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Der Israelit · 1891-05-25 · Heft 41 (25.5.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 41 (25.5.1891)
Date
1891-05-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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758 kräftiges und besonnenes Eingreifen Herr'Küfermeister Müller, dessen Werkstätte sich in dem brennenden Gebäude befand, vor großem Schaden bewahrt wurde. Es sind dies die Herren Amtsbote Günter von Untergimpern und Handelsmann S. Grün Hut von Neckarbischofsheim, welche noch vor Ertönen der Feuersignale kurz nach einander in die mit erstickendem Rauch erfüllte Werkstätte eindrangen und deren rastloser Thätigkeit es gelang, die darin aufgespeicherten 30 Fässer sämmtlich herauszuschaffen, hiebei erlitt Herr Grünhut an der einen Hand ziemlich erhebliche Quetschungen und Brandwunden. Ehre den beiden wackeren Männern! Leipzig, 20. Mai. Die Einigungsversuche der deutsch-sozialen Partei mit der Böckel'schen Gruppe sind gescheitert. Alimente und Ehrenscheine konnten sich nicht vertragen. Oe st er r.- Ungar. Monarchie. Wien. Am 25. März d. I., kurz vor den jüdischen Ostern, fand der Simme ringer Pferdehändler Ludwig Kraus, als er eben seinen Wagen in Ordnung brachte, zufällig unter dem Kutschbock in einem kleinen, durch ein Thürchen verschließbaren Raume einen zusammengekauerten Knaben. Der Knabe würde unfehlbar, wenn der Wagen sich in Bewegung gesetzt hätte, Schaden an seiner Gesundheit in dem engen, auch innen mit Nägeln versehenen Raume erlitten haben. Der Pferdehändler vermuthete, daß eine böswillige Absicht zu Grunde liege und daß der Knabe zu dem Zwecke hier versteckt worden sei, um durch dessen Verschwinden das alte Blutmärchen zu Ostern wieder aufs Tapet bringen zu können. Er ließ daher durch die Nachbarn sofort constatiren, wie er den Knaben entdeckt und heil und unversehrt wieder ans Tageslicht' gefördert habe. Der Knabe, Namens Ludwig Fnawik, Sohn eines ungarischen Brauerknechtes in Simmering, welcher übrigens nur wenig Deutsch spricht, stellt in Abrede, von fremder Hand in das erwähnte Versteck geschoben worden zu sein, und wiederholte dieselbe Angabe bei der Polizei. Es wurde constatirt, daß Ludwig Fnawik, ein Knabe von 9 Jahren, seinen Eltern schon öfters ohne Grund entlaufen ist und zu den sogenannten Gewohnheitsausreißern gehört, welche von der Behörde öfters zwangsweise ihren Angehörigen zugestellt werden müssen. Ein anderer Sachverhalt, welcher die oben angedeuteten Ver- ' muthungen bestätigt hätte, konnte nicht festgestellt werden. An dem kritischen Tage scheint der Knabe, der abermals ausreißen wollte, ein unentgeltliches Nachtquartier gesucht zu haben. Wien, 17. Mai. Im Interesse Ihres geehrten Blattes habe ich mich vor einigen Tagen direkt an meine Bekannten in Korfu gewendet, um von ihnen nähere Nachrichten über das Unglück, das so 1 plötzlich über sie hereingebrochen und über die Noth, die nun unter ihnen herrschen soll, zu erhalten, und kann ich Ihnen daher heute Authentisches mtttheilen. Zum besseren Verständnisse will ich jedoch vorher ein wenig die sociale und commercielle Bedeutung der jüdischen Gemeinde Korfus erörtern.- Dieselbe bildet in mancher Hinsicht ein Unicum. Man denke sich fünf- bis sechstausend Juden nicht nur in einer kleinen Stadt, sondern dazu auf einer kleinen Insel zusammengepreßt, die sich nun ldort entweder vom Handel oder von einem Handwerke ernähren sollen. Da kann der arme Jude nicht, wie auf dem Festlande, am Sonntag Morgen einen Pack mit Maaren auf seinen Rücken nehmen, um damit in der Umgegend hausiren zu gehen, da es eine solche dort gar nicht gibt. Natürlich kann man sich auch nicht in der Umgegend ein Wirthshaus pachten oder einen Geschäftsladen eröffnen und noch viel weniger kann man sich dort der Landwirthschaft widmen, da dieses alles in Korfu nicht möglich ist. Der Jude ist daher mit seiner Familie für seine ganze Lebenszeit auf die Stadt angewiesen oder er muß auswandern. Letzteres geht aber dort nicht so leicht, weil die Wenigsten die Mittel für eine theure Seereise zu erschwingen in der Lage sind. Die Juden :KorfusZsind ^daher gezwungen, da das Handwerk unter ihnen nicht zu stark verbreitet ist und sich übrigens dort der geringen Anzahl der Bevölkerung wegen nicht sonders lohnen würde, ihre Thätigkeit^dem Handel zu widmen, und müssen sie hierin, da der „Kampf um's Dasein" dies unerbittlich fordert, ob sie wollen oder nicht, ihren christlichen Mitbürgern, den Griechen, die selbst wieder auf den Handel angewiesen sind, tüchtig Concurrenz machen. Nun denke man sich auch noch, daß in irgend einer deutschen vom Antisemitismus durchseuchten Stadt 6000 fremdsprachige Juden, etwa italienische oder arabische, leben würden, wie hätten diese dort um ihre Existenz zu kämpfen und was hätten sie nicht Alles zu erdulden. So verhält es sich auch mit den Juden Korfu's, die bekanntlich insgesammt der italienischen Nationalität angehören. Sie stehen nämlich dem Griechen nicht nur als Andersgläubige und Geschäftsconcurrenten, sondern auch noch dazu als Fremde, Ausländer gegenüber. So lange nun die Venezianer, die Franzosen und die Engländer in Korfu herrschten, da erging es den Juden dort recht gut, denn alle diese Nationen betrachteten Korfu als eine Art griechische Colonie und die 6000 italienischen Juden dort, an deren Loyalität sie nicht zu zweifeln brauchten, waren ihnen ein gutes Gegenwicht gegen die paartausend einheimischen Griechen, die gerne jeden Augenblick die fremden Herrscher aus dem Lande gejagt hätten. Als aber 1864 Korfu an Griechenland fiel, da begann das Weh für die Juden dort.

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