Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-05-14 · Heft 38 (14.5.1891) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 38 (14.5.1891)
Date
1891-05-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448158--32099-2479929
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

teressen des Judenthums zu verfolgen als treuer Unterthan des Kaisers und echter Sohn Judas. Diese Worte verfehlten ihre Wirkung nicht, sie ergriffen uns allesammt derart, daß ich nicht zu viel behaupte, wenn ich sage, sie werden den Hörern noch lange, lange Zeit nachklingen, aber sie auch zu steter Begeisterung und Ausdauer im hehren Schaffen bewegen. Derselbe Herr verrichtete in bewundernswerther Weise das Tischgebet. Ich darf mich der frohen Hoffnung hingeben, daß der Spruch unserer alten Lehrer: mb H'djd bi,, D'pnr6 nsiD d’bw: Jede Versammlung, die dem (höchsten) Zwecke dient, wird sich erhalten," — auch an dem Synagogenverbande des Regierungsbezirks Oppeln sich erfüllen wird. Das walte Gott! — (Wir können drn Beschluß des Vereins nicht gut heißen; wir wünschen einen zahlreichen Beitritt zum genannten Verein. Red.) O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 13. Mai. Der Abgeordnete Luzzato fragt in der von ihm im Abgeordnetenhause in Betreff der Judenhetze auf Korfu eingebrachten Interpellation, welche Maßregeln der Ministerpräsident und Handelsminister im Einvernehmen mit dem Ministerium des Aeußern zu treffen gedenken, um die an Leben und Eigenthum arg bedrohten österreichischen Unterthanen zu schützen und den österreichischen Handel mit Griechenland und den Jonischen Inseln vor ungeheuren Verlusten zu bewahren. Der Pester „Lloyd" betont die Nothwendigkeit, daß Oesterreich-Ungarn zum Schutze seiner jüdischen Angehörigen aus Korfu ein Kriegsschiff dahin entsende. Wien, 13. Mai. Das Triester Blatt „Eittadino" meldet aus Korfu: Die Volkswuth hat ihren Höhepunkt erreicht. Der durch Agitatoren verhetzte Pöbel glaubt fest an das Blutmärchen. Die Untersuchung wegen des ermordeten Mädchens hat leider noch nicht das geringste Resultat ergeben. Im Ghetto droht der Ansbruch des Hungertyphus. Die Regierung thut zwar ihr Möglichstes, muß jedoch äußerst vorsichtig Vorgehen, um die Volkswuth nicht noch mehr zu erregen. Die Truppen haben Befehl, sich streng defensiv zu halten, und die Excesse werden immer ärger. Gestern wurden bei einem Kampfe zwei Juden erschlagen. In letzter Nacht ist auch wiederum versucht worden, das Ghetto an mehreren Stellen anzuzünden. Wien, 13. Mai. Privatbriefe aus Korfu an Triester Kaufleute melden: Die Situation werde immer trauriger. Die Juden seien seit 1 Monat in den Wohnungen eingeschlossen. Gegen die Fenster würden Steine geschleudert. Die Behörde sei ohnmächtig. Die Leute entrissen den Wachen vor dem Ghetto die Waffen und versuchten in die Wohnungen der Juden einzndrlngen und die Häuser der Juden in Brand zu stecken. Die Presse hetze gegen die Inden. Das Ghetto sei belagert. Die Volksmenge wolle die Juden Hungers sterben lassen. Die einzige Hoffnung der Juden sei eine Intervention der Großmächte. Aus Ungarn, 1. Mai. Es sind in letzter Zeit mehrere Fälle vorgekommcn, daß königl. Schulinspectoren ans Inspiration ncologer Juden, denen das eifrige Befassen der Kinder mit der ntempn min gleichsam ein Dorn im Auge ist, die „Talmud- Thora-Anstalten" unter dem nichtigen Vorwände, daß sie Winkelschulen wären, zu sperren pflegten, wodurch natürlich das in unserem Lande ohnehin schon zurückgegangene Thorastudium großen Schaden erleidet. Neucstens ist diesbezüglich eine Aenderung zum Besseren eingetreten, den rfcuo ’Trr, welche ihre Sprößlinge dem Studium der rrrn widmen wollen, wird wenigstens von dieser Seite kein Hinderniß mehr entgegentreten. Der Kultus- und ttnterrichtsininifter hat nämlich dieser Tage auf Einspruch der Galszezser orthodoxen Kultusgemcinde an den Ob er sch u l in s p e kto r des Z e m p l i n e r Eomitates einen Erlaß gerichtet, welcher n. A. Folgendes besagt: Ihre Einrichtung, wonach die von der Galszvszer orth. isr. Gemeinde ins Leben gerufene, zürn Religionsunterricht dienende Schule fortan nur von schulpflichtigen und nur während 2 Stunden täglich besucht werden dürfe, steht im Widerspruche mit dem 22. § des obrigkeitlich bestätigten, im November 1871 für die autonome isr. Glanbensgcnossenschast geschaffenen Statutes, welcher die Aufsicht dieser Schulen und das Recht über Festsetzung der Zahl der Lehrstunden einzig und allein den betreffenden Kultusgemeinden überläßt. Infolge dessen löse ich Ihren vorjährigen diesbezüglichen Beschluß auf und weise sie an, in diesem, sowie in ähnlichen Fällen sich streng an den Erlaß meines amtlichen Vorgängers vom Jahre 1877 zu halten. Von Seiten der Negierung obwaltet also kein Hindernis; gegen die Bethätigung von rrnnn wvH in umfangreicherem Maße; wenn es aber leider dennoch im Abnehmer; begriffen ist, so ist die Schuld hauptsächlich der ungünstigen materiellen Lage zuzuschreiben, unter deren Wucht die jungen Kinder sehr schwer zu leiden haben, da dieselben sich zumeist aus den unbemittelten Klassen rekrutiren. Außer diesem vielgerügten und dennoch nicht beseitigten ttebel, trägt nicht wenig der Mangel gut organisirter Anstalten zur Verminderung des Thorastudiums bei. Wir erfahren daher mit Freude von einer Bewegung unter mehreren Rabbinen, die dahin gerichtet ist, nach Muster der Preßburger

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.