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Der Israelit · 1891-05-28 · Heft 42 (28.5.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 42 (28.5.1891)
Date
1891-05-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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778 tung vermag ich sie nicht zu nützen. Denn — ich dächte, es sollte Dir bekannt sein, der Messias ist der Gesalbte Gottes, den salben Menschenhände nicht." Jachini blickte ihn betroffen an. „Ich verstehe Dich nicht, Sabbatai." Abermals erröthete der junge Mann und ohne dem forschenden Blicke des Andern zu begegnen, erwiederte txi „Als ich beim Vollmondschein einst in des Meeres kühlendes Naß die ermüdeten Glieder getaucht und mich dann den schäumenden Wellen entwunden, da erschienen die drei Erzväter mit einem Kruge duftendem Oele, mit dem sie Haupt und Glieder mir salbten — daher der Duft, der meinen Haaren entströmt. — Wie könnte ich das ändern? — sage." Jachini zuckte die Achseln. „Verzeihe meine Bemerkung — ich sehe ein, Du vermagst es nicht zu ändern." Er wußte genug, es war kein betrogener Betrüger, den er vor sich hatte. * q- * Mehrere Monate waren verstrichen. Obgleich ein Geheimniß, das fünfzig wissen, kein Geheimniß mehr ist, so war doch seltsamerweise Sabbatais Kundgebung gegen seine Jünger bisher nicht über ihren Kreis gedrungen. Die verblendeten Jünglinge hingen mit schwärmerischer Verehrung an ihrem jugendlichen Lehrer, sie fühlten sich hochgeehrt durch sein Vertrauen und stolz in dem Bewußtsein, mehr zu wissen, als alle Uebrigen. — Sie hatten einander daher strengste Verschwiegenheit gelobt, bis ihr Meister sie dieses Gelöbnisses entbinden würde. Was den einen jungen Mann betraf, der ihren Kreis verlassen hatte, so war derselbe noch am selben Tage schwer erkrankt, und als er nach mehreren Wochen endlich genesen, da mied er hartnäckig seine ehemaligen Genossen und ergab sich mit Leidenschaft dem Studium des Talmud, das er, wie er sich selbst gegen seine Eltern anklagte, ehedem allzusehr vernachlässigt hatte. Die Eltern fanden es befremdend, daß während der ganzen Zeit seiner Krankheit keiner seiner bisherigen Freunde sich nach ihm unigesehen; sie vermutheten, daß irgend ein Zerwürfnitz zwischen den jungen Leuten stattgefunden, doch da ihr Sohn sich nie darüber äußerte, so stellten auch sie keine diesbezügliche Frage an ihn. Waren sie doch allzuglücklich, daß er genesen und daß er in jenen Stunden, die er nicht dem Talmudftudium widmete, dem Vater im Geschäfte behilflich war. Freilich war das Geschäft des Vaters der Art, daß er die Hilfe des Sohnes wohl hätte entbehren können, doch immerhin mochte es gut sein, wenn der junge Mann sich einige Geschäftskcnntniß erwarb. Es war in den Vormittagsstunden, der junge Mann befand sich in seinem Zimmer, mehrere aufgeschlagene Folianten, die vor ihm auf dem Tische lagen, zeugten von seiner ernsten Thätigkeii, als sein Vater zu ihm trat. „Gabriel, mein Sohn, es thut mir sehr leid, daß ich Dich stören muß, aber es wäre mir von großem Werth, wenn Du sofort zu dem Großhändler Baruch Lisbona gehen und ihm sagen würdest, daß die Angelegenheit, wegen der er gestern mit mir gesprochen hat, unter den von ihm gestern angegeben Bedingungen zu Stande kommen könnte. Ich lasse ihn daher fragen, ob er bet seinem gestrigen Wort beharren will — ich hätte sonst einen andern Käufer." „Ich gehe sofort, mein Vater", erwiederte Gabriel, indem er die Folianten schloß und sich entfernte. (Fortsetzung folgt.) ,3*wÄt* unk „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Dorrnerftags, jedeSmsl in mindesten» 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 18 Reichs-Mark, för'S Ausland 1« Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Kuchhanbel }U bestehen bet E. F. Kleiuackrr. Lripsig, Aoßpkatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco «ntz^end«. Inhalt lHanptblatt)r Leitender Artikel: Sprüche der Väter. (Fortges. von Likpm. PH. Prins Frankfurt a. M.) — Zur Corfuer Judenhetze. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus dem Großherzogthum Hessen. Frankfurt a. M. Bielefeld. Bad Ems. — Oesterr. - Uugar. Monarchie: Aus Ungarn. — Frankreich: Paris. — Bermischtes. — Feuilleton: Sabbatai Zewi. Historische Erzählung von Ernst Schwarz (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Judenaustreibung aus Moskau. — Literarische Notiz. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Osnabrück. Kiel. — England: London. — Vermischtes. — Räthsel. — Inhalt der zweite« Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Dänemark: Kopenhagen. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz- Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actieu-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.

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