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Der Israelit · 1891-06-01 · Heft 43 (1.6.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 43 (1.6.1891)
Date
1891-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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793 erbarmt und sie herausführt aus der Noth zur Freiheit, aus der Finsternis; zum Licht, aus der Knechtschaft zur Erlösung. prai x'pjyn »rwri Berlin, 29. Mai. Bei der dritten Lesung des Etats im Abgeordnetenhause theiltc der Justizminister mit, daß der Oberlandesgerichtspräsident in Breslau die Verfügung betreffs der jüdischen Geschworenen zurückgezogen habe. Ans Knrhessen, 22. Mai. Die „Hess. Blätter", ein streng kirchlich-konservatives Blatt, das in politischer Beziehung den Standpunkt der (partikularistischen), hessischen Rechtspartei vertritt, geht mit der „Kreuzzeitung" und ihrem rohen Antisemitismus in schärfster Weise in's Gericht. Zu dem Korfu-Artikel des frommen Berliner Blattes bemerken die „Hess. Bl." u. A.: „Erst vor neun Jahren, im Jahre 1882, hat das in Folge der elenden ungarischen Justiz leider unaufgeklärt gebliebene Verschwinden eines Ehristenmädchens, der Esther Solymossy, in der ungarischen Stadt Tisza-Eszlar Veranlassung geboten, die Sage von ‘bem rituellen Mord der Juden einer gründlichen wissenschaftlichen Untersuchung zu unterziehen, und dabei haben die bedeutendsten und nitbefangensten Autoritäten aller Konfessionen — wir nennen nur den Katholiken Ignaz von Döllinger und den Lutheraner Franz Delitzsch — die absolute Grundlosigkeit dieser bekanntlich ziterst von den Heiden des römischen Reiches den ersten Ehristen (wegen ihrer Abendmahlsfeier) nachgesagten, im Mittelalter aber auf die Juden übertragene Lüge für Jeden, der einer sachlichen Deweisführung zugänglich ist, überzeugend nachgewiesen. Der selige Delitzsch nannte diese Blutsage geradezu eine „Ersindntig jndenfresserischen Hasses", eine „nnchristliche Lüge" und sprach sich dahin aus, daß der Gedanke, Menschen ans religiösen Gründen zu schlachten, „vom talmudischen tind überhaupt jüdischem Standptiitkt aus als haarsträubender Unsinn" zu bezeichnen sei. Dazu kommt, daß weder der Tisza-Eszlarer noch irgend ein anderer Fall eines rituellen Mordes durch Inden je erwiesen wurde. Das Alles hindert aber den heutigen Antisemitismus keinen Augenblick, den korsiotischen Kindermord sofort wieder als eine gottesdienstliche Schlachtung durch Juden auszubeuten, und Allen voran bei dieser ekelhaften Hetze marschirt diesmal die „Kreuzzeitung." Die „Hess. Blätter" theilen hierauf den Hetzartikel des Berliner hochkonservativen Organes mit und hängen ihm folgende Note an: „Diese auf Grund eines völlig unerwicsenen Thatbestandes verübte Hetze des Blattes mit dem Kreuz an der Stirne — kann auch von christlichent Standpunkte ans nur als scheußlich bezeichnet werden, — doppelt scheußlich, weil dabei die Tendenz zwischen den Zeilen zu lesen ist, die Juden in Deutschland für das angebliche Verbrechen ihrer korfiotischen Glaubens- und Volksgenossen mitverantwortlich zu machen." Die „Kreuzzeitung" wird nun wohl mit ihrem „rituellen" Mordssinn nächstens die Entdeckung machen, die „Hess. Blätter" seien „verjudet" oder durch jüdisches Geld bestochen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. An den Pfingstfeiertagen fand zu Wels das oberösterreichisch-salzburg'sche Gauturnfest, verbunden mit der Feier der vor 25 Jahren in Wels erfolgten Begründung dieses Turngaues, statt, an welchem 25 Vereine theilnahmen. Bei dem am 19. im Rathhaussaale abgehaltenen Gauturntage holte sich der Antisemitismus wieder eine wohlverdiente Niederlage, worüber aus Wels berichtet wird: Vom Salzburger Turnverein war der Antrag gestellt worden, bei dem diesjährigen deutschen Turntage die Aufhebung des Ausschlüsse des niederösterreichischen Turngaues aus der deutschen Turnerschaft, sowie einen grundsätzlichen Beschluß dahin zu beantragen: „Es ist eine notwendige Folge der volklichen Aufgabe und Bedeutung des Turnens, daß nur Deutsche ordentliche Mitglieder vondeutschen Turnvereinen werden können; Turn vereine, welche Angehörige anderer Nationen als Mitglieder haben, können nicht als deutsche Turnvereine bezeichnet werden." Die Antragsteller mußten sofort die antisemitische Tendenz ihres Antrages, der von mehreren Rednern sachgemäß bekämpft wurde, zugestehen. Auf Antrag des Berichterstatters H a a g n (Salzburg) beschloß der Gautnrntag mit 30 gegen 5 Stimmen den Uebergang zur Tagesordnung. In den Gauturnrath wurden gewählt: B u l e y (Linz) als Gauvertreter, Haagn (Salzburg), Pollack (Linz) und Ertl (Wels) als Gauturnräthe, nachdem Haagn erklärt hatte, eine Wiederwahl als Gauvertreter nicht mehr annehmen zu können. Die Salzburger Antisemiten hatten vergebens versucht, einen der Ihrigen anstatt Haagn für den Gauturnrath zu candidiren; auf selben entfielen blos vier Stimmen. Kolomea. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Der Nestor der galizischen Rabbiner Herr H i l l e l Lichteustein ist am 5. T'K im hohen Greisenalter eines sanften Todes verschieden. Der Heimgegangene zählte zu den bedeutendsten Autoritäten des orthodoxen Judenthumes in Ungarn und Galizien, war ein Mann von großer talmudischer Gelehrsamkeit, hoher Frömmigkeit und strengster Religiösigkeit und verfügte über eine seltene Rednergabe. Sein Tod reißt eine Lücke, die nicht leicht ausgefüllt werden wird. In Rabbi Hillel sahen wir ein festes Bollwerk gegen das Einreißen des Jndifferentismus. Unerschrocken und uneigennützig hat er für das wahre Jndenthum gekämpft. In seiner literarischen Thätigkeit suchte er in die Herzen unserer Glaubensgenossen den Samen unserer h. Religion zu streuen, wovon seine Werke H bs >2^2 ny u. A. vollgiltiges Zeugniß ablegen. Diese von wahrem religiösen Geiste durchhauchten Werke haben viel Gutes gewirkt, viele wankende Gemüther wurden durch sie aufgerichtet, im Glauben gestärkt, in der religiösen Ueberzeugung befestigt. Der Leichenzug war imposant. Eine unabsehbare Menschenmenge erwiesen dem Heimgegangenen die letzte Ehre. Sein

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