Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 39-40 (20.5.1891)
- Date
- 1891-05-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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726 machen, ist die Bitte, mit der wir diese Zeilen schließen. Es ist nach dieser Seite hin in den jüngsten Tagen bereits ein Schritt geschehen, dessen Bedeutsamkeit wir mit Gottes Hilfe nicht unterschätzen. Aber was nach dieser Seite hin geschehen könnte, entzieht sich selbstredend der öffentlichen Besprechung. Die Frage, welcher diese Zeilen gelten, drängt in diesem Augenblicke alle anderen Fragen in den Hintergrund. Sie darf nicht von der Tagesordnung abgesetzt werden, bis sie eine befriedigende Lösung gefunden hat. Wir stellen die Angelegenheit hiermit zur öffentlichen Discussion und bitten unsere geehrten Leser', das Unvollkommene und Ungenügende obiger Anregungen durch ihre Vorschläge zu ergänzen. Literarische Moli;. Die Israelitische Küche. Kochbuch für das Israelitische Haus von Heny van Cleef. Dieses Kochbuch ist dem Publikum bestens zu empfehlen. Die darin enthaltenen Rezepte paffen nicht allein für einen gewöhnlichen, sparsamen und praktischen Mtttagstisch, sondern entsprechen auch dem feinsten Geschmack für Diner und Souper. Was dabet noch am angenehmsten, ist, daß es für eine streng, rituell jüdische Küche, allen bis jetzt erschienenen Kochbüchern vorzuziehen ist. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 7. Mai. Die Antisemiten Böckelscher Gruppe hatten auf Dienstag Abend eine große Festversammlung nach dem „Feeenpalast" in der Wolfgangstraße einberufen, in welcher sie weidlich auf die jetzige Regierung, deren Kurs, deren Politik k. schimpften und dann in demonstrativer Weise dem Fürsten Bismark speichelleckten. Berlin, 15. Mai. Die Behandlung, welche die Verfügung des Oberlandesgerichtspräsidenten von Kunowski in Breslau auf freisinniger Seite gesunden hat, noch mehr aber die Haltung des Herrn Ministers von Schelling in der Angelegenheit der Maßregelung der Hildesheimer Referendare erregt in antisemitischen Kreisen große Bestürzung. Wie das „Volk" hört, werden aus diesem Anlasse an verschiedenen Orten Protestkundgebungen stattfinden. Es ist so eine Vorahnung des Todes, das die Partei beschleicht und die in allerhand confusen Aeußerungen zu Tage tritt. 8 Frankfurt a. M. Der erste Bericht des vor einem Jahre hier entstandenen neuen Vereins, „Kindergarten für Israeliten" liegt vor uns. Wir haben gelegentlich der Chanukafeier, die derselbe veranstaltete, über Tendenz und wohlthätiges Wirken dieser neuen Institution in diesen Bl. berichtet und wollen heute nur als Zeichen für die Sympathieen, die dieselbe sich hier erworben, und zugleich als Anerkennung der Leistungen gelten kann, einige statistische Notizen aus dem Berichte hier mittheilen. Der Verein konstituirte sich am 12. Mai v. I. mit 31 Mitgliedern und zählt nun 730. Mit 15 Kindern wurde am 1. Juni v. I. der Kindergarten eröffnet, die Zahl derselben ist während des Jahres auf 30 gestiegen. An Beiträgen und Geschenken wurden M. 11,923.50 vereinnahmt. — Der Jahresbericht der Verwaltung der „Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden am Taunus" kann uns die erfreuliche Mitttheilung machen, daß die im vorigen Berichte ausgesprochenen Erwartungen in Erfüllung gegangen seien, da 145 arme Brust- und Lungenkranke in dieser Anstalt Heilung und, soweit dies nicht ganz erreichbar war, Linderung ihrer Leiden gefunden haben. Bei solcher Leistung bedarf es gewiß nicht erst einer besonderen Empfehlung an alle unsere Glaubensbrüder in Deutschland, diesem wohlthätigen Vereine ihre Beihilfe zuzuwenden. Weift auch die Einnahme an Beiträgen und Geschenken die stattliche Summe von M. 18564.40 auf, so ist sie noch immerhin mäßig mit Rücksicht auf die Kosten, die einer solchen Anstalt erwachsen, und es darf doch erwartet werden daß für eine Anstalt, die allen armen Glaubensgenossen in ganz Deutschland zu gute kommt, sich auch alle Glaubensgenossen in ganz Deutschland, die nur irgend etwas zu leisten im Stande sind, erwärmen. Frankenthal, 12. Mai. Wenn bei uns in der Pfalz antisemitische Bestrebungen G. s. D. auch nicht den geringsten Boden finden, so ist es selbstverständlich nicht zu vermeiden, wenn einmal von Seiten eines rohen und pöbelhaften Menschen eine Scene herbeigeführt wird, die den fraglichen Character an sich trägt. Mit einem solchen Falle hatte sich heute die Strafkammer des hiesigen Landgerichts zu beschäftigen. Der Tagner Jacob Schön aus Speyer, ein schon öfters mit dem Strafrichter in Conflikt gerathener Mensch, kam vor einigen Wochen in eine dortige Wirthschaft, in welcher bereits unser GlaubensgenosseI. Mayer aus Speyer anwesend war. Sch. fing nun Lieder zu singen an, die schon an und für sich geeignet waren j, Herrn Mayer als Jehudi auf das tiefste zu kränken. Trotzdem ignorirte er, um keinen Streit heraufzubeschwören, dieses