Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1891)
- Date
- 1891-05-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448160--32148-2479980- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
7hg Es kamen griechische Behörden und griechische Truppen nach dieser Insel, die nun bald auch gänzlich gräcisirt wurde; während die Juden dort ihrer italienischen Muttersprache treu blieben. Die Griechen forderten nun, die Juden mögen sich auch gräcisiren oder auswandern und letztere geriethen dadurch in eine schiefe Lage. Als nun am 23. v. Mts. plötzlich auch noch die Mär auftauchte, die fremdsprachigen Juden hätten an einem Christenmädchen einen rituellen Mord begangen, da begann der nationalreligiöse Haß, der bisher nur in der Asche glimmte, in hellen Flammen aufzulodern, und wüthend stürzte sich der von fanatischen Priestern*) aufgeftachelte Pöbel gegen das Judenviertel, um dessen Bewohnern den Garaus zu machen. Seit dieser Zeit ruhen nun Handel und Verkehr gänzlich unter den Juden, da diese sich nicht vor ihre Hausthüre wagen und sind dadurch die Armen unter ihnen gänzlich der Noth und dem Elende preisgegeben. Viele dieser Armen sind schon dem Hungertode erlegen und wurde dadurch noch eine Art Typhus-Epidemie erzeugt, die fortwährend neue Opfer fordert. Dazu kam noch der Umstand, daß man die Todten, da man sich ohne militärische Escorte nicht auf den von der Stadt ziemlich entfernten jüdischen Friedhof wagte, tagelang unbeerdigt ließ, was diese Epidemie nur noch förderte. Aber auch die Neichen müssen jetzt am Hungertuche nagen, da der en gros- Handel mit Lebensmitteln auf Korfu, so mit Getreide und Rindvieh, die zumeist von auswärts herbeigeholt werden, in den Händen der Griechen sich befindet, da diese die Herren vom Schiffe sind, und diese herzlosen Menschen haben schnell die Preise des Mehls und des Fleisches hinaufgeschraubt, um sich an ihren jüdischen Geschäftsconcurrenten nun gehörig zu rächen und ihnen ihre Geldlaft ein wenig abzunehmen. Selbst Milch, Butter, Eier und Gemüse, die die wenigen aus der Insel gelegenen Dörfer liefern, sind jetzt schrecklich im Preise gestiegen, ebenso auch die Fische, da die ganze Fischerei dort sich in den Händen der Griechen befindet. Möge nun unfern hungernden und darbenden Glaubensgenossen baldigst Hilfe von auswärts kommen, damit sie wenigstens sich am trockenen Brod satt essen können! Ungvär, 12. Mai. Die furchtbare Feuersbrunst, welche zu Mitternacht angefangen und auch noch jetzt um 7 Uhr Abends nicht ganz gelöscht ist. hat leider einen großen Theil unserer Gemeinde- Mitglieder um ihr Hab und Gut gebracht. Wohlhabende sind verarmt, Arme noch ärmer, aber Alle *) Nach den Berichten der Zeitungen habe sich die griech. Geistlichkeit an der Verfolgung der Juden nicht beiheiligt. Red. obdachlos geworden. Das verheerende Element hat leider auch zwei Bethäuser eingeäschert, und nur mit großer Mühe und Selbstaufopferung gelang es die heiligen nnin nso zu retten; aber alle übrige Einrichtung wurde ein Raub der Flammen. Die Zahl der Beschädigten wird auf über 50 Familien geschätzt, die nur ihr nacktes Leben gerettet haben. Das Feuer wüthete in den sog. ausschließlich von Juden bewohnten Radwanz- und Salzgassen. Am meisten zu bedauern sind unter den Bedauernswerthen die junge Wittwe unseres p Mittel mann ^"sr, die 4 kleine Kinder hat und ein einst reich gewesener, wohlthätiger Herr, Namens Dicker. L. G—g. Wir sind bereit, für diese Armen Gaben in Empfang zu nehmen und an unseren Correspondenten zur Vertheilung weiter zu befördern. Red. Rußland. Petersburg, 17. Mai. Dem Bureau Reuter zufolge plant die russische Regierung eine neue weitgehende Beschränkung der Rechte der jüdischen Advokaten : denselben soll nämlich verboten werden, in Kriminalfällen oder in gewöhnlichen Privatprozessen, bei denen es sich um Summen handelt, die eine gewisse, von den Behörden noch zu bestimmende Grenze überschreiten, als Vertheidiger aufzutreten. Israeliten, welche zur griechischen Kirche übergetreten sind, sollen einer strengen Aufsicht unterzogen und falls sie fortfahren, die Synagoge zu besuchen, hart bestraft werden! S y r i e n. Beyruth. Man schreibt uns: Wie bekannt wandern täglich Hunderte von russischen Juden nach Palästina aus, um dort Land anzukaufen; dadurch aber, daß dieselben sich an viele Vermittler zugleich wenden, haben sie in Palästina unter den Nichtjuden, Christen und Arabern, einen wahren Landrausch hervorgebracht. Die Agenten ein und desselben russischen Juden, welcher wegen Ankauf eines Stück Landes in Palästina vielleicht sich bei 20 und noch mehr Agenten (in Palästina) erkundigt und dieselben theilweise beauftragt, steigern gegenseitig den Preis des Bodens ins Colossale, bereits ist derselbe schon um 100 °/0 in die Höhe gegangen und fließt dadurch ein sauer erworbenes pvv '-dj Ta btw bv. So hat das christliche Consortium Sou8oux in Beyruth den Preis der Palästinensischen Ländereien, welche einen Werth von mehreren hunderttausend Francen einnehmen, succesive von 10 Frcs. auf 25 Frcs. per Dunam erhöht. (1 Dunam --- 40 Quadratellen.) Es liegt also im Interesse unserer russischen Glaubensgenossen, welche an und für sich mit der