Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 43 (1.6.1891)
- Date
- 1891-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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794 ehrwürdiger Sohn, Herr Salomon Lichtenstein, hielt an der Bahre eine ergreifende Trauerrede. Auch sein Schwiegersohn Samuel Lewi, Rabbiner in Ungarn, sprach die Herzen der Zuhörer wahrhaft erschütternde Worte, so daß kein Auge thränenleer blieb. rv'asj n. Jacob Dr eit ft ein. Aus Ungarn, 22. Mai. Auch in diesen Blättern wurde seinerzeit über einen Brief der Kongreßkanzlei an den Preßburger Obcrrabbiner ausführlich berichtet, der n. A. das aus Grund von eingeholten Informationen bet einem hervorragenden orth. Rabbiner abgegebene Gutachten der orthodoxen Landeskanzlei an den Minister für Kultus und Unterricht auf dessen Frage, welche Förmlichkeiten bei der Schließung einer Ehe nach jüdischem Gesetze unbedingt unerläßlich sind, bemängelte. Der Oberrabbiuer zu Preßburg ertheilte dann den Briefschreibern in Form eines „Offenen Briefes" an die Orthodoxen eine — ebenfalls schon besprochene — Antwort, in dem er das Gutachten der orthodoxen Kanzlei gut hieß. Dennoch ließ das Gewissen der um die Wahrung der Satzungen unserer nttmpn min so sehr beängstigten Herren Ncologen sie nicht zur Ruhe kommen und setzten sie alle Hebel in Bewegung, um aus dem Gutachten doch etwas Unrichtiges herausklügeln zu können. Sie fanden auch einen, eine hervorragende Stellung einnehmenden Mann, der sich herbeilicß ihrem Wunsche Folge zu leisten; es ist dies Herr M. Bloch, Rektor am Budapester Rabbinerseminar. Derselbe hat nämlich im Maiheft des von einem seiner Schüler herausgegebenen „Magyar Zsido Szemle" das erwähnte Gutachten einer Kritik unterzogen, in welcher er die Unrichtigkeit desselben nachzuweisen bestrebt ist. Es würde den Rahmen dieser Blätter bei weitem übersteigen, wollten wir die Kritik des Herrn Bloch und die richtige Entgegnung darauf im „Zsido Hirado" auch nur im Auszuge hier wiedergeben. Es genügt zu konstatiren, daß nach Anhörung beider Ausführungen das Gutachten der orth. Kanzlei aus Grund von O'pviDi ü"w basirend zu erachten ist. Bei aller Hochachtung, die man dem einstigen Leiter der Leipuicker td'2» und dem gelehrten Verfasser des „nuprn ~bd" nicht versagen kann, muß man es offen bekennen, daß dieses Vorgehen des greisen Bloch ihm keine Ehre machen wird. Schon abgesehen von der Unrichtigkeit seiner Kritik ist die Art derselben verachtenswerth. Da macht er sich über das Talmudwissen der orthodoxen Rabbiner in undenkbarer Weise lustig, die den Uneingeweihten glauben machen will, als wären die greisen Talmudgclehrtcn Ungarns völlige Ignoranten auf ihrem Gebiete. Das hätte man von ihm am allerwenigsten erwartet. Der Herr Seminardirektor muß es ja wissen, daß der letzte orth. Rabbiner ungleich mehr und gründlichere talmudische Kenntnisse besitzt, als der größte Koryphäe der Budapester Seminaristen. Das eigene Organ, der „Egyenlössg" hat ja erst vor einem Jahre öffentlich die Wahrheit ausgesprochen, daß ein -nm bei der Aufnahme in die rirrty mehr jüdisches Wissen hat, als 3 fertige Seminar z ö g l i n g e i n s ge s a m m t. Der alte Bloch hat durch sein Auftreten höchstens das profitirt, daß Diejenigen, die noch immer vom einstigen konservativen «'rn" etwas hielten und die Annahme der Leitung des Budapester Seminars damit beschönigen wollten, daß dasselbe unter seiner Leitung nicht irreligiös werden wird, was aber doch geschehen ist, nun das Richtige zu erkennen Gelegenheit haben. L. G-g. England. London. Das englische Unterhausmitglied, Samuel Montagu, einer der wenigen liberalen Vertreter Londons und entschiedener Anhänger Gladftones, hatte diesem am 6. Mai Ausschnitte aus der „Times" und dem „Standard", welche Einzelheiten über die in Rußland gegen die Juden verübten Brutalitäten enthielten, zugcschickt und bemerkt, „daß das einzige Verbrechen dieser Unglücklichen sei, Mitglieder der Rasse zu sein, welcher der Gründer des Christenthums der Religion des Friedens und der Liebe angehörte". Dann stellte er an den greifen Führer der liberalen Partei folgende Fragen: „Wollen Sie, welcher bedrückte Nationalitäten vertheidigt hat, Ihren großen Einfluß bei den russ. Machthabern anwenden, um eine Aenderung dieser brutalen Zwangsgesetze zu erlangen, welche zarten Frauen und Kindern Leiden, die schlimmer als der Tod sind, auferlegen? Wollen Sie sich Denjenigen anschließen, welche für die russischen Juden dieselben Rechte beanspruchen, welche den mohamedanischen Unterthanen des Zaren gewährt werden, welche ebenfalls Semiten sind und ebenso wie die Juden von Abraham abzustammen behaupten? Ich bin davon überzeugt, daß Sie für die mit der Austreibung aus ihrem Geburtslande Bedrohten, welchem sie in Treue anhängcn, eine Frist verlangen werden, bis deren Glaubensbrüder für die allmähliche Auswanderung nach Ackerbaukolonien Arrangements treffen können." Darauf hat nun Gladstone dem „Jewish Chronicle" zufolge eine Antwort aus Harwarden vom 27. Mai gesandt, der wir Folgendes entnehmen: Ein persönliches Vorgehen meinerseits würde kein Gewicht haben und wegen Mangel an Kenntniß sollte es keins haben. Wenn Sie mich um meinen Rath fragen, will ich Ihnen nach bestem Wissen antworten. Sie haben ohne Zweifel wirksame Organisationen in diesem Lande in Betreff ihrer Mitnationalen in der Fremde. Wenn ich einer solchen Organisation zu rathen hätte, würde ich sagen: setzen Sie die kompetentesten Leute in Bewegung, um in jedem Haupt-