Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 38 (14.5.1891)
- Date
- 1891-05-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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708 Berlin, 19. April. Als Luriosum sei mitgetheilt, daß nach einer Bekanntmachung des von der Preußischen Regierung mit der Seelsorge in Helgoland betrauten Pastors Schröder „Israeliten auf der Insel nicht getraut werden dürfen". Warum?'. Xanten, 3. Mai. Unserem bisherigen Lehrer, Herr M. Oppenheimer, der eine ehrenvolle Stelle in Antwerpen angenommen, wurde bei der Abschiedsfeier seitens des Smdtsecretärs und Präsidenten der Liedertafel in der Vollversammlung des Vereins eine Abschiedsrede gewidmet, die davon Zeugniß ablegte, daß hier zwischen den verschiedenen Confessionen Friede und Eintracht herrscht, und daß es Herr Oppenheimer verstanden, die volle Sympathien der israel. und christl. Mitbürger sich zu erwerben. Zui«, 1. Mai. Der 28. April war für die hiesige, jüdische Gemeinde ein Festtag, denn an diesem Tage feierte in seltener Körperfrische unser ehrwürdiger Rabbiner, Herr Elias Chaim, seinen 70. Geburtstag. Deputationen der hiesigen jüdischen Gemeinde, des „Israelitischen Frauen- und Jungfrauen-Vereins" und des Vereins nDJD.n überreichten sinnige Geschenke. Von Nah und Fern liefen Glückwunschtelegramme ein. Aus hiesiger Stadt erschienen die Herren ohne Unterschied der Confessionen, um unserem hochverehrten Herrn Rabbiner persönlich zu gratuliren und haben sie hiermit ein beredtes Zeugniß von der allgemeinen Beliebtheit des ehrwürdigen Jubilars abgelegt. Budapest. Die gelegentlich des Raubmordes in Puczlücza umS Leben gekommene Sarah Mezei hat, wie aus Puczlücza berichtet wird, zwei Kinder, einen zehnjährigen Knaben und ein sechsjähriges Töchterchen Hinterlagen. Vor Kurzem führte man nun die Kinder auf den Marktplatz und der Kleinrichter verkündete unter Trommelschlag, daß die beiden ungetauften Kinder niemanden hätten, der sich ihrer annehme, und daß sie adoptiren könne, wer wolle. Es fanden sich in der That zwei gutherzige Leute, welche die Aermsten an Kindesstatt annahmen und versprachen, sie als gute Katholiken zu erziehen. (Unerhört. Verkennen die Juden dort und in der Umgegend soweit ihre Pflicht?) Prctzbrrrg. 19. April. Herr Chaim Brill, der Vater des vor sechs Monaten verstorbenen, in der jüdischen Welt rühmlichst bekannten Rabbi David Brill, ein Mann von seltener Frömmigkeit und Herzensgüte, der Außerordentliches für min, besonders für die hiesige rQ’ttr geleistet, ein TO^n DDn, der trotz seines mrp und Reichthumes ein rin ron VJj; war, wurde heute zu Grabe getragen. Trotzdem der Tod für ihn nur eine Erlösung war und die jüngere Generation seinen Character und sein Wirken gar nicht kannte, — er war seit 18 Jahren gelähmt — waren doch alle unsere jüdischen Einwohner von der Kunde des HinscheidenS dieses edlen Mannes ergriffen. Czecze. (Com. Weitzenburg). Am |D’j rr~)"y starb plötzlich und unerwartet die edle Gattin unseres hochverehrten Rabbiners ’"j Herrn Tritzer, Tochter des frommen und geachteten Kaufmannes Kohn aus Baracska, in der schönsten Blüthe ihrer Lebensjahre, im Alter von nur 27 Jahren. An ihrer Bahre sprach zuerst der tieftrauernde Gatte, die Frömmigkeit, Tugend und die Bescheidenheit der Verblichenen hervorhebend. Außerdem