Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 42 (28.5.1891)
- Date
- 1891-05-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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777 $ * u t ( ( * t $ tt* Habbatai Demi. H i st o r i s ch e Erzählung Vrirst Schivari. (Fortsetzung.) Inzwischen befand sich Jachini allein mit Sabbatai in dessen sogenanntem Lehrzimmer. Beide sahen einander zum erstenmal, beide betrachteten einander von der Seite mit einem gewissen, lauernden Blick, wie Menschen, die sich offenbar noch nicht klar sind, was sie von einander denken sollen. Sabbatai fühlte sich allerdings dem älteren Manne zu Dank verpflichtet; denn er hatte es wohl bemerkt, daß ohne Jachini's entschiedenes und entscheidendes Auftreten sein erster Erfolg höchst zweifelhaft gewesen wäre. Doch er hielt es des Messias nicht geziemend, seinem Danke Ausdruck zu leihen und überdies wußte er doch noch nicht mit Bestimmtheit, ob er auch fernerhin unbedingt auf Jachini rechnen konnte. Jachint wiederum wünschte zu ergründen, ob Sabbatai's Auftreten einzig und allein kühn berechnender Herrschsucht oder auch schwärmerischer Leidenschaftlichkeit entsprang. Darüber wollte er sich Klarheit verschaffen. Endlich brach Sabbatai das Schweigen. „Woher bist Du, Fremdling? — und woher kommst Du? — mich dünkt, ich sah Dich noch nie in meines Vaters Hause." „Und dennoch habe ich Deinen Vater weit früher gekannt, als Du. Ich bin ein Jugendfreund Deines Vaters, mein Name ist Abraham Jachini." Sabbatai strich sich mit der Hand über die Stirn. „Jachini," wiederholte er, „Abraham Jachini — mich dünkt, ich höre diesen Namen nicht znm erstenmal." „Möglich, daß Du meinen Namen von Deinem Vater vernommen — möglich auch vielleicht von Andern. Denn ich habe viele Länder durchreist, habe viele Menschen kennen gelernt — und man rühmt mir nach, daß ich das Wort in meiner Gewalt habe, daß ich die Menschen zu packen verstehe, auch wenn sie sich nicht packen lassen wollen." Sabbatai neigte zustimmcnd das Haupt, er war überzeugt, Jachini sagte nicht zu viel von sich. „Du bist ein Prediger?" „Das bin ich." Wiederum schwiegen beide und sahen einander wiederum von der Seite an. Endlich begann Jachini: „Ich preise mich glücklich, daß ich gerade am heutigen Tage in Deines Vaters Haus gekommen bin — daß es mir vergönnt gewesen, Zeuge zu sein, wie meines Freundes Sohn als Messias sich geoffenbart." Sabbatai athmete hoch auf, sein Auge leuchtete. „Auch mir gewährt es innige Genugthuung, daß der weise, welterfahrene Jachini Zeuge dieser meiner ersten Kundgebung gewesen ist, daß auch er einst für mich zeugen kann." „Gewiß werde ich für Dich zeugen. — Du weißt, daß auch heute —" „Ich weiß es — und ich werde Dir Dein heutiges Auftreten nicht vergessen." Jachini verneigte sich tief. „Ich bewundere Dich, Sabbatai — Du, noch so jung an Jahren und doch bereits so tief eingedrungen in die Lehren der Weisheit — noch nie habe ich Aehnliches gesehen." Sabbatai lächelte. „Wie hättest Du Aehnliches sehen können? — es gibt doch nur Einen Messias." „Aber auch das hat mich mit Staunen erfüllt, daß Du es Deinen Jüngern untersagt hast, Deine heutige Kundgebung weiter zu verbreiten." „Weil die Zeit noch nicht gekommen ist, das Erlösungswerk zu beginnen. Doch mit meiner Offenbarung durfte ich nicht zögern —" „Ich weiß es," fiel Jachini ein, „ich sagte es bereits zu Deinem Vater, daß wir noch in diesem Jahre ein bedeutendes Ereigniß zu gewärtigen haben — daß dieses jedoch so nahe, das ahnte ich nicht." „Du bist ein weiser Mann, Jachini — obgleich ich Dich heute zum erstenmal sehe, bringt meine Seele Dir doch bereits Hochachtung entgegen.". Wiederum verneigte sich Jachini bis tief zur Erde. „Wenn ich sicher wäre, daß der weise, aber doch noch jugendliche Messias dem erfahrenen Manne eine Bemerkung gestatten würde —" „Sprich', Jachini, ich kenne Deine Gesinnung und gebe viel auf Deine Erfahrung." „Je mehr ich Dich höre, Sabbatai, desto mehr steigert sich meine Bewunderung für Deine Weisheit — und wer Dich sieht und in ihm lebt der Glaube, der muß als Messias Dick erkennen. — Doch wer Dir nahe käme und hätte die Augen geschlossen, der müßte wähnen — verzeihe, daß ich es ausspreche, aber ein Duft wie von Rosen und Lilien entquillt Deinem glänzenden Haar — wie er sonst nur den Haaren der Frauen zu entströmen pflegt." Sabbatai erröthete. „Und das mißfällt Dir?" „Das habe ich nicht gesagt —" „Gesagt freilich nicht, aber doch mir zu verstehen gegeben. — Doch so sehr ich Deine Erfahrung und Deine Weisheit schätze, nach dieser Rich-