Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 43 (1.6.1891)
- Date
- 1891-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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lande die ganze Frage zu untersuchen: 1. In Betreff der auf die Juden in Rußland (oder nicht dort allein) bezüglichen Ausnahmegesetze. 2. In Betreff des Nachweises, daß für solche Ausnahmegesetze und namentlich für die außerordentlich harte Behandlung unter denselben gar kein Grund vorhanden ist. 3. In Betreff einer entsprechenden Zusammenstellung aller der neuesten wichtigen Vorgänge, wodurch es nothwendig würde, die zerstreuten Mittheilungen von einer Menge Zeitungsberichterstatter zu vereinigen. Es scheint mir, daß dieses Werk, welches, wenn erst ausgeführt, schwierig ist, eine wirklich mächtige Artillerie zusammenbringen würde, welche gegen die Citadelle des Unrechts spielen könnte. Kein Staat und mag er doch der größte auf der Erde sein, hat das geringste Recht, sich über solche Einmischung zu beklagen, zumal sie der beschuldigten Regierung die vollständigsten Mittel zur Vertheidigung gewährt. Den Plan zur maffenhaften Ueberführung der Juden nach Palästina betrachte ich mit warmem und freundlichen Interesse und ich werde froh sein, wenn der Sultan seine Unterstützung einem solchen Unternehmen gewährt. Was Eorfu anbelangt, so rechne ich sicher darauf, daß die griechische Regierung offen und entschieden Vorgehen wird. Die Wunde ist dort schan lange offen, aber die Griechen, ein freundliches Volk, sollten lernen, alte Verstimmungen zu unterdrücken. Diejenigen, welche dies nicht thun wollen, sollten entschieden verhindert werden, denselben Ausdruck zu geben. Machen Sie gefälligst von dem Inhalte dieses denjenigen Gebrauch, welchen Sie für gut halten und glauben Sie mir, daß ich Ihren Absichten allen Erfolg wünsche. Ihr W. E. Gladftone. London, 24. Mai. Die seit einiger Zeit hier bestehende „Chovave-Zion"-Gesellschaft, welche den Ankauf von Grundstücken in Palästina bezweckt, um damit den von Rußland Vertriebenen ein Asyl zu _ gründen, hielt gestern Abend eine ihrer bedeutungsvollsten Versammlungen in der Assembly - Hall (Whitechapel) ab. Nahezu 3000 Personen waren zugegen und Mr. Samuel Montagu (Parlamentsmitglied) hatte den Vyrsitz. Begeisternde Reden hielten Colonel Goldsmid, Count d'Avigdor (der deutsch sprach) und Mr. Hermann Landau. Es wurde beschlossen, eine Petition an Lord Rothschild einzureichen, dahingehend, daß derselbe mit Lord Salisbury couferire, um das Projekt in Ausführung zu bringen. Die russische Negierung solle ersucht werden, den Auszug der Juden aus Rußland so leicht als möglich zu machen und an die türkische Regierung eine Vorstellung gerichtet werden, damit die Juden in Sicherheit in Palästina und den umliegenden Gegenden wohnen und zu einem angemessenen Preise Land zur Bebauung dort ankaufen können. Fast sämmtliche Anwesende Unterzeichneten die Petition. London, 24. Mai. Die offizielle Wahl des Chief Rabbis vr. Hermann Adler wird am 4. Juni und die Installation in der Dukes Place Synagogue am 24. Juni stattfindeu. London, 25. Mai. Baron Hirsch hat einem Pariser Korrespondenten des Bureau Reuter erklärt, daß die Kommissare, welche er nach Argentinien gesandt hatte, um dort die Verhältnisse für eine Ansiedelung der Juden zu studiren, soweit günstig berichtet hätten, daß er die Herren wieder nach Argentinien geschickt habe, um Land zu kaufen, allein bis jetzt sei noch nichts zur Aufnahme von Auswanderern bereit. Zur gehörigen Zeit werde er in Hamburg und anderen Städten Comites ernennen, welche Gesuche armer Juden um Beförderung untersuchen und den Angenommenen freie Passage gewährt werden. Die Kolonisten sollen nicht zusammengedrängt und Alles vor ihrer Ankunft bereit sein, mit früheren jüdischen Kolonisten als Lehrmeistern. Griechenland. lieber Triest wird aus Korfu gemeldet, der dortigen Kultusgemeinde sei amtlich mitgetheilt worden, daß der Sultan es den aus Korfu auswandernden Juden freistelle, sich in Albanien niederzulassen und Gründe zu erwerben. Das türkische Amtsblatt „Tarik" bestätigt diese Nachricht. Zahlreiche Auswanderer würden sich nach Janina begeben. R u m ä n i e n. I)r. 0. Bukarest, 15. Mai. Wie auch die Antisemiten anderer Länder suchen unsere Rumänen so ziemlich in ihrer Gesammtheit uns Israeliten, wo es irgend geht, herabzusetzen, oder mindestens anerkannte und unleugbare gute Handlungen zu verkleinern oder derart zu loben, daß daraus ein Tadel entsteht, beziehungsweise das Lob sich so darstellt, als ob nur der Betreffende, dem es gilt, die gute Ausnahme von dem sonst angeblich durchweg Schlechten an uns sei. Und in der Hauptsache richten sich diese Aeußerungen niedrigen Neides an die Adresse unserer Geldbeutel, das heißt auf das Geldgeben von unserer Seite und auf das Geldnehmen seitens der Herren Rumänen. Vor einiger Zeit wurde hier eine „Bildungs-Liga aller Rumänen" oder ein „Schulvercin" zur Aufrechterhaltung der rumänischen Nationalität in den Ländern des alten Dazien begründet und von anderer rumänisch-christlicher Seite wurde die Initiative ergriffen, um in Plojeschti den im Kriege von 1877/78 gefallenen, dort rekrutirten Jägern ein Denkmal zu setzen. Die Rumänen selbst geben nun ungern und spärlich, notorisch aber ist, daß unsere Glaubensgenossen für diese beiden Zwecke schon sehr viel gegeben haben, denn es sind bis jetzt wiederholt namhafte Spenden solcher in den Zeitungen veröffentlicht worden. So z. B. hat Herr Rabbiner Breizes in Plojeschti allein durch Sammlung mehrere hundert Francs aufgebracht. Da übersendet Herr Jacques Herd an der Zeitung „Adeverul" Einzelbeiträge von sich selbst u. zw. 100 Frcs. für den ersten und 40 Frcs. für den zweiten Zweck. Der „Adeverul" vermeldet dies pflichtschuldigst, fügt aber als Belobigung