Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 43 (1.6.1891)
- Date
- 1891-06-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448162--32183-2480017- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
792 handelt zunächst von der Kontrolle im Schlachthause. Die erste Abtheilung der vorliegenden Schrift bespricht die absichtlichen Täuschungen, sowie die unbeabsichtigten Verwechselungen, die im Schlachthause schon möglich, ja geradezu unvermeidlich sind, besonders bei den losen Stücken, wie Fett, Därme, Milz u. dgl., wenn nicht eine ganz strenge Kontrolle geübt wird. Es wird das Ungenügende oder doch Schwerfällige der üblichen Controllverfahren beleuchtet und ein neues, sinnreiches Verfahren angegeben, das Herr Provincial-Rabbiner Dr. Kahn mit Recht als einen ppn bezeichnet. Es ist dies ein von Herrn Rüben Stern '"2 in Fulda erfundener , sinnreicher Stempelapparat, der in der Schrift abgebildet und erläutert ist und durch den Erfinder bezogen werden kann. Die zweite Abtheilung behandelt die Kontrolle im Geschäftsräume des Metzgers. Die Betrügereien, die mit Koschersiegeln, Plomben, Koscherzetteln schon constatirt wurden, sind bekannt, sie werden hier eingehend zur Sprache gebracht und auch hier ein neues Verfahren empfohlen, das beachtet zu werden verdient. Die letzte Abtheilung handelt von der Regelung und Verwaltung des Koscherfleisches und enthält ebenfalls manche treffliche Einrichtungen, die allgemein eingeführt zu werden verdienen, wo die Verhältnisse es erfordern. Ueberall tritt einem in wohlthuender Weise das redliche Bestreben entgegen, Mißständen, wie sie leider vielfach bestehen, entschieden entgegenzntreten und ihnen durch praktische Maßregeln zu begegnen. — Es war dies, wie der Verfasser zum Schluffe bemerkte, nicht ohne große Mühe zu erreichen. Die Reorganisation hatte zwei Metzgerstrike zur Folge, von denen der eine 3/4 und der andere 1 1j2 Jahre dauerte. Die Darlegung dieser Verhältnisse hat in uns den Wunsch rege gemacht, daß auch die anderen Institutionen der Gemeinde Fulda, um die sich Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Kahn nicht minder große Verdienste erworben hat, einmal die richtige Würdigung erfahren möchten. Ueberall begegnen wir dem aufrichtigen Bestreben mit jedem Schlendrian zu brechen, und Gediegenes und Bewährtes an dessen Stelle zu setzen. — Wie die riD'ntv, so ist auti) die Einrichtung der ropv eine wahrhaft mustergiltige. Auch hier hat Herr Kreisvorsteher Rüben Stern '"i eine Erfindung gemacht, die ich schon vor mehreren Jahren von Rabbiner Stern Wi in Hamburg als einen ppn rühmen hörte. Es wäre gewiß dankenswerth, wenn vielleicht der Erfinder sich entschließen würde, diese Erfindung einmal in diesem Blatte zu besprechen. Merkwürdig ist ferner eine eigenartige von Herrn Dr. Kahn geschaffene Erubeinrichtu ng und das wahrhafte tolerante Entgegenkommen von nichtjüdischer Seite, das sich bei dieser Gelegenheit bewährt hat. Besonders aber ist es das nneio, dem Herrn Dr. Kahn "j seine besondere Aufmerksamkeit gewidmet und dabei Erfolge erzielt hat, die geradezu stannenerregcnd sind. Er hat Jahre lang unablässig auf den frivolen Schlendrian hingewiesen mit dem gerade onsra ihren Beruf vielfach betreiben, und hat im Laufe der Zeit die Genugthnung erlebt, daß hkti mina Q’^nj in Rußland ihre Tefillin aus — Fulda beziehen. Wir beglückwünschen die Gemeinde Fulda aus ganzem Herzen zu ihren trefflichen Institutionen und zu deren Begründern resp. Vervollkommnern und schließen mit dem innigen Wunsche, daß die Gemeinde und ihr Rabbiner recht viele Nachahmung finden mögen. Summachos. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 31. Mai. Unsere Aufforderung in Nr. 39 und 40 dieser Blätter zu Sammlungen von Liebesgaben für unsere unglücklichen russischen Glaubensgenossen, bat in den Herzen unserer Brüder und Schwestern allenthalben den lebhaftesten Widerhall gefunden. Große und kleine Gemeinden, Arm und Reich, Hoch und Niedrig, Alle wetteifern darin je nach Vermögen ihr Scherflein beizutragen. Die Briefe mit Spendencinlagen, die uns von Nah und Fern zugehen, sind wahrhaft rührend und zeugen davon, daß das jüdische Herz nichts von seiner altbewährten Treue und Güte eingebüßt hat. So mancher arme pcnfionirte Lehrer, so manche Wittwe, deren Einkünfte kaum zur Deckung der nöthigsten Bedürfnisse hinreicht, übersendet uns ihr Scherflein, freudig in dem Bewußtsein, auch das Ihrige zur Linderung der herzzerreißenden Noth der von Haus und Hof Vertriebenen beigetragen zu haben. Bereits sind einige Tausend Mark bet uns eingcgangen und haben wir uns mit Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer "'1in Berlin, sowie mit Oberrabb. Rabbi Jizchak Elchanau Spector in Kowno in Verbindung gesetzt, um eine möglichst gerechte Vertheilung der Gaben zu erzielen. Inzwischen bitten wir unsere Brüder und Schwestern, in der ferneren energischen Bethätigung dieses Liebeswerkes nicht zu erlahmen, sondern mit Aufgebot aller Kräfte weiter zu sammeln, zu spenden, zu agitiren; denn, wie bereits früher ausgeführt, eine solche Gelegenheit zur Ausübung der Zedakapflicht war in unserer Zeit noch nicht geboten, und wir dürfen dieselbe nicht unbenützt vorübergehen Lassen, bis daß der Herr sich unserer Brüder