Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 43 (1.6.1891)
- Date
- 1891-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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arihm. Jahrgang. ' M4ß. Israelit - Icschiir»», AMschrlft rm FördttMiSi>. Geistes Md jild. ftfettts iS ANS. EkUkirdr Md Zihile. Aeulrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmaun in MaiuH, Montag, den 1. I tt it t 5651 (18S1). Leitender Artikel. Die JfitfUtutione» der Israel. Gemeinde Fulda. Die Errichtung und Instandhaltung jüdischer Gemeindeinstitutionen, die in jeder Hinsicht den Ansprüchen des Neligionsgesetzes und dem praktischen Bedürfniß entsprechen, war zu jeder Zeit mit großen Schwierigkeiten verbunden. Heutzutage sind solche Institutionen viel seltener geworden, als man sich gerne zugesteht. Nicht etwa nur in den Gemeinden, deren Führer und Häupter sich von dem überlieferten Judenthum officiell losgesagt haben, sondern selbst in solchen, die dem Namen und der Gesinnung nach dem orthodoxen Judeiithum angehören. In einer Zeit, in welcher die Halbheit, Lauheit und Lebensgemüthlichkeit so on vogu6 ist, wie in der unsrigen, vermögen sich auch diejenigen nicht ganz ihrem Einfluß zu entziehen, welche durch Beruf und Charakter die treuen Hüter der ihnen anvertrauten Heiligthümer sein sollten. Aber selbst die Festen und Wackeren, die jedem derartigen Einfluß unzugänglich sind, haben für die intakte Aufrechterhaltung dieser unbeugsamen Festigkeit viel schwerere Opfer zu bringen, als dies in früherer Zeit der Fall war. Die Halbheit, die Unkcnntniß und Gleichgiltigkeit bei vielen Mitgliedern der Gemeinden, läßt diesen das mannhafte, wackere Eintreten pflichttreuer Rabbiner und Vorsteher leichter als früher wie etwas übertriebenes, beurtheilen und verurtheilen, dessen Notwendigkeit man nicht einsieht und deßhalb bekämpft, jedenfalls aber nicht sympathisch begrüßt und fördert. Wenn aber gar der von seiner Pflicht durchdrungene Rabbiner keinen gleichgesinnten Vorstand auf seiner Seite hat, oder der wackere Vorstand in dem Rabbiner keine Unterstützung findet, so macht sich dieser Gegensatz zunächst in dem Verfall der Gemeindeinstitutionen bemerkbar. Aus diesen und manchen anderen Ursachen finden sich heutzutage so wenige Gemeinden, deren Institutionen wirklich allen Anforderungen entsprechen, daß eine Gemeinde, wie die Fuldaer geradezu die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sie verdankt ihre in jeder Hinsicht mustergiltigen Einrichtungen zuallererst ihrem Rabbiner, Herrn Dr. M. Cahn ’"j, der seines Rabbinerberufes mit einer Umsicht, Gewissenhaftigkeit und Entschiedenheit waltet, die vielen seiner Herren College» zu wünschen wäre. — An denselben wurden von mehreren Seiten Anfragen über die Einrichtungen des Schächtwesens und Fleischverkaufes in seiner Gemeinde gerichtet. Dieses veranlaßte Herrn Dr. Cahn, den Gegenstand dieser Anfragen eingehend darzustellen und in Form eines Memorandums drucken zu lassen, das uns nun vorliegt. Diese nur wenige Seiten umfassende Schrift, enthält für alle diejenigen, die sich für den Gegenstand derselben interessiren, eine Fülle wichtiger Details, die manchen, der seine Gemeinde im Besitz ganz guter Kaschruth-Jnstitutionen glaubt, auf Momente und Umstände aufmerksam macht, die vielfach nicht die genügende Würdigung und Berücksichtigung finden und dennoch geeignet sind das Kaschruth eines ganzen Gemeindewesens in Frage zu stellen. Der Conservatismus mancher Rabbiner und Gemeinden geht soweit, daß er offenbare, unleugbare Mängel und Mißstände mit in den Kauf nimmt, „weil es von jeher so gewesen ist", und sich zufrieden gibt, wenn sich die Zustände nur nicht verschlimmern, aber vollkommen genug gethan zu haben glaubt, wenn er das Althergebrachte mit seinen Vorzügen und Schäden intakt erhält. Diese gefährliche Genügsamkeit hat im jüdischen Gemeindeleben schon so viel Unglück gestiftet, daß sie eine besondere Monographie verdiente. Was nicht besser wird, wird schlechter. Einen Stillstand giebt es hier so wenig, wie sonst. — — — pxmv vbi\ Es ließe sich das nicht etwa an vielen, sondern an allen Aeußerungen des jüdischen Pflichtenlebens Nachweisen, wie es in jedem jüdischen Gemeindewesen zum Ausdruck kommt. — Beschränken wir uns jedoch auf den vorliegenden Gegenstand. — Derselbe