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Der Israelit · 1891-06-01 · Heft 43 (1.6.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 43 (1.6.1891)
Date
1891-06-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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786 hinzu: „Die Handlung des Herrn Herdan hat einen „besonderen" Werth, denn er ist „der erste" (?!) von seinen reichen (?) Glaubensgenossen, welcher seinen Beitrag für eine patriotische und nationale Aktion gibt." Mit anderen Worten: Fortgeblasen sind die vielen und bedeutenden Spenden anderer Israeliten für diese und viele andere Zwecke. Selbst die Million Francs, mit welcher die israelitischen Zionsvereine 1877/78 eine Ambulanz für die Verwundeten ausgerüstet haben und mit welcher die rumänische Nation im Punkte Gleichberechtigung der Konfessionen bei uns noch in der Kreide steht, ist mit dem „Schwamm drüber" das „Adcverul" (soll heißen „Die Wahrheit") abgewischt. Denn Herr Herdan ist ja nach ihm „der erste", welcher für eine patriotische u. s. w. gegeben hat. Bei uns ist dies leider immer so gewesen, der zunächst letzte Geber ist immer der erste und wird als das einzige Exemplar eines Patrioten hingestellt, bis er im Patriotismus des Schenkens und Leistens von dem darauf folgenden Geber ersetzt wird. Und wer gibt, der ist ein Patriot; wer als Landesangehöriger blos Menschenrechte haben will, ist ein „Fremder". — Im Bezirk Dorohoj wurde ein gewisser Schlomo Halpern für's Militär rekrutirt, der schon 40 Jahre alt und Vater von sechs Kindern ist, von welchen das älteste 14 Jahre zählt. Die Vorweisung seines Losungsschetns von 1877, welcher bezeugt, daß er sich damals in Botoschant zum Militär gestellt und davon befreit wurde, half ihm nichts, er wurde trotzdem und unbekümmert um seine schwere Familie, die nun Hunger leiden muß, in den Soldatenrock gesteckt. Es ist dies sicher die persönliche Rache irgend eines allerletzten Polizeibediensteten, oder es handelt sich auch hier um Geldgeben zu seiner Freilassung, und dann wird uns so was als „Bestechung" zum Vorwurf gemacht. — Der rum.-christl. Kaufmann Pandsle Radowitsch in Caracal, welcher seinem israel. Gläubiger Staadecker in Bukarest 800 Frcs. schuldet, schickte diesem statt des Geldes einen bloßen Umschlag mit Brief. Der Fall kam vor's Gericht und hier leistete der „gute Christ" den Meineid, daß er Geld geschickt habe, so daß Staadecker mit niederschlagenden Beweisen nun gegen Radowitsch einen Metneidsprozeß anstrengte. Auch dergleichen gehören zu den Anschuldigungen, unter welchen wir und als Gesammtheit zu leiden haben; ihre eigenen Schlechtigkeiten wirft die herrschende Nation uns vor. — In unserem Kultusministerium gab es bis vor Kurzem einen Almosenfond, der einzig und allein von diesem Departement vertheilt wurde und bei fortgeschrittener Bildung zu einem Theil vielleicht auch unseren Armen hätte zu Gute kommen können. In Zukunft aber sollen nach ministerieller Verfügung die Beiträge von den Metropoliten und Bischöfen vertheilt werden, d. h. also ausschließlich an christliche Arme. Damit ist auch der fortschreitenden Bildung bei Zeiten ein Riegel vorgeschoben. Amerika. Syraeuse, 8. Mai. Vor Kurzem wurde hier Frau Brooks, eine Jüdin, der Brandstiftung schuldig befunden. Der Distriktsanwalt vonOnondaga County bediente sich damals einer eigenthümlichen Argumentation, im Verlaufe welcher er u. A. sagte: „Die Frau gehört einer Rasse an, welche das Geld ebenso sehr anbetet, wie ihren Gott, einer Rasse, die einst das goldene Kalb anbetete und welche an dieser Art der Anbetung bis zum heutigen Tag festhält; deren Wahlspruch ist: „Gib mir Geld und wenn ich darüber auch meine Seele und meine Seligkeit gefährden sollte". Ist das nicht eine unzweifelhafte Thatsache? Und kann ein Zweifel darüber bestehen, daß auch diese Frau das Gold liebt, das von den Angehörigen ihrer Rasse so sehr geliebt wird?" Diese Sprache erregte damals Aufsehen und blieb nicht ohne Wirkung auf die Jury. Der namhafte Advokat Louis Marshall, ebenfalls ein Israelit, har es nun unternommen, für die Verurtheilte einen neuen Prozeß zu erwirken, in welchem die Angeschuldigte, ob nun schuldig oder nicht, auf eine durch Vorurtheile weniger beeinflußte Benrthcilung hoffen darf. Er hat den bezüglichen Antrag vor Richter Kennedy im Generaltermin der Soupreme Court gestellt und in einem beredten Plaidoyer dargelegt, daß seine Clientin unter den Jahrhunderte alten Vorurtheilen gegen die Juden nicht leiden dürfe. Solche Vorurtheile würden auch in diesem freien Lande systematisch genährt und zwar öfters von Leuten, deren Lebenslauf durchaus kein makelloser sei. Auch in zahlreichen Schriften werde die Judehetze betrieben, wie die Publikationen der „Minerwa Publishing Company" in New-Aork bewiesen; im Verlag der letzteren sei das bekannte Buch „The Original Mr. Jacobs" erschienen, das von Ungerechtigkeiten und Vorurtheilen gegen die jüdische Klasse strotze und dessen Verfasser, Timayenis, der Bestrafung für Unterschlagungen, deren er von seinen Geschäftstheilhabern angeklagt worden, nur mit Roth entgangen sei. Diese Hetzereien hätten für die Juden manche bedauerliche Folgen gehabt. Wenn nun gar ein Distriktsanwalt, den man sich als einen gebildeten und vorurtheilsfreien Mann denken müsse, sich einer solchen Sprache bediene, was könne man von dem Durchschnittsgeschworenen erwarten, der in der Regel weniger gebildet und daher den ordinären Vorurtheilen zugänglicher sei? Die Zuhörer folgten diesen Darlegungen des

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