Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 42 (28.5.1891)
- Date
- 1891-05-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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772 Wißt mehr sollen die Mütter ihre entwöhnten Kinder erziehen dürfen in dem Glauben an den einzigen Gott. Das ihn 'i «»pb« 'n ynv darf nicht mehr das erste Wort sein, welches die liebende Mutter ihrem zarten Kinde in den Mund legt, so lautete uugefähr das erste Edikt, das Hadrian erließ. Der Bund der Beschneidung darf nicht mehr vollzogen werden. Der Sabbat hört auf Ruhetag zu sein. rnin-Unterricht ist verpönt. nun* Vorträge sind untersagt. Das Anlegen von ist verboten. — Nicht umsonst heißt diese Zeit nwi nyp. Die Verleihung der Autorisation, na’co, an künftige Gesetzeslehrer war unter Androhung der Todesstrafe verboten. Nicht nur der autorisirende Lehrer, sondern auch der antoriskrte Schüler verfalle dem Tode; selbst der Stadt, worin die Autorisation stattfände, war Vernichtung und ihren Mauern Niederreißung angedroht, und dieses Dekret war Ursache, daß diese Zeit nmn nytJ\ Zeit der Gefahr genannt wurde. (Sanhedrin 14.) Aber auch von anderer Seite war das Judenthum bedroht. Dort in Galiläa, in der Provinz, wo unser R. Jose Vorsitzender des Tribunals war und sein Lehrhaus stand, dort in der Umgebung von Sepphoris, dem Geburtsort und Wohnsitz unseres Tanaiten, dort am m», Genezareth, trafen die ersten Sendboten ein, um die neue Lehre des Christenthums zu verbreiten, fremde Elemente in das Judenthum einzuführen, neue Prinzipien für die Religion zu predigen. Es war eine vollständige iBifn nM, eine Zeit der Religiousverfolgung. Und in dieser Zeit lebte und wirkte R. Jos«. — Wo wir in den Schriften der Tradition dem Namen N. JoiS begegnen, ohne Erwähnung des Vaters, ist in der Regel R. Jose, Sohn Chalaphta's, gemeint. Dieser N. Jostz ist der Verfasser unserer Sentenz. Im Talmud Jeruschalmi (myn, 2, 4) wird uns mitgetheilt, aus welcher Familie unser Autor sproßte. Wir lesen dort: In Jerusalem wurde eine Rolle vorgefuuden, worin die Stammbäume mehrerer hervorragender Männer verzeichnet waren. Dieser Rolle gemäß gehörte R. Jos« b. Chalaphta dem Geschlechte der Rechabim an, deren Stammvater Jonadab, Sohn Rechab, war. Dieser war ein Urenkel des Jethro, Schwiegervater Moscheh's. (Midr. Jalkut mo», 169.) Also entstammte R. Jos« eigentlich einem Proselyteu-Geschlecht; der genannte Jonadab b. Rechab aber, sowie seine Kinder und Enkel waren so für das Judenthum und seine Institutionen begeistert, waren so innigst überzeugt von der Wahrheit des göttlichen Gesetzes, waren solche pflichttreue Anhänger der jüdischen Lehre, nahmen solchen Antheil an den Geschicken des jüdischen Volkes, daß der Prophet Jeremiah die göttliche Weissagung erhielt: „Das Geschlecht Jonadab b. Rechab wird niemals untergehen und in aller Zukunft standhaft bleiben in seiner Begeisterung für Gott." ew rro’ nnos 4i m pV .O'v'71 »jeV noy 22-1 p 2-iri'v War es doch Jonadab b. Rechab, der dem König Israel zur Seite stand und mit diesem den Rest des Achab-Geschlechts vertilgte; war er es doch, der mit J«hu die Baalspriester tödtete. — (Könige II, X, 15 rc.) Zeigte der Vater, welchen Haß er gegen die an Gott Treulosen im Herzen trug, so zeigten seine Kinder durch ihre Lebensweise solche Theilnahme an Israels Schicksal, daß Gott dem Propheten Jeremiah befahl, dieselben dem Volke Israel als leuchtendes Beispiel vorzuführen. „Lade die Familie der Rechabim ein, sie möchten sich nach einer der Hallen des Tempels begeben und setze ihnen dort Wein vor", so lautete das Wort Gottes zu dem Manne Gottes. Und die Männer kamen in die Halle, weigerten sich aber, von dem Vorgesetzten Wein zu genießen. Unser Vater hat es uns ja verboten, daß weder wir, noch unsere Frauen, noch unsere Kinder Wein trinken dürfen. — Was war wohl die Veranlassung dieses Verbots, fragen die Weisen im Midrasch und man antwortete, Jonadab wollte, daß seine Kinder, weil sie durch ihre Geburt nicht zu dem auserwählten Volke gehörten, umsomehr durch ihre Lebensweise zeigen sollten, wie sie mit allen Fasern des Herzens treue Anhänger des Judenthums seien. — „Israel", so sagte er, „geht bangen Tagen entgegen, sein Tempel wird eiugeäschert, seine Söhne und Töchter werden genöthigt, das Land ihrer Väter zu verlassen; wie dürfen wir uns erheitern durch jenes Getränk, welches das Menschenherz freudig erregt? Nicht einmal dürfen wir Weinberge, Felder und Häuser kaufen, Grundbesitzer werden in dem Lande, welches unsere Glaubensbrüdcr werden genöthigt werden, zu verlassen." — Aus jener für Gott und Sein Volk begeisterten Familie stammt der Tanaite, dessen Spruch: Priori V21 rnnan by “2120 ibu minn rx -J22»n ^2 ronan by ibu minn nw wir in einem folgenden Aufsatz näher zu erörtern suchen werden. (Fortsetzung folgt.) Zur Gorfuer Zudenyetze Auf Grund offizieller Aufzeichnungen, welche das Konsulat einer europäischen Großmacht in Korfu über den Verlauf der Judenhetze gemacht hat, gibt