hielten ihr noch zwei Rabbiner aus der Nachbarschaft warme Nachrufe. Warschau. Bei den vielfach widersprechenden Nachrichten über den Charakter der in jüngster Zeit seitens der russischen Regierung bewilligten Patzerleichterungen dürste den Betheiligten die Kenntniß der betreffenden Verordung willkomen sein. Dieselbe lautet: „Eircularvorschrift ddo. 26. März (a. St.) 1891 betreffs Erleichterung für reisende Kaufieute mosaischer Religion. Es ist dem kaiserlich russischen Consulate gestattet, die Reisepässe für protocollirte Kaufleute, deren Frauen, wie auch die Reisepässe für protocollirten Firma unter dem Titel eiues Bevollmächtigen, Vertreters, Commissionärs oder Agenten ohne höhere Bewilligung gegen Ueberbringung der vorschriftsmäßigen Beweise für einen bestimmten Termin, dessen Bemessung dem Consulate überlassen ist und die vorgeschriebene Frist von 6 Monaten nicht überschreiten darf, zur öfteren Reise nach Rußland zu visiren. Ferner ist auch dem Consulate gestattet, den Ausländern, welche den gesetzlichen Aufenthalt in Rußland seitens der russischen Behörden als erste Gildezahler erlangt haben, ebenfalls ihre Reisepässe sogar ohne Angabe des Termins nach Rußland zu visiren. Diejenigen Geschäftsleute hingegen, welche dieser Kategorie nicht angehören, haben wegen ihrer Reise nach Rußland die Bewilligung des kaiserlich russischen Ministeriums des Innern sich zu verschaffen. Rom. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat sich aus Mangel an Mitteln veranlaßt gesehen, drei von den fünf vorhandenen Synagogen zu schließen. Amsterdam. Herr David Montezinos hat dem Beth Hamidrasch „Ez Chajim" der sephardischen Gemeinde seine Bibliothek, bestehend aus 8000 Bänden, die ungefähr 10,000 Werke umfassen, geschenkt. Dieselbe enthält manche selten gedruckte Bücher und viele bisher unbekannte Manuscripte. Jaffa. Die hiesigen Gemeinden der Aschkenasim und Sephardim haben sich vereinigt. Die neuorganisirte wird vom Oberrabbiner Naphtali Halevi geleitet. Jerusalem. Wie „Habazeleth" berichtet, hat die Mahnung der sephardischen Rabbinen bezüglich der Consultirung von Aerzten nichts gefruchtet; vor wie nach werden von den Israeliten die Aerzte der englischen Mission aufgesucht. Wir unsererseits würden im Interesse unserer Brüder in der heil. Stadt es sehr bedauern, wenn dieser Mißstand nicht bald aufhören würde; cs wäre dann nicht ausbleiblich, daß gar manche wohlthätige Glaubensgenossen des Auslandes ihr bisheriges warmes Interesse für das Wohlergehen ihrer bedrängten Glaubensbrnder in Jerusalem verlieren werden. Bombay (Indien). In der hiesigen Garnison hat das Grenadierregiment Prinz Wales zwei Compagnien Soldaten, welche ausschließlich Juden sind. ei b b eitel t Hewi. h i st o r i s ch e Erzählung Vvnsk Kchwavf. Wir befinden uns in der ersten Hülste des siebzehnten Jahrhunderts in der alten Handelsstadt Smyrna, an der Bucht von Smyrna, in der astatischen Türkei. Die bis dahin ziemlich unansehnliche Stadt hatte damals größere Bedeutung erlangt. Mit der Thronbesteigung des Sultans Ibrahim war ein heftiger Krieg zwischen der Türkei und Venedig entstanden, welcher den levantinischen Handel in der Hauptstadt unsicher machte. Mehrere europäische, namentlich holländische und englische Großhandlungshäuser, hatten daher ihr Comptoir nach Smyrna verlegt.