Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1891)
- Date
- 1891-05-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Auswanderung nach Palästina ganz recht thun, weil ihnen, nach den bislang von den Colonisten dieses Landes (erwiesenermaßen) gemachten Erfahrungen eine gute Zukunft winkt und die türkische Regierung die jüdische Einwanderung mit freundlichen Augen ansieht, wenn sich dieselben nur an einen Vertrauensmann in Syrien-Palästina wenden und nicht gleich an 20—30. > Vermischtes. < Berlin. Der Ausschluß der Juden vom Schöffendienst scheint an vielen Orten in Deutschland die Regel zu sein. So wird geschrieben, daß in Witten seit circa 12 Jahren kein Jude zum Schöffendienst herangezogen ist, obwohl in Witten 58 jüdische Familien wohnen. Aus Bocholt wird Aehnliches berichtet, obgleich es auch dort 50 selbständige Juden giebt, darunter Großindustrielle, welche 1000 Arbeiter beschäftigen. Bromberg, 21. Mai. Der Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde dementirt die Nachricht, daß Herrn Dr. Klemperer der Eintritt in die Synagoge verwehrt worden sei. Uebrigens wird der „Jsr. Wchfchr." unter dem 16. d. M. über die Vorgänge in hiesiger Gemeinde folgendermaßen berichtet: Der Herr Rabbiner Dr. Klemperer hierselbst ist zum Prediger der Berliner Reformgemeinde gewählt worden und hat derselbe die Wahl auch angenommen. Als die Kunde von der Annahme dieser Wahl heute hier publik wurde, bemächtigte sich der Gemeindeglieder aller Klassen eine hochgradige Aufregung. Der Vorstand suspendirte Herrn Dr. Kl. sofort vom Amte und wurde ihm jede amtliche Thätigkeit untersagt. Eine in der Zeitung für heute angekündigte Predigt fiel aus, und hat Herr Dr. Kl. noch vor Beginn des Morgengottesdienstes den Temvel verlassen. Wie man hört, hat der Vorstand es Herrn Dr. Kl. untersagt, ferner in der Synagoge zu predigen. Der Vorstand hat hierbei sehr weise gehandelt, denn es wäre wahrscheinlich, wenn Dr. Kl. die Kanzel bestiegen hätte, zu argen Ausschreitungen gekommen. Dr. Kl. hat hier, wie einstmals Holdheim in Frankfurt, sich sehr für Regelung und Beaufsichtigung des Schächtens interesfirt und überhaupt altjüdische Frömmigkeit zur Schau getragen. Umsomehr war man von diesem Schritte überrascht und verletzt. Preßburg, 21. Mai. Ueber den „seltenen Edelmuth eines polnischen Juden" wird der „Preßb. Ztg." aus Trencsen geschrieben: Die Eigenthümerin eines am Waagufer gelegenen Hauses beschenkte am vorigen Samstag ihren Gatten mit dem 9. Stammhalter. Die Freude ob dieses, in der Familie nicht seltenen Ereignisses, war keine geringe und die 8 lebendigen Buben waren darüber so übermüthig, daß sie es gar nicht gewahr wurden, als einer von ihnen vom Uferrand in den Waagfluß fiel. Ein zugereister polnischer Jude war zufällig Zeuge dieser schrecklichen Scene. Er überblickte rasch die gefährliche Situation, in welche der Knabe gerathen und indem er die Mütze und den schweren langen Kaftan von sich geworfen, sprang er muthig in den Fluß und schwamm schnurstracks aus den mit den Wellen ringenden Knaben los, den er bei der Hand erfaßte und ihn glücklich an's Ufer brachte. London. Mit der Wahl des Herrn Sydney v. Stern haben nunmehr fünf Israeliten im Parlamente Sitz. Jerusalem. Nach dem zwölften Jahresbericht des Krankenvereins "|T? zuttfD sind im Spitale deffelben nunmehr 18 Betten ausgestellt; 3100 Recepte wurden Kranken im Spitale und 4000 außerhalb deffelben kostenlos oder ausnahmsweise für geringes Entgeld verschrieben. Die Einnahmen betrugen 27974 Fr., die bis auf 4445 Fr. verausgabt wurden. Das verflossene Jahr brachte durch besondere Sammlungen in europäischen und afrikanischen Ländern außergewöhnliche Einnahmen. In Dnnedi« (Neu Seeland) wurde Herr L. Mendelsohn zum Friedensrichter erwählt. $ < i X l $ i $ tt* crbbatai Kewi. historische Erzählung Vrnsk Schwur?. (Fortsetzung.) Beide Männer hatten sich erhoben, begaben sich in das anstoßende Zimmer und gelangten von da durch einen langen, düstern Gang in den Hofraum; nachdem sie auch diesen durchschritten, öffnete der Hausherr das Gartenthor und in einer Entfernung von kaum zehn Schritten erblickte man die erwähnte Brettereinfriedung. Lauschend blieben die Männer am Eingang derselben stehen, denn schon hier vernahm man die wunderbar schöne, klangvolle Stimme des seltenen jungen Mannes, wie er sie im Affekt der Rede bald hob, bald sinken ließ, und wie im Rythmus tönten die Worte dahin. Leise öffnete der Hausherr die Bretterthür und lautlos traten die Männer in den weiten Raum, keiner der Anwesenden hatte ihr Kommen bemerkt. Gegen fünfzig bis sechszig junge Leute saßen auf niederen Holzbänken und hingen in gespannter Aufmerksamkeit an den Lippen ihres jugendlichen Lehrers, dessen hohe, königliche Gestalt ihnen gegenüber in einem Sessel lehnte. Sein ausdrucksvolles, klassisch schönes Angesicht war von einem glänzend schwarzen Vollbart umrahmt, die hohe, schöngewölbte Stirn von einem schwarzen Sammetbarett beschattet, unter dem in glänzendem Geringe! die lang herabwallenden, tiefschwarzen Haare hervorquollen; ein Kaftan von schwerem, schwarzen Seidenatlaß umschloß die kräftigen Glieder. Der jugendliche Gelehrte sprach überaus fließend, er hatte ein selten schönes Organ und wie Musik flössen ihm die Worte über die Lippen. Den lauschenden Jachini wollte es bedünken, als ob gar mancher der in gespannter Aufmerksamkeit aufhorchenden Schüler weit mehr auf den berückenden Wohlklang des Redeschwalles lauschte, als auf den Sinn desselben. — Denn was den Sinn betraf, — Jachini wenigstens wollte es dünken, daß er dem Redner selbst oft nicht ganz klar war. — Er sprach davon, daß