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Der Israelit · 1891-05-25 · Heft 41 (25.5.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 41 (25.5.1891)
Date
1891-05-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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764 Ausspruch des Dr. König aus Witten bekräftigt diese Anschauung. Herr Dr. König sprach im Namen der Gäste den hiesigen Parteigenossen seinen Dank für die freundliche Aufnahme und der Parteileitung für ihre wirksame Thätigkeit seine Anerkennung aus, insbesondere Herrn Fritsch, dessen Wohnung, Windmühlenftraße 28, er als historisches Haus bezeichnete, als eine Schmiede der blanken Waffen und des blanken Rüstzeugs, mit dem die deutschsoziale Partei kämpfe. Großartig! Da haben wir es ja! Wir wußten es schon lange! Der Theodor Fritsch leitet alle Antisemitengeister, wo diese auch sein mögen! Großer Fritsche! —? Auch gingen über 100 Depeschen aus allen deutschen Gegenden ein. In „Battenberg" wurden am 18. Mai, Vormittags, unter Vorsitz des Dr. König die Berathungen erörtert. Anwesend waren 236 Delegirte, die zumeist nicht in die Debatte eingriffen. Herr Dr. König-Witten eroffnete die Verhandlungen mit einem dreifachen Hoch auf Kaiser und Reich. Er führte auch den Vorsitz bei den weiteren Berathungen. Am Vorstaudstische hatten außerdem noch die Herren Dr. Paul Förster-Berlin, Reichstagsabgeordneter Liebermann von Sonnenberg-Leipzig, Theodor Fritsch-Leipzig, Uhl-Leipzig, Blobel-Leipzig und Erdmannsdörser-Leipzig Platz genommen. Nachdem die persönliche Vorstellung der einzelnen Delegirten erfolgt war, trat man in die Berathung des Entwurfs, zur Festsetzung der Grundsätze und Forderungen der deutsch-socialen (antisemitischen) Partei, ein. Der Entwurf basirte auf dem ergänzten Bochumer Programm. Auf Vorschlag des Partei- Vorstandes wurde nochmals beschlossen, das Programm selbst in kurzer, knapper Form, in welchem die wichtigsten Grundsätze der Partei niedergelegt werden sollen, abzufassen, während man die Erläuterungen und Ausarbeitung hierzu in einem erweiterten Programm oder Commentar rc. dem Parteivorstand übertrug. Ein derartig gekürztes Programm, in welchem alle eingegangenen Anträge und gewünschten Aenderungen Berücksichtigung gefunden hatten, wurde vorgelegt und zur Abstimmung gebracht. In der Hauptsache waren es die alten, schon früher aufgestellten Grundsätze und Forderungen, welche im neuen Entwurf Berücksichtigung gefunden hatten. Sie betrafen die Staats- Verfaffung, Volksvertretung, sociale Reform, Kirche, Schule, Rechtspflege, Heer, Geldreform, Steuerreform, Schutz der Arbeit, des Handwerks, der Landwirthschaft, die Bodenbesitzreform, Arbeiterfrage, Handel, Einschränkung des Zwischenhandels, Colonisation und Judenfrage. Als neue bez. veränderte Forderungen wurden ausgestellt: l. Die Forderung eines Reichsvereinsgesetzes. 2. Möglichste Befreiung der christlichen Kirche von staatlicher Bevormundung. 3. Wahrung des christlichen, nationalen Gesichtspunktes in der Jugenderziehung. 4. Größere Bewegungsfreiheit für Beamten-Vereine. 5. Erweiterte Ausdehnung der Sonntagsruhe für alle Beamte öffentlicher Verkchrsanstalten. 6. Aufhebung des Impfzwanges. 7. Einschränkung und Verbesserung des Submissionsverfahrens. 8. Ausreichende Schutzzollgesetzgebung für landwirthschaftliche Produkte. 9. Einführung einer Sonntagsruhe von mindestens 36 Stunden. 10. Fürsorge für gesunde Arbeiterwohnungen, ll. Verbot der Einführung chinesischer Arbeiter. 12. Zusammensetzung der Handelskammer aus den verschiedenen Branchen. 13. Beschränkung der Consum-Vereine. 14. Verbesserung der Lage der Handlungsgehilfen. 15. Beförderung der inneren Colonisation und endlich 16 zur Judensrage: „Aufhebung der Juden-Emanzipation und Stellung der in Deutschland lebenden Juden unter ein Fremdenrecht (Judenrecht), Verbot der Einwanderung fremder Juden." Das alte Lied der Judenhetze ist abermals in allen Melodien durchsungen. Leipzig kann stolz aus seine antisemitische Tendenz sein. □ Ostheim (Rheinpfalz), im Mai. Zum ehrenden Andenken an den langjährigen Bürgermeister Oft er mann von hier, hat dessen Wittwe, geb. W e i ß g erb er, vielen Anstalten und Vereinen Schenkungen und Gaben zugewendet. Es erhielten das Rappoltsweiler israelitische Hospital M. 200, die Armeuverwaltung von Ostheim M. 800, die Krankenkasse M. 400, die freiwillige Feuerwehr M. 200 u. s. w. □ München, int Mai. (Statistisches.) Der Zeitschrift des kgl. statist. Bureaus entnehmen wir eine Mittheilung über die in Bayern bis zum I. 1888 vorhandenen Stiftungen.. Wenn man die Cultusstiftungen nach ihrem consessionellen Charakter näher betrachtet, so ergibt ihre (vorhandene) Anzahl 9714 Cultusstiftungen mit einem Gesammtvermögen von 158 Millionen und 757,226 M. Von diesen sind 8474 Stiftungen mit 140,036,054 M. kath., 1174 mit ca. 18 Mill. M. protestantisch und 30 Stiftungen mit 23,450 M. israelitisch. Oester r. - Unga r. Monarchie. Wien, 14. Mai. Unter dem Vorsitze des Großindustriellen Herrn Baron Leitenberger fand heute hier die constituirende Versammlung des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" statt. Zu derselben waren u. A. erschienen Rudolph Graf Hoyos, Baron Suttner und dessen Gemahlin, die bekannte Schriftstellerin, Eduard Graf Zichy,

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