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Der Israelit · 1891-05-20 · Heft 39-40 (20.5.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 39-40 (20.5.1891)
Date
1891-05-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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727 flegelhafte Benehmen; als jedoch Sch. seine Rohheit so weit trieb und ausrief „alle Juden sind Spitzbuben", verbat sich dies Herr M. mit dem Bemerken: „ich bin ehrlicher wie Sie." Als Antwort hierauf versetzte ihm jener einen Faustschlag ins Gesicht. Mayer wurde nun wegen dieser Affaire klagbar und erhielt Sch. vom Schöffengericht in Speyer eine Gefängnißstrafe von 2 Monaten und 14 Tagen zudictirt. Heute nun erschien Sch. als Appellant vor der hiesigen Strafkammer, da ihm jene Strafe zu stark war; hatte aber mit seiner Appellation einen schlechten Erfolg. Der kgl. Staatsanwalt beantragte Abweißung der Berufung mit der edlen und höchst toleranten Bemerkung: „Daß man heut zu Tage, besonders dieJuden gegen solch rohes und fle g elh aft es Be n eh men in Schutz nehmen müsse, um ein fü r alle mal diesem fluchwürdigen Treiben die Spitze ab zu brechen." Das Gericht erkannte dem Anträge dieses edlen Mannes und verwarf die Berufung des Schön. Plaut. Posen. Der Correspondent der hiesigen „Posener Zeitung" in Moskau schließt seinen Bericht über die Moskauer Judenhetze mit folgenden Worten: Hier ist schnellste Hilfe nöthig! Vor allen Dingen muß Geld aufgetrieben werden, um dem Hungertode von Tausenden Unglücklichen vorzubeugen. Aber auch Geld allein genügt nicht! Es muß eine wohlorganisirte Institution schnell geschaffen werden, die thätig an Ort und Stelle ein greifen soll. Möge die „Alliance Jsraelite" oder sonst welcher größerer Hilfsverein sofort Persönlichkeiten, mit den nöthigen Vollmachten und Geldmitteln ausgerüstet, nach Moskau senden, um der himmelschreienden Roth zu steuern und das noch bevorstehende Unglück nach Möglichkeit abzuwenden; es müssen Delegirte christlicher Konfession sein, denn sonst werden dieselben selbst, per Etappe vielleicht, sofort an die Grenze zurückgeschickt. Ich schließe für heute meinen Bericht mit Schaudern in die Zukunft blickend, denn ich habe im Allgemeinen den Eindruck gewonnen, daß dasselbe Schicksal, welches die Juden ereilt hat, über kurz oder lang auch die Deutschen und Protestanten treffen wird. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Trieft, 15. Mai. „Gazetta di Venezia" bestätigt, daß in Zante während einer Prozession Unruhen gegen Juden ausgebrochen sind. Die Truppen hätten aus das Volk schießen müssen; drei Personen wurden getödtet, viele verwundet. Das neapolitanische Blatt spricht von sieben Tobten und mehr als 40 Verwundeten. Der Pöbel plünderte mehrere Häuser, in denen Juden wohnen. R u m ä n i e n. Bukarest, 17. Mai. Der frühere Ministerpräsident Bratiano ist gestorben. Derselbe war ein großer Judenfeind. Unsere rumänischen Glaubensgenossen verfolgte er in seiner amtlichen Stellung aufs schrecklichste und verkürzte ihnen trotz des Berliner Vertrags, welcher die Emancipation der Juden ausgesprochen hatte, ihre bisher gehabten Rechte. Griechenland. Athen, 12. Mai. Mit Bezug auf die in Corfu vorgefallenen Ausschreitungen gegen die Juden wird der „Neuen Freien Presse" von einem Gewährsmanne, der sich längere Zeit in Corfu aufgehalten hat, geschrieben: Unter den etwa 28,000 Einwohnern der Stadt Corfu befinden sich sechs- bis siebentausend Juden. Die Juden sind in Corfu unter der Herrschaft der Venetianer und Spanier eingewandert und hatten, obgleich damals geduldet, doch durchaus kein beneidenswerthes Loos, woher es auch kam, daß dieselben stets arm blieben. Erst unter der siebzigjährigen englischen Herrschaft verbesserte sich ihre Lage. Jedoch bis auf den heutigen Tag sind sie der Mehrzahl nach Handwerker und Taglöhner. Unter der griechischen Regierung erlangten sie völlige Gleichberechtigung mit den griechischen Unterthanen und waren deßhalb auch stets die Hauptstütze der Regierung auf Corfu. Einerseits die Concurrenz, die sie als billige, anspruchslose Arbeiter den faulen, heruntergekommenen Griechen bereiteten, andererseits ihre Unterstützung der Regierung machten sie schon längst bei der gelammten griechischen Bevölkerung verhaßt. Besonderen Anlaß dazu gab ihre Haltung bei den letzten Parlamentswahlen, bei denen bekanntlich das Ministerium Trikupis gestürzt wurde. Schon damals hörte man überall von bevorstehenden Judenhetzen im Geheimen und auch offen sprechen; jedoch schien sich bis jetzt kein Grund gefunden zu haben, um die Hetze zu beginnen. So bot jetzt die Auffindung des ermordeten Mädchens willkommenen Anlaß, den Haß und die Erbitterung gegen die Juden zum Ausbruch kommen zu lassen, und es war durchaus nicht die Religion, sondern der Brodneid und der blinde politische Verfolgungswahn, was zu den gegenwärtigen Excessen führte. Unter dem Cabinet Trikupis waren dieJuden gegen derartige Verfolgungen geschützt, der Regierungswechsel dagegen hat die aufgeregten Elemente ermuthigt, und das Alles dürfte der einzige Grund zu den Ausschreitungen des Pöbels gewesen sein.

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