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Der Israelit · 1891-05-20 · Heft 39-40 (20.5.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 39-40 (20.5.1891)
Date
1891-05-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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732 fragen, in dem diese Antisemttenblätter gewöhnlich geschrieben sind, Sie wissen genau, daß es gelogen ist, sagen es dennoch und nehmen es nicht einmal zurück, nachdem Ihnen die Unwahrheit bewiesen ist? Zu allem Glück ist der Antisemitismus in der Reichshauptstadt nicht mehr taMovabltz und die Berliner Bewegung und damit die nie sebr große Abonnentenzahl des „Volk" so zurückgegangen, daß uns an dem Widerruf Stöckerscher Unwahrheiten nicht viel gelegen sein braucht. Auch in Oberhessen haben die Antisemiten die Pfingsten in ihrer Weise gefeiert. Ein „deutscherJüngling" beruft im Reichsherold eine große Jugendversammlung auf den 2. Pfingstfeiertag auf die Forstenburg bei Oberbessungen, und in Groß-Umstadt sollte an ebendemselben Tage bei Bierbrauer Eid mann die Besprechung über das am 5. Juli in Sandlach abzuhaltende antisemitische Volksfest stattfinden. Morgen, am 20. Mai wird in Schwalbach ein judenreiner Viehmarkt abgehalten. Die Erfahrung hat gelehrt, daß diese Märkte nicht den geringsten praktischen Werth haben, sondern daß sie lediglich der Verschwendungssucht und den Vergnügungen, d. h. auf antisemitisch-germanisch, dem Trunk, der Völlerei und der Raufsucht gewidmet sind. Ein Beweis dafür ist, daß auch morgen die verschiedenen w3.it.r68 äs xlaitzir, wie Böckel, Kaiser, Hirschel 2C. auf dem Plan erscheinen und Ansprachen halten. Wenn die Herren nur wüßten, welches gefährliche Spiel sie trieben und daß uns die uralte, sich stets^ bewährte Verheißung zur Seite steht, 222 yjm bi u*y naaa zm. So sehr aber auch draußen der Kampf wüthet, im Innern gedeiht weiter das von seinem Gotte nie und nimmer verlassene Israel. Jüdische Seelengröße ist bemüht, so weit als möglich die Wunden zu heilen, die der äußere Feind geschlagen und andererseits auch im Innern dafür zu sorgen, daß Israel in seinem wahren Berufe immer mehr erstarkt und immer stärker wird im Dienste seines Gottes. So kommt uns aus Frankfurt a. M. die schöne Nachricht, daß die dortige israel. Religionsgesellschaft der großherzigen Munificenz eines ihrer begeistertsten Mitglieder die Zuwendung von hunderttausend Mark verdankt, welche in erster Linie zu dem Ankauf eines Hauses verwendet werden sollen, in welchem die projektirte Talmudhochschule, sowie eine Halle zur Herstellung von Mazzoth Unterkunft finden sollen. Die ferneren Erträgnisse dieses Hauses sollen dem Fonds der Volksschule der isr. Religionsgesellschaft zufließen. Wie wir hören, soll letztere mit dem Besitzer des an die Synagoge anstoßenden Nachbarhauses bereits wegen Ankauf desselben in Unterhandlung getreten sein. — Sicherlich wird man in weiten jüdischen Kreisen mit Hochachtung und Befriedigung auf diese neue, für das orthodoxe Judenthum hochwichtige Schöpfung Hinblicken und mit uns in den Wunsch einstimmen, daß Gott den hochherzigen Stifter des neuen Unternehmens mit der Fülle seines Segens beglücken möge. So wechselt Leid und Freud in Israel, wir aber sehen vertrauensvoll in die Zukunft, denn iöw ]wn ab) du» «1? run „Es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels." Zur Korfuer IudercheHe. Ist es ein Rückfall in die Barbarei des Mittelalters oder jene grausame Lust an dem Leiden des Nebenmenschen, welche eine bekannte Begleiterscheinung verfallender Culturen bildet, wenn unser absterbendes Jahrhundert uns das beschämende Schauspiel regelrechter, mit Mord und Todtschlag begleiteter Judenverfolgungen bietet? Die Historiker und Völkerpsychologen mögen das entscheiden. Thatsache aber ist, daß das Judentodtschlagen ganz außerordentlich fin de siede ist. Noch hat sich in der gebildeten Welt die Aufregung nicht beruhigt, welche durch die grausam angeordneten und empörend durchgeführten Judenausweisungen aus Moskau hervorgerufen wurde, und schon werden Aufmerksamkeit und Mitleid wieder von den Juden in Corfu in Anspruch 'genommen, wo zwar nicht von der Regierung, aber von einer fanatisirten Bevölkerung die Gesetze der Menschlichkeit mit Füßen getreten werden- Dort ist bekanntlich feit mehr als zwei Wochen die etwa fünftausend Seelen zählende jüdische Einwohnerschaft in ihrem Viertel förmlich belagert und cernirt. Die Juden dürfen es nicht wagen, ihre Wohnungen zu verlassen, Kranke bleiben ohne ärztliche Hilfe, Todte können ohne Gefahr für die Begleitenden nicht begraben werden, und vorgestern wurde sogar ein förmlicher Sturm auf einzelne von Juden bewohnte Häuser ausgeführt, bei welchem Weiber und Kinder gemordet — die Angaben über die Zahl der Opfer schwanken zwischen zwei bis neun Personen — und die gestürmten Häuser angezündet wurden. Die griechischen Behörden der Insel haben sich, sei es aus Indolenz, sei es aus Mangel an hinreichenden Machtmitteln, als unfähig erwiesen, diese Verbrechen zu verhüten, und mehrere europäische Cabinette, welche der Ansicht noch huldigen, daß die Juden sozusagen auch Menschen sind, haben sich bereits veranlaßt gesehen, Kriegsschiffe in die jonischen Gewässer abzusenden, um den Mangel an Macht oder Thatkraft, den die griechischen Behörden haben fühlen lassen, aus Eigenem zu ersetzen. Das Traurigste an diesem betrübenden Schauspiele ist, daß die Judenhetze auf die blühende Insel Corfu augenscheinlich importirt ist, und zwar nicht etwa aus Rußland, sondern höchst wahrscheinlich aus dem seiner Civilisation sich rühmenden Westen. Die Racen-, Wirths- und Gastvölker- Theorie dürfte freilich bei den im Antisemitismus noch wenig erfahrenen Corfioten nicht viele Anhänger finden, aber die Veranstalter haben das viel einfachere und der Fassungsgabe der Bevölkernng angemessenere Mittel gewählt, aus Anlaß einer aufgefundenen Mädchenleiche eine Neu-Auflage des bekannten Blutmärchens zu veranstalten und damit die Leidenschaften des Pöbels zu entflammen. Von da

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