Theil. Obgleich Lisbona sich überaus freundlich gegen Gabriel zeigte, fühlte sich dieser doch ziemlich unbehaglich, denn es war das erste Mal, daß er an einem fremden Tische speiste. Doch schon nach wenigen Tagen schwand seine Befangenheit. Lisbona war mit seinen Leistungen zufrieden, zeigte sich fortwährend freundlich gegen ihn; Gabriel wagte es daher, sich während des Speisens an der Unterhaltung zu betheiligen, an der auch die beiden andern Geschäftsgehilfen regen Antheil nahmen. Erst in der dritten Woche seiner Geschäftsthätigkeit bei Lisbona, kam dieser wieder einmal auf die Frage zurück, die ihn ursprünglich veranlaßt hatte, den jungen Mann in seine Dienste zu nehmen. Er war an diesem Tage zufälligerweise früher fertig geworden mit seiner Correspondenz und befand sich allein bei seinem Chef, als dieser, wie von ungefähr die Frage an ihn richtete, ob er jetzt gar nicht mehr mit seinen ehemaligen Genossen verkehre. Gabriel verneinte. „Und mit Sabbatai sprichst Du auch nicht mehr?" Gabriel schüttelte verneinend den Kopf. „Mit Sabbatai habe ich eigentlich noch nie gesprochen, ich so wenig als die andern. —" „Ich verstehe", sagte Lisbona mit spöttischem Lächeln, „der Meister hält seinen Vortrag und die Jünger lauschen andachtsvoll. — Jst's nicht so?" „So ist's", erwiederte Gabriel. (Fortsetzung folgt.) .JSrorltt" mtfc „Jeschurun' erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Doanerftags, jedesmal in mindesten» 3 «»gen. Drei» de» Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 18 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig ober vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Purch de« -uchhandri zu bestehen bet 6k. F. Klrinacker, Leipzig, Rastplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo «inznjende«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die Institutionen der Israelit. Gemeinde Fulda. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Aus Kurhessen. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. Kolomea. Aus Ungarn. — England: London. — Griechenland: Eorfu. — Rumänien: Bukarest.— Amerika: Syracuse. — Vermischtes. — Feuilleton: Sabbatai Zewi. Historische Erzählung von Ernst Schwarz (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Zur Lage der Juden in Rußland. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Dresden. München. — Griechenland: Athen. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: OSear Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.