Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 38 (14.5.1891)
- Date
- 1891-05-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXII. Jahrgang. Erste Beilage >,> M 38 d-s..Israelit & Ieschurun" Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzeu. Deutschland. Berlin, 11. Mai. In Windthorst's Wahlkreise wird jetzt für den Reichstag als Kandidat des Centrums der Landtags-Abgeordnete Landgerichtsrath Brandenburg aufgestellt, der jüngst im Abgeordnetenhause eine antisemitisch angehauchte Rede gehalten hat. Darob ist die „Kreuz-Zeitung" sehr erfreut; sie hofft daß Herr Brandenburg noch den richtigen antisemitischen Muth finden werde, und erblickt einen Frühlingsboten in der Thatsache, daß das Mandat des den Antisemiten abgeneigten Windthorst in die Hände dieses Herrn übergehe. Die „Kreuz-Zeitung" übersieht dabei, daß Herr- Brandenburg ein Antisemit in ihrem Sinne nicht ist, und daß die Mehrheit des Ccntrums sogar seine neultche Rede mißbilligt hat. (K.) Gleiwitz. Versammlung des Synagogen- Verbandes des Regierungsbezirkes Oppeln. Sonntag am 10. er. Vormittags 11 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Verbandes, der Königliche Sanitätsrath, H e r r D r. S. F r e u n d, Mitglied des Kreisausschusses, Vorsitzender der Stadtverordneten- und Vorsitzender der Repräsentanten-Versammlung zu Gleiwitz, die Sitzung. Zu derselben waren als Dclegirten erschienen: aus Ratibor die Herren Rechtsanwalt Fülzer, Herr Fabrikbesitzer I. Berg, aus Cosel, Herr Vorsteher Kauffmann, aus Kattowitz Herr Vorsteher Wiener, Herr I)r. meä. Löbinger, aus Königs Hütte Herr Rechtsanwalt Berger, Herr Mühlenbesttzer Stern, aus L eo bschütz Herr Vorsteher Luft, aus Zabrze Herr Brauereibesitzer Kaiser, Herr Wtenozkowitz, Herr Pollak, aus Gleiwitz außer Herrn Baukdirektor Frankel etliche Gemeindemitglieder. Die Gemeinde Oppeln ist nicht vertreten, da sie ausgeschieden ist; sie hatte sich gegen den Bau eines Waisenhauses erklärt. Rach einer kurzen Begrüßung seitens des Vorsitzenden widmete Letzterer dem verstorbenen Stadtrath Hahn, welcher Mitglied des Ausschusses gewesen, einen tiefempfundenen Nachruf. Die Versammlung ehrte das Andenken des verdienstvollen Mannes durch Erheben. Nunmehr gestattete der Vorsitzende Bericht über die Thätigkeit des Ausschusses während des verflossenen Jahres. Aus demselben verdient hervorgehoben zu werden, daß ein Aufruf erlassen worden ist, um Einsendung von Beiträgen zum Bau eines Waisenhauses. Infolge davon sind recht bedeutende Gaben geflossen, so daß jetzt ein Fonds von 26,000 M. vorhanden ist. Außerdem hat sich ein edler Mann in hochherziger Weise um Förderung dieser Angelegenheit unschätzbare Verdienste erworben: Herr Haase seu., Rybnik, ist gewillt die Summe von 20,000 M. und ein geeignetes Grundstück zu schenken, wenn das Waisenhaus in Rybnik errichtet wird. Der Vorstandsausschuß hat, nachdem dessen Bedingung, einen Rabbiner in Rybnik anzustellen, Gehör gefunden, die Offerte angenommen und bringt nun die Frage, ob das Waisenhaus in Rybnik gebaut werden solle, zur Debatte. Es wird einstimmig in bejahendem Sinne beschlossen. — Aus Punkt 4 der Tagesordnung — Etatsberathnng — erwähne ich mit hoher Befriedigung, wie allseitig aufs Wärmste die Hebung des Religionsunterrichtes in den Do rfgemeinden seitens des Vorstandes (obwohl man nicht anerkannte, daß in erster Linie die Hauptgemeind en Sorge zu tragen hätten), betont worden. Ein Antrag auf Erhöhung des Betrages von 300M. auf 500 ward widerspruchslos angenommen. Punkt 5: Wahl des Ausschusses. Herr Königl. San.-Rath ward nach den schmeichelhaftesten Worten des Dankes und der Anerkennung für das hohe Interesse und seine erfolgreiche Thätigkeit durch Zuruf wiedergewählt; zur größten Freude aller nahm iderselbe die Wahl an. Den Ausschuß bilden für das Jahr 91/92: Herr Amtsgerichtsrath Lewy, Herr S. Nothmann- Beuthen, Herr Amtsrichter Glogauer-Tarnowitz, Herr Dr. raed. Löbiuger-Kattowitz, Herr Rechtsanwalt Berger und Stadtrath Huldschinsky-Königshütte, Herr Haase, ^un.-Rybnik, Herr Rechtsanwalt Zülzer-Ratibor, Herr Dr. med. Neumann-Gleiwitz. — lieber Punkt 6: Gemeindestatutsentwurf wurde keine Verhandlung gepflogen, da die Vorarbeiten erst nach den Gerichtsferien beendet sein werden. Der Entwurf wird von den Herren Amtsgerichtsrath Lewy, Amtsrichter Glogauer und Rechtsanwalt Berger angefertigt. Die interessanteste Debatte knüpfte sich an .den letzten Gegenstand der Berathung: Beitritt zum Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Es siegte die Ansicht, daß das Gute sich von selbst Bahn brechen müsse; denn dräut der Winter noch so sehr — es muß doch Frühling werden *). Gegen 3 Uhr war die Sitzung beendet. An dieselbe schloß sich ein kleines Mahl, das durch einen längeren Toast des Königlichen San.-Rath, Herrn Dr. Freund auf den Verband die köstlichste Würze erhielt. Thränenfeuchten Auges und mit erstickter Stimme gelobt der Redner: wie bisher, entschlossen dieJn- *) Wir können den Beschluß des Vereins nicht gut heißen; wir wünschen einen zahlreichen Beitritt zum gen. Verein. Red.