Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1891)
- Date
- 1891-05-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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der „Akropolis", der ihr auf eine Anfrage depeschirt, die Kreuzzeitung sei berechtigt, von einem rituellen Morde zu sprechen, alle bisher bekannt gewordenen Ergebnisse der Untersuchung könnten als Beweise dafür angesehen werden. Daß dieser Zeitungsherausgeber auch nur eine persönliche Meinung ausspricht, genirt die Kreuzzeitung offenbar nicht. Wien, 20. Mai. Ein Athener Bericht der „Pol. Corr." hebt hevor, daß die Unruhen auf Korfu sich insbesondere auf wirthschaftlichem Gebiete fühlbar machen. Auf dem Geldmärkte waren die Wirkungen geradezu verheerend. In Berlin und London waren die griechischen Werthe einer starken Baisse unterworfen und die Rückwirkung davon war eine arge Panik an der Athener Börse. Obwohl ziemlich rasch Erholung eintrat, ist doch der angerichtete Schaden ein sehr bedeutender, und überdies ist die dringend benöthigte Anleihe von 70 Millionen vorderhand unmöglich geworden. Rom, 21. Mai. Die „Polit Corr." meldet: Dem katholischen Erzbischöfe von Korfu, Msgr. Boni, ging während der judenfeindlichen Unruhen auf der Insel vom Vatikan die Weisung zu, jede etwaige Unterstützung dieser Bewegung durch den katholischen Klerus zu verhindern. — Athen, 19. Mai. Amtlich wird gemeldet, daß der Großrabbtner von Korfu der Regierung für die zum Schutze der Juden ergriffenen Maßregeln gedankt habe. Seit Freitag sind in Korfu wieder alle Läden jüdischer Kaufleute geöffnet und es herrscht wieder reger Verkehr. Ein Korfiote, welcher einen Juden beleidigt hatte, wurde verhaftet, ein Polizeiagent wegen Nachlässigkeit abgesetzt. Ferner wurde der Mörder eines bei den früheren Exzessen getödteten Juden, sowie 27 Teilnehmer an den Exzessen verhaftet. Sowohl auf Korfu als auf Zante wird eine strenge Untersuchung geführt. Man erwartet zuversichtlich die baldige Wiederherstellung der vollständigen Ordnung. Athen, 21. Mai. Die Regierung beauftragte, dem Journal „Ephimeris" zufolge, ihre Vertreter im Ausland, den Regierungen mitzutheilen, daß in Korfu der normale Zustand wiederhergestellt sei. Der italienische Gesandte Ostiani berichtete nach Rom in demselben Sinne. Korfu, 19. Mai. Obschon die Ruhe äußerlich wiederhergestellt ist, dauert die Spannung doch noch fort. Der griechische Erzbischof erklärte mir heute, das „ermordete Mädchen war eine Jüdin, keine Christin". Er meint, ein Lustmord dürste vorliegen. Das Märchen von einem rituellen Morde, an welchem die Bevölkerung festhalte, sei darum Unsinn. Die Juden in Korfu seien, wie der Erzbischof hinzufügte, anständig und arbeitsam, übrigens wären sie meist Handwerker. Die Anwesenheit der fremden Kriegsschiffe erschwere jedoch die Pacificirung. So wett der hohe Ktrchenfürst. Konstantinopel, 20. Mai. Aus Korfu sind vierzig flüchtige Juden eingetroffen. Der Polizetmeister ließ sie in das Großrabbinat geleiten. Wir sind selbstredend bereit, Gaben für unsere unglücklichen Corfuer Glaubensgenossen entgegenzunehmen und weiterzubefördern.Red. Zeitungsnachrichten und Correspondenzern Deutschland. Mainz, 21. April. Die zweite Generalversammlung des „Vereins der isr. Lehrer im Großherzogthum Hessen" sollte während der Pfingsttage in Darmstadt stattfinden. Dieselbe mußte aber in Rücksicht auf die zur selben Zeit tagende deutsche Lehrerversammlung in Mannheim verschoben werden und wird wahrscheinlich zu Sonntag den 14. Juni nach Darmstadt einberufen werden. Da die Bedeutung des Vereins und seiner Ziele für die isr. Lehrer Hessens eine große, nicht zu unterschätzende ist, dürfen wir hoffen, daß sich in dieser Versammlung alle die Collegen einfinden werden, die ein Interesse an der isr. Schule und ihrer Lehrer haben. Tag und Tagesordnung werden von dem Vorsitzenden rechtzeitig bekannt gegeben werden. Berger. Worms. Vor einiger Zeit hat ein in Lin d enfels (Odenwald) erscheinendes obscures Blättchen dem Böckel'schen „Reichsherold" einen Schmähartikel entnommen, welcher gegen den israelitischen Präsidenten des hiesigen Kriegervereins, den Hauptmann a. D.z. L. Herr Joseph Gernsheim gerichtet war. Sowohl die Redaction der „Wormser Zeitung", sowie eine Erklärung des Vorstandes des Kriegervereins nahmen gegen dieses elende Machwerk Stellung. Herr Gernsheim trat jedoch als Kläger gegen die Redactton des „Lindenfelser" Blättchens, sowie gegen den „Reichsherold" auf. Die Klage war jedoch kaum bei Amtsgerichte Fürth t. Odenwalde anhängig gemacht, als Herrn G. von Darmstadt die Mittheilung wurde, daß der Staatsanwalt als Kläger aufgetreten und die Sache dadurch aus der Sphäre der Privatklage herausgerückt sei. Am 6. d. M. fand nun die Verhandlung in Fürth statt und wurde der Redakteur zu einer Geldstrafe, Publikation des Urtheils und Tragung der Kosten verurtheilt. Die Verhandlung in Marburg gegen dem „Reichsherold" steht noch aus. Sinsheim, 14. Mat. Hier fand ein großer Brand statt; aus dem Berichte über denselben im hiesigen „Landboten" sei Folgendes mitgetheilt: Wir sind in der Lage zweier auswärtiger Männer rühmend zu gedenken, durch deren that-