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Der Israelit · 1891-05-25 · Heft 41 (25.5.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 41 (25.5.1891)
Date
1891-05-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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765 die Abgeordneten Prof. Ed. Sueß, Hofrath Exner und Ritter von Gniewosz, Hofrath Prof. Nothnagel, Prof. Billroth und zahlreiche Gemeinderäthe. Nach Eröffnung der Versammlung ergriff der Einberufer derselben, Universitäts-Prof. Nothnagel das Wort, um die Ziele und die Tendenzen des zu gründenden Vereines zu kennzeichnen. Der Antisemitismus — sagte er — ist eine Schmach; er quillt aus den unlautersten und häßlichsten Eigenschaften der menschlichen Natur hervor, in seinem Wesen liegt ein vollkommener Gegensatz zu allem Edlen und ein gänzliches Ausgeben von Gerechtigkeit und Humanität. In seiner äußeren Bethätigung erscheint er als ein Zerrbild alles Edlen und Guten, und feine letzte Folge ist die. tiefste moralische Verwilderung und Verrohung. Unsere jüdischen Mitrarbeiter, unsere treuen Mitarbeiter nach den höchsten Zielen, welche die Menschheit anstrebt, werden in rücksichtslosester und brutalster Weise beschimpft und mit Gewaltthätigkeit bedroht. Weswegen? Darauf gibt es keine Antwort, aber mit Zorn und Scham müssen wir das Treiben der Antisemiten jeden Tag mitansehen. Es handelt sich für uns nicht um einen Act der Politik, es handelt sich für uns nur darum, auf die gefährlichen Consequeuzen hinzuweisen, welche die Weiterentwickelung dieser Bewegung für den Staat und für die Gesellschaft ergeben muß. Ausschließlich und allein Erwägungen der Humanität und der Menschlichkeit sind es, welche für uns hier in Betracht kommen und welche jeden anständigen Menschen zwingen müssen, gegen den Antisemitismus Stellung zu nehmen. (Lebhafter Beifall.) — Baron Leitenberger sprach seine vollständige Uebereinstimmung mit den Ausführungen des Prof. Nothnagel aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen werde, die verpestende Krankheit des Antisemitismus auSzurotten, zum Heile der Gesellschaft und zum Nutzen der Stadt Wien. — Bei der hierauf folgenden Wahl in die provisorische Leitung des Vereines wurden gewählt: Graf Hoyos, Baron Suttner, Hofrath Prof. Nothnagel und Gemeinderath Dr. Uhl. Wien, 18. Mai. Heute Vormittag fand bei Baron Laitenberger eine Sitzung des provisorischen Comits des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus statt, in welcher der Aufruf und der Statutentwurf, die in den nächsten Tagen zur Veröffentlichung gelangen sollen, berathen wurden. Ihren Beitritt haben u. A. neuerdings angemeldet: Fürst und Fürstin Pauline Metternich, Graf Hans Wilczek, FML. Baron Ebner-Eschenbach und dessen Gemahlin, die bekannte Schriftstellerin, Arthur Graf Ktnsky, Ritter v. Carneri, Reichsrathabgeordneter Superintendent Haase und Universitätsprofessor Hofrath Albert. — Superintendent Dr. Haase hat an den Ausschuß ein Schreiben gerichtet, in welchem es u. A. heißt: „An Mitgliedern wird es Ihrem Verein gewiß nicht fehlen, denn wer auf Seite der Cultur, der allgemeinen Menschenliebe und der Freiheit steht, der muß eine Geistesrichtung bekämpfen, welche den Haß auf ihre Fabne schreibt, eine ganze Kategorie hochachtbarer Mitbürger von dem Genüsse der staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Freiheiten ausschließen will, der Barbarei entgegentreibt und schamlos genug ist, mit ihrer Gemeinheit auf den öffentlichen Markt zu treten. Im Kampfe gegen diese Gesellschaft kein Neuling, bitte ich, mich in Ihren Verein als Mitglied aufzunehmen." Carneri erklärt in seinem Schreiben, daß er mit der ganzen Begeisterung, deren er fähig sei, dem Vereine beitrete. Wien, 23. Mai. Aus Korfu wird berichtet: Dank den energischen Maßregeln des neuernannten Präfekten, die auf direkte Einwirkung des Königs zurückzuführen sind, wurde die Ruhe nicht weiter gestört. Mehrere Personen, die aufreizende Zettel vertheilten, in denen auch der neue Präfekt mit dem Tode bedroht wird, wurden verhaftet. Vielfach wurde bemerkt, daß mehrere Hetzblätter in Korfu gleichzeitig mit der Berliner „Kreuzzeitung" jene Notiz über die Blutmörder gebracht haben; sie stimmen wörtlich überein. Die Auswanderung der Juden dauert fort. Demnächst wird der König Georg mit Delyannis und dem Justtzmintster in Korfu erwartet. Pesth. In einer jüdischen Ehescheidungsache ist vom Kultusminister Cz aky am 1. April folgender Erlaß erschienen: „Das Gesuch der Amalie B aruch aus Gölnizbany, in welchem sie bittet den Rabbiner in Sepesch-Olaßi zu beauftragen, daß dieser auf Grund der gerichtlichen Scheidung ihrer mit A d o l f Z i e g l e r geschloffenen Ehe, aber ohne Uebernahme des Scheidebriefes, bei Schließung einer beabsichtigten neuen Ehe mitwirke, schicke ich mit der Bemerkung zurück, daß ich die Bitte nicht zu gewähren befunden habe. Es ist richtig, daß die zwischen Adolf Ziegler und Amalie Baruch bestandene Ehe durch die rechtskräftigen richterlichen Urtheile entgiltig gelöst ist. Auf Grund dieser in Rechtskraft erwachsenen richterlichen Urtheile haben beide Ehegatten das Recht, eine neue Ehe einzugehen. Im Falle, wenn der Mann den Scheidebrief nicht ausfolgen, oder die Frau denselben nicht annehmen will, so ist das gerichtliche Urtheil selbst als Beweis für die definitive Lösung des Ehebundes zu betrachten. Jedoch im Hinblick auf die Gewissensfreiheit können die zur Schließung der jüdischen kompetenten Organe (Rabbiner) nicht gezwungen werden, auf diese Weise bei einer neuen Eheschließung

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