Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1891)
- Date
- 1891-05-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXII. Jahrgang. Beilage,»M 41 des „Isrnelii & Aeschurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutsch! and. Posen, im Mai. pa*n by ban! dürfen wir leider ausrufen. Eine wahrhaft edle Frau, vollkommen als Gattin, als Hausfrau, als Mutter, als Israelitin, ist ihrem Familienkreise, unserer Gemeinde und dem Judenthume entrissen worden. Frau JohannaJaff«, Tochter des yjnw Time b ar pNEnj/p's, Rabbiners zu Obersitzko, Wittwe des Begründers der in weilen Kreisen bekannten Firma S. D. I a f f e ist nach mehrwöchentlichem Krankenlager im 71. Jahre aus dem Leben geschieden. Der Schmerz der Ihrigen, die eine zärtlich geliebte und verehrte Mutter und Anverwandte verloren haben, ist grenzenlos, nicht minder tief und gerechtfertigt i aber auch der Schmerz aller derer, die die Entschlafene gekannt haben. Mit einem edlen Aeußern verband sie einen hohen Geist, einen echt religiösen Sinn, eine bezaubernde Sanftmuth, und eine gewisse Achtung und Ehrerbietung einflößende Würde umgab sie in ihrer echt jüdischen Häuslichkeit. Sie hing dem Judenthum mit idealer Innigkeit an und wachte mit peinlicher Gewiß enhaftigkeit darüber, daß in ihrem Haushalte Alles den religiösen und rituellen Satzungen entsprechend beobachtet werde. An den hohen Festtagen, an denen sie seit Jahren in ihrer Wohnung einen Privatgottesdienst für ihr Haus und einige befreundete Familien eingerichtet hatte, konnte man mit stiller Bewunderung sehen, wie sie, zurückgezogen von den Versammelten, in einem angrenzenden Zimmer sich der innigsten Andacht hingab und während der ganzen Dauer des Gottesdienstes nicht von ihrem Platze wich. Ihre reichen Mittel verstatteten es ihr, ihren Wohlthätigkeitssinn in größerem Maße zu bethätigen, und so beklagen auch zahlreiche Bedürftige das Hinscheiden ihrer Wohlthäterin, die ihre Gaben auch mit freundlichen, milden Worten zu würzen verstand. So ist eine wahrhafte >n aus unserer Mitte geschieden, das Muster einer nantm nyus r\m die den nvjpis dw der Vorzeit sich würdig anreihen, der jüngeren Generation aber als leuchtendes Vorbild an inniger Gottesfurcht, geräuschlosem Wohllhun und weiblicher Tugenden gelten durfte und man darf ohne Uebertreibung die Worte des Dichters auf sie anwenden: „Wir werden nimmer ihres Gleichen sehen." Den tiefgebeugten Ihrigen aber sende '"bci seinen lindernden Trost. Leipzig, 20. Mai. Zu dem dahier tagenden deutsch-sozialen Parteifeste war Georg Schönerer nicht eingetroffen. Allein, ganz unabhängig hiervon, waren doch eine Reihe weithin bekannter Männer erschienen und man muß gestehen, daß das deutsch - soziale Programm manche Punkte hat, die auch jeder deutsche Israelit billigen kann! In der „Stadt Nürnberg" begann die Feier, über deren Verlauf natürlich die Antifemitenblätter am richtigsten berichten können. Für uns ist der dritte Tag am interessantesten, daher fassen wir uns heute über die ersten beiden Tage des Antisemitencongresses nur kurz. Wir dürfen nicht verhehlen, daß der Kongreß die Bedeutung der antisemitischen Macht durchaus gezeigt hat. Die Theilnehmerliste verzeichnet u. A. die beiden österreichischen Reichsrathsmitglieder Dr. Türk und Heinrich Edler von Oberleithner, Dr. König-Witten, Dr. Paul Förster- Berlin, Freiherr von Jordan, Freiherr von Richt- Hofen-Breslau, Graf Joseph Zaluski aus Galizien, Dr. meä. Stille-Kilienworth, Engelke-Hannover, Diakonus Koethe-Altenburg, Dr. Erwin Bauer- Jena (Verfasser des 20. Jahrhunderts), Dr. Ahlwardt-Berlin, Buchbinderobermeifter Kühne-Berlin (Führer der dortigen Christlich-Sozialen), Rechtsanwalt Kattenbusch-Berlin rc. Für das gemeinsame Mittagsmahl gestern reichte der dazu bestimmte Saal nicht aus, so daß ein Theil der Gäste im Freien speisen mußte. Für das am Nachmittag und Abend in den Gartenanlagen anberaumte Parteifest waren die Colonnaden, das Orchester rc. mit Fahnen und Draperien in den Reichs- und sächsischen Farben decorirt. Herr von Liebermann hielt eine Ansprache und brachte ein Hoch auf Kaiser und König aus. Der nächste Redner war Herr Türk, der aus Wien für Schönerer eingetroffen war. Er sprach in deutschnationalem antisemitischen Sinne. Fritsch begrüßte die Gäste und versprach, daß die Judenfrage jin 7—8 Jahren gelöst sei!? Das denken wir auch! In 8 Jahren wird Herr Fritsch vielleicht in Argentinien eine christlich-soziale Colonie gründen — und der Antisemitismus in Deutschland wird sicherlich auf den Index gesetzt sein. Die Judenfrage ist nie zu lösen; keine Nation hat die Juden unterjochen und knechten können — auch die Nation, die Herr Fritsch führt, wird das nicht können. Fritsch hat aber den besten Willen, die Fehler und Mängel der Juden zu lichten — und ein thatkräftiger Mann ist er auch, der insofern unsere Anerkennung verdient, da er im Geiste weit über die Grenze gegangen ist, als seine Recruten! — Man sieht und hört, daß Fritsch überhaupt der einzige arbeitende und schaffende Antisemit ist, nach dessen Willen „Alles" geht und gehend gemacht wird! Ein