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Der Israelit · 1891-05-28 · Heft 42 (28.5.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 42 (28.5.1891)
Date
1891-05-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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775 Reiches und aus dem Auslande eingelaufen sein sollen. „Ueber 150 Telegramme wurden verlesen." — Wie solche begeisternde Begrüßungen gemacht werden, geht aus folgendem Rundschreiben des Wittener Antisemiteuhäuptlings Dr. König hervor, das die hiesige „Volkswacht" mittheilt: P. P. Ich bitte Sie freundlichst, am Montag, den 18. ds., Nachmittags 3 Uhr, ein Begrüßungstelegramm für den Parteitag in Leipzig an die Adresse: Fritsch, Leipzig, Stadt Nürnberg, oder am Dienstag, den 19. ds., Morgens 9 Uhr, an Fritsche, Leipzig, CafS Battenberg, zu senden. Statt Fritsche kann nach Belieben auch mein Name gewählt werden. Witten, den 15. Mai 1891. Mit deutschem Gruß D r. König. Bad Ems, 24. Mai. Der dritte Jahresbericht der „E m s e r Heilquelle" (Majnc hajeschuoh), des Unterstützungsvereins für arme jüdische Kurbedürftige, welche wegen verspäteter Anmeldung oder anderer Gründe im hiesigen Königlichen Armenbade keine Aufnahme finden können, ist soeben erschienen und zeigt ein schönes Bild segensreicher Wirksamkeit. 23 jüdische Patienten erhielten je nach der Dürftigkeit eine größere oder kleinere Gcldunterstützung zur Bestreitung des Lebensunterhaltes, während der Dauer ihrer Kur, so daß sich die Gesammtsumme der Ausgaben auf 1406,94 M. gegen 818,47 M. des vorigen und 273 M. des ersten Jahres belief. Zum festen Fonds konnten 650 M. zurückgelegt werden, so daß derselbe nunmehr die Höhe von 2956 M. erreicht hat. Bedenkt man, daß bisher die Mittel bloß durch Sammlungen bei Emser jüdischen Kurgästen aufgebracht worden siud, so muß man der Verwaltung des Vereins, den Herren: Dr. med. Aron so hu und Bezirksrabbiuer Di*. Weingarten alle Anerkennung für ihr uneigennütziges emsiges Bemühen zollen. Eine große Erleichterung erwuchs dem Vereine daraus, daß die Königliche Kur- und Brunnenverwaltung seinen Patienten die Kur- und Brunnentaxe erließ, Herr Quehl, Direktor der Friedrich-Wilhelmsquellen, freie Bäder und freie Inhalationen in seinem pneumatischen Kabinete zu ermäßigten Preisen gewährten. Auch darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Verwaltung der Mahlbergbahn an zwei Patienten, deren Gesundung Bergluft erheischte, unentgeltliche Fahrt auf den Mahlberg bewilligte. Besonders verdient es aber hervorgehoben zu werden, daß Brunnen- und Badearzt Herr Dr. A r o nsohn trotz seiner ausgedehnten Praxis, die er sich durch seine Tüchtigkeit bereits erworben hat, den armen jüdischen Kranken unermüdlich in der freundlichsten Weise ärztliche Behandlung angedeihen ließ. Wie aus der Einleitung des Jahres-Berichtes zu ersehen ist, beabsichtigt der Verein, bald ein Krankenhaus in Ems für Diejenigen armen Kranken zu errichten, bei denen Krankenhaus-Behandlung nothwendig ist. Dasselbe soll nur im Sommer geöffnet sein, Raum für etwa 20 Kranke haben und auch besondere Zimmer für solche vermögende Kranke enthalten, für welche Krankenhaus-Behandlung erforderlich sein wird. Daß gerade in Ems eine solche Anstalt ein Bedürfniß ist, ist bereits von vielen Seiten ausgesprochen worden. Es wäre daher aufrichtig zu wünschen, daß die Bitte des Vorstandes bei allen jüdischen Gemeinden und edlen Menschenfreunden ein lautes Echo findet, daß recht viele durch größere oder kleinere Spenden dazu beitragen, daß ein Emser jüdisches Krankenhaus unsren leidenden Brüdern und Schwestern baldigst seine Pforten öffnet. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Aus Ungarn', 22. Mai. Wenn wir leider in neuerer Zeit fortwährend mit Schreckensnachrichten über die verzweifelte Lage unserer Brüder, welche sowohl auf den lachenden Gestaden des Orients, als auch im eiskalten Westen Europas durch Glaubensfauatismus heraufbeschworen wurden, überrascht werden, wirkt die Wahrnehmung, daß die unter dem Namen „Antisemitismus" epidemisch um sich gegriffene Krankheit hierzulande völlig im Aussterben begriffen ist, doppelt wohlthuend. Der berüchtigte Redacteur des schon längst den Weg alles Irdischen gewandelten „Függetlensög", welches Blatt zur Zeit der antisemitischen Hochfluth in Ungarn seine gleichgesinnten Kollegen im deutschen Reiche in der Fabrikation von Blutmärchen und Hetzereien — wenn dies überhaupt möglich war — bei weitem überbot, hütet sich wohl, nachdem er sieben Monate hindurch Zeit und Muße hatte, hinter Schloß und Riegel auf "Staatskosten sich vom Judenthum einen anderen Begriff zu machen, in seinem neuen Blatte, mit einem antisemitischen Programm aufzutreten. Ja selbst nicht einmal den alten Namen wagt er zu gebrauchen, und nennt daher das neue Blatt „Függethen Ujsag" (Unabhängige Zeitung.) Der Begründer des Judenhasses in Ungarn, Herr Ist o z i, welcher unlängst einen angeblich die Verarmung der grundbesitzenden Bauern verhindernden Gesetzentwurf dem Reichstage vorlegte, der aber Spuren der Gesinnung seines Verfassers aufwies, wurde einfach ausgelacht, indem man ihm bedeutete, daß die Zeit dieser Menschenbeglücker längst dahingeschwunden sei und daß die vergiftende Saat des Antisemitismus im weiten Ungarlande keinen Boden mehr findet. Derjenige Theil der ungarischen Gesellschaft, welcher

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