Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 42 (28.5.1891)
- Date
- 1891-05-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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781 Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzeu. Deutschland. Osnabrück. Die Art und Weise, wie die Antisemiten kämpfen, ist zum großen Theil bekannt; doch müssen wir heute von einer ganz neuen Kampfesweise berichten, die es verdient öffentlich gebe a n d m a r k t zu werden. Die Herren Antisemiten haben sich — „'s Vermögen ist ja da" — Stempel anfertigen lassen mit den Worten: „Wie der Wurm die Eiche, so nagt der Jude am Mark des Bauern." Andere Kernsprüche waren uns zu unfläthig, um sie wiederzugeben. Wir fanden solche Sprüche am Bahnhofe in Lengertch i. W., die jetzt überklebt sind, und auf der hies. Post. Wie wir hören, hat die Köln. Eisenbahn-Direktion (rechtsrh.) die ermittelten Thätcr wegen Sachbeschädigung belangt. Kiel, 18. Mai. Der erste Tag des vergangenen Peßachfestes wird für lange Zeit ein Marktstein in der Entwickelung unseres Gewemdelcbens bleiben. Unser neugewählter Rabbiner Dr. Moritz Stern aus Berlin trat seine, hier zum ersten Male neu geschaffene Stellung an. Die Gemeinde hatte sich im festlich geschmückten Gotteshause vollzählig ciugefundeu, von den zahlreichen Gästen lenkte der Vertreter der städtischen Behörden Herr Lr t a d ts ch u l r a t h K u h l g a tz, besondere Aufmerksamkeit auf sich. Als nach den vorzüglich vorgetragenen Gebeten des Herrn Kantors Tann die jugendfrische, elastische Erscheinung unseres Rabbiners die Kanzel bestieg, hing alles mit gespanntester Aufmerksamkei an seinem Munde. War doch die im Januar gehaltene Gastpredigt mit ihrer einschlagendeu Wirkung noch in Aller Gedächtniß! Seitdem hatte Herr Dr. Stern drei Monate in Italien geweilt, wo ihm bekanntlich ein Fund von ungeheurer Wichtigkeit, die Akten des Trientiner Blutprozesfe«, in den Archiven und Bibltothen glückte. Obgleich er nun am Rüsttage des Peßachfestes nach dreitägiger Reise hier eintraf und mit Recht ermüdet sein konnte, feierte er dennoch durch Sprache, Inhalt, Wärme und Begeisterung des Vortrages einen glänzenden Triumph. Rach Rom vor den Titusbogen in der Phantasie uns führend, schilderte der Redner in farbenreichen Bildern die Entwicklung der jüdischen Vergangenheit seit der egyptischeu Befreiungsnacht und zeigte, wie das Licht über die Finsterniß stets gesiegt und die Wahrheit immer mehr an Boden gewonnen hätte. Lob und Jubel müsse auch ihn erfüllen, da Gott ihn in den letzten Monaten begnadet, den Spuren der Wahrheit zum Heile seines Volkes nachzugehcn und ihn nunmehr am Beginne des Frühlings, am Feste der Befreiung an die Spitze einer ansehnlichen, im regen Aufschwung begriffenen Gemeinde als religiöses Oberhaupt gestellt habe. Das Wort des Propheten Jesaja: „Jubeln will ich im Ewigen, wie frohlockt meine Seele in meinem Gotte, denn er hat mich gekleidet in die Gewänder des Heils, in den Mantel der Liebe mich gehüllt", erfülle sein ganzes Herz, aus dieser Freude heraus wolle er die Institutionen der Gemeinde aufbauen und mit dieser einen Bund schließen auf den allbewährten Grundlagen der Gotteslehre, des Gottes- und Menschendienstes. Nachdem der Redner diese drei von einander unzertrennlichen Voraussetzungen eines Gemeindelebens im Anschluß an den Jesajanischen Textvers in ergreifenden Worten und Beispielen klargelegt und ganz besonders bei mm und mnv auf die Reinheit der jüdischen Lehre und des jüdischen Dienstes hingewiesen hatte, schloß er in Begeisterung mit der Gemeinde ein feierliches Bündniß, das zum Segen der Familien, der Stadt und des ganzen Vaterlandes gereichen möge. Ein inniges, von religiösem Feier und heiligster Vaterlandsliebe durchglühtes Gebet für Stadt und Herrscherhaus schloß die erhebende Feier, die auch auf die anwesenden Nichtjuden den nachhaltigsten Eindruck machte. England. London, 25. Mai. Im Unterhause erklärte heute der Unterstaatssekretär Gorst auf eine Anfrage hin, daß nach den amtlichen Berichten der griechischen Regierung auf Korfu die Ordnung wiederhergestellt sei. Die Juden auf der Insel hätten ihre gewohnten Beschäftigungen ausgenommen. Der britische Gesandte in Athen telegraphirte in demselben Sinne vom 21. Mai und fügte noch hinzu, daß der österreichische Konsul jene amtlichen Berichte bestätige. Ferner berichtete der Befehlshaber des englischen Kriegsschiffes, welches im Hasen von Zante liegt, daß auch auf Zante Alles ruhig sei und man keine weiteren Besorgnisse zu hegen brauche. > Vermischtes. < Losoncz, 1. Mai. Gestern, am letzten Tage des Passahfestes, hat unser verehrter Oberrabbiner Rosenthal zum letzen Male die Kanzel unserer Synagoge betreten, um sich von seiner Gemeinde zu verabschieden, da ihn die Gemeinde von Bonyhad zu ihrem {OnN”i no Seelsorger, erwählt hat. Das Gotteshaus war ans diesem Anlässe in seinen Räumen überfüllt und befanden sich unter den Zuhörern auch der hiesige reformirte Geistliche Margocscy und der gesammte Lehrkörper unseres Oberstaatsgymnasiums mit seinem Director Gresits an der Spitze. Die vortreffliche ungarische Ab-' schiedsrede hat die Anwesenden tief erschüttert und blieb daher auch kein Auge trocken. Tie israelitische Gewerbeschule des Ober-Elsaß in Mühlhausen zählte im verflossenen Jahre 38 Schüler. Der Jahresbericht constatirt, daß die Anstalt sich in erwünschter Fortentwicklung befindet nnd die Resultate derselbensich in