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Der Israelit · 1891-05-25 · Heft 41 (25.5.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 41 (25.5.1891)
Date
1891-05-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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der Menschheit zu senken, aus welchen.dereinst das Gottesreich aus Erden erstehen wird, daß von dem kleinen „Rest Israels" auch nur ein „Zchntheil" bleiben werde, nrvm naien, **) und daß dieses „Zehntheil" wiederholt und abermals wiederholt der Vernichtung überantwortet werden müsse, zur Vernichtung aber rbm, wie Eiche und Ceder, die ca rDim nrfct», die wohl der Blätter beraubt werden können, im Blätterabwurf den Stamm sich ungeschwächt erhalten; so bleibe auch dieses gottgeweihten Zehntheil Stamm unversehrt, in stets sich verjüngender Kraft: nraao »Tp jrn „sein Stamm — Saat des Heiligthums." So wissen wir es ja, daß nicht auf die jeweilige Mehrzahl, sondern nur auf ein Zehntheil zu rechnen sei, und daß auch dieses Zehntheil noch gesichtet und geläutert werden müsse für die Vollbringung des Priester- und Heroldamts an die Menschheit, und es kann uns nimmer verzagen und verzweifeln lassen, daß der wahrhaft Gesetzestreuen nur eine Handvoll sind, wir werden vielmehr um so begeisterter und kraftvoller unserm großen Ahn gleich überall, selbst in der isolirtesten -Minorität, der einzigen jüdischen Wahrheit den Altar errichten und in ihrem Namen die irrenden Brüder zur Besinnung auf ihre Pflicht wachrufen. — „Es ist somit sonnenklar, daß die Orthodoxie die Einheit und den Frieden des Gemeindelebens stört, die Saat der Zwietracht ausstreut, den Zwiespalt fördert und auf eine völlige Trennung hinarbeitet" — also hält man uns von der Gegenseite vor, und fügt wohl auch noch hinzu, daß gerade in unserer Zeit Einigkeit im Innern und Einheit nach Außen mehr denn je von Nöthen sei und es sich ein Jeglicher angelegen sein lassen müsse, die Einigung der Gemeinden zu einem großen Verbände zu fördern, damit die Judenheit und das Judenthum endlich eine Gesammtvertretung in einer staatlich anerkannten Körperschaft erlange, gleich den verschiedenen christlichen Confesstonen. Wir könnten diesem Vorhalt mit der Frage begegnen; wer war es denn, der die Einheit, Einigkeit und Einhelligkeit des Gemeindelebens gestört hat? Ist es etwa nicht die Reform gewesen? Soll denn immer wiederum hingewiesen werden müssen auf den verheerenden Feldzug, welchen die Reform gegen das heilige Grundgesetz geführt hat und führt, auf welchem der Jahrhunderte schwerster Bedrückung und furchtbarster Belastung überdauernde feste Bau des jüdischen Gemeindelebens trotz seiner unscheinbaren Außenseite in herrlichem Glanze kraftvoll sich erhob? War es nicht die Reform, die das Schisma in die Gemeinden trug und die alten, ehrwürdigen Gemeindeinstitutionen ihrer ursprünglichen Bestimmung entzog? War es nicht die Reform, welche in die Schulen die Lehre des Abfalls einführte, von den Kanzeln die Predigt der Lüge verkünden ließ, eine Afterwissenschaft der Entstellung des Heiligsten pflegte, und die Leitung der Gemeinde an sich riß, um dem gesetzestreuen Juden die Möglichkeit zu berauben, den Vorschriften der Religion zu entsprechen, um einen Gewissenszwang und einen Gewissensdruck auszuüben, wie von nichtjüdischer Seite kaum jemals ärger geplant worden ist? Wir wollen heute diese Gegenfrage nicht auswerfen, wollen vielmehr gerade und rückhaltlos jenem Vorhalt Rede stehen. Nicht wir sind die Friedensstörer, nicht wir säen Zwietracht. Die Trennung der Gemeinden ist mit Nichten das Ziel unseres Strebens. Niemand empfindet es in tieferem Schmerze, daß wir nicht mehr das nriN »u, das einzig einige Volk sind, das als hm 'v, als das große Volk die Bewunderung der Welt auf sich lenkt und deren Anerkennung sich erringt, ein pn ddh Dy, „eine weise und einsichtsvolle Nation" zu sein, groß, weise und einsichtsvoll durch die Treue, die es Gott bewahrt, durch den Gehorsam in der gewissenhaften Befolgung des ihm von Gott ertheilten Gesetzes, von einem Gedanken beseelt in allen seinen Gliedern: 'n nrao hn v^n. Das Bild einer solchen Einheit gewährte die Judenheit während der düstersten Zeiten ihres thränenreichen Geschicks. Wie sehr auch der Haß und das Vorurtheil eines barbarischen Zeitalters, einer fanatischen Wuth sich gegen dieses einheitliche, einige Volk der Juden wendete, Achtung flößte es auch dem rohen Pöbel und den Purpur umflossenen Inquisitoren ein, die es dem Scheiterhaufen überantworteten; um wie viel mehr würde heute eine gebildetere, vorurtheilsfreie Zeitgenossenschaft einem solchen -in« ’u Achtung und Werthschätzung zollen, — wie groß wäre das dbci tr.Tp, das die deutschen Juden heute vollbringen würden, wenn sie das gleiche hoheitsvolle Bild jener Einheit und Einigkeit gewährten, das von der Vergangenheit aus den engen Judengassen, von den Flammen der Scheiterhaufen schauerlich beleuchtet, auf die Gegenwart hinabschaut? (Fortsetzung folgt.) Zur Gorfuer Iudeichetze. Berlin, 21. Mai. Die „Kreuzzeitung" behauptet heute wieder einmal mit einer Sicherheit, die offenbar verblüffen soll, der rituelle Mord in Korfu sei erwiesen, das gegentheilige Zeugniß des Erzbischofs von Korfu läßt sie nicht gelten; denn es sei lediglich eine persönliche Meinung. Sie beruft sich dagegen auf den Herausgeber einer Athener Zeitung, **) Jesaia, 6. 13.

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