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Der Israelit · 1891-05-28 · Heft 42 (28.5.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 42 (28.5.1891)
Date
1891-05-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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xxxn Jahrgang. M 4Ä. Israelit... Jeschamn. Zkttsltzüst M FSrdmll- B. Gkllirs Md jSd. Mess ill Urs. Er«elrdk mdZtzilr. Gentrat-Zrgan für das orthodore Zudenthum. Begründet von Vr Lehman« in Mainz. Donner ft ag, den 28. Mai 5651 (1891). Leitender Artikel. Sprüche der Wäter. Viertes Buch. XXXVI. Fortgesetzt von Liepman Philip Pr ins. Frankfurt a. M., 24. Mai. by 1313» töia minn ns aaaon bi aciN »dv 'a .nvaan by isu minn n« ^ntsn Vai nvaan „Rabbi Jose pflegte zu sagen: Wer die Thora ehrt, der wird selbst von den Menschen geehrt; wer aber die Thora entweiht, der wird von den Menschen entwürdigt." Der hohe Werth, welchen jedes Wort unserer Weisen in unseren Augen hat, veranlaßt uns, diesem Spruch tiefer nachzusinnen und können wir nicht befriedigt sein von der Annahme, die einfache Uebersetzung genüge, um der Tendenz dieses Sittenspruches gerecht zu werden. Wir fühlen cs ja selbst, daß die Verehrung von Wahrheit, Recht und Frieden, daß die Würdigung und Hochhaltung dieser drei Säulen, auf welchen das ganze Gebäude des sittlich-socialen Lebens ruht, und die in der heiligen Thora ihre Vertretung und Verkörperung finden, daß die Hochschätzung der Thora nur beglückend und Segen spendend auf uns selbst zurückwirkt und daß die Ehre, welche wir der Thora zollen, uns nur Ehre bringen kann. — Wir selbst fühlen es, daß die Vernachlässigung der uns auferlegten Pflichten, die Außerachtlassung und Ueberlretung der göttlichen Gesetze und insbesondere deren Entweihung die Entwürdigung Seitens unserer Mitmenschen zur Folge hat. — Die heilige Lehre führt zu allem Guten, die Trennung von ihr führt zur Sittenlosigkett. — Und wir wagen es auszusprechen, für die Mittheilung, daß die Verehrung der Thora Ehren bringt und die Entweihung der Thora die Verachtung der Mitmenschen eintrügt — für die Constatirung dieser Wahrheit, sagen wir, brauchen wir den Spruch eines R. Jose nicht, eines R. Josö, dessen Worte sowohl in Halacha, als in Agada immer den tiefen Denker, den tiefen und erschöpfenden Forscher und Philosophen verrathen. Aber selbst ohne diese Voraussetzung finden wir in der gewöhnlichen Uebersetzung das wiederholte Wörtchen ibu nicht erklärt. „*]un naa" heißt doch „körperliche, persönliche Ehre" — im Gegensätze zu dem Begriff einer Ehre, welche man dem Guten und Edlen an sich zollt, ohne die Person, den Träger und den mit diesen Eigenschaften Gezierten zu beachten. Es s ch e i n t, als ob unser Autor gerade durch sein Wort aaiaia ibu und 'm in Widerspruch gerätst mit der bekannten Lehre maan p pnan „Entferne Dich von der Ehre." Es schelür, als ob der Verfasser dieses Spruches seinen Hörern zuruft: Willst Du für Deine Person Dir Ehre schaffen, ehre die Thora. Es scheint, als ob R. Jos6 in dieser Sentenz mehr darauf achtet, seinen Hörern zu sagen, womit man die Ehre erreicht oder verliert, als sie anzuspornen, die maa rrrnn hochzuhalten. Wir glauben daher, unseren Spruch historischen Ereignissen und Zuständen zu verdanken und wollen versuchen, R. Josö und seine Zeit zu beschreiben, insofern wir dieses zum richtigen Verstäudniß des erwähnten Spruchs für nöthig erachten. — Die Zeit, in welcher R. Jose lebte, trägt in der Geschichte drei Namen, die genügend zeigen, wie traurig und betrübend es damals in Israel aussah. Abwechselnd wird diese Zeit nania nytp, ruron nyv und ac^n nyv genannt. Mit dem Um tergang Bethars, mit dem Tode Bar Kochbas hatte das Bestehen eines jüdischen Staates vollständig aufgehört. Aber der römische Sieger, Kaiser Hadrian, begnügte sich nicht mit der Zerstörung der jüdischen Staatsmacht, sondern er suchte auch den jüdischen Geist zu tödten, den Lebensnerv des Judcnthums durch Zerstörung des Gottesgesetzes zu unterbinden und sich an den Bekennern der Gottes- Einheit durch körperliche, mehr noch aber durch seelische Qualen zu rächen.

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