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Der Israelit · 1891-05-14 · Heft 38 (14.5.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 38 (14.5.1891)
Date
1891-05-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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-05 ring des Lebens Ernte für uns ausfallen, die Ernte ist unser, uns allein kommt sie zu Gute, uns allein erfreut sie, aber wahrhaft nur dann, wenn wir als Erstling der Ernte ein Omer, ein Maschen Dank und Anerkennung Gott, dem Spender alles Guten, darbringen. Diese Lebenswahrheit will uns der Midrasch durch die Verbindung mit den Salomonischen Aussprüchen klar machen und ans Herz legen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Worms. In den jüngsten Tagen hat die hiesige isr. Gemeinde ein Geschenk erhalten, für dessen Bedeutung sich auch weitere Kreise interessiren dürften. Man sollte annehmen, daß eine Gemeinde wie die hiesige, welche auf eine so große Vergangenheit zurückblicken kann, auch im Besitze eines bedeutenden Archivs sei. Dies ist jedoch nicht der Fall. Jedenfalls ist ein großer Theil desselben gestohlen, oder verschleudert, oder auch nicht zum geringsten Theile in Verkennung der Wichtigkeit der Schriftstücke in das uralte Frauenbad hinter der Synagoge geworfen worden. Einen nicht unbedeutenden Rest hat nun das Vorstandsmitglied, Herr Julius Goldschmidt auf dem schwer zugänglichen Speicher über der Frauensynagoge aufgefunden. Wir gewinnen durch diese Schriftstücke einen Einblick in die Geschichte der hiesigen jüdischen Gemeinde, während des 18. und 17. Jahrhunderts und noch etwas weiter zurück. Wir lernen aus demselben die Leiden unserer Vorfahren kennen, aber auch ihren vortrefflichen Charakter, ihre Frömmigkeit, ihre Ausdauer, ihre Rechtschaffenheit und ihre Tüchtigkeit; für die geschichtliche Forschung geben sie interessante Aufschlüsse über das Verhältniß der Judenschaft zur Stadt, zu den Bischöfen, zu den Herzogen von Dalberg und zu den deutschen Kaisern. Herr G. hat nun diese alten Schriftstücke in vortrefflicher Weise geordnet, mit kurzem Inhalte versehen und der isr. Gemeinde zum Geschenke übergeben. Diese mühevolle Arbeit erhält noch ein hübsches Relief durch den Umstand, daß Herr G. für diese Archivreste einen schönen Schrank anferttgen ließ, dessen innere Einrichtung von der Liebe des Stifters zu seinem Gegenstände beredtes Zeugniß gibt. Herrn Goldschmidt, dem von Seiten seiner Collegen deren Dank in den wärmsten Ausdrücken ausgesprochen wurde, rufen wir zu: »b b^ .nuw d?vr ro"p"n rwöjo yhs oiys D’pnytp Rach einer Bestimmung des Schenkgebers, welche auch vom Vorstände gutgeheißen wurde, dürfen einzelne Schriftstücke nicht aus Händen gegeben werden. Hingegen hoffe ich, im Laufe der Zeit manches Werthvolle in Ihrer gesch. Zeitschrift zu veröffentlichen. R. Groß-Gerau, 4. Mai. Die angekündigte Antisemiten-Versammlung fand heute Nachmittag hier statt. In Ermangelung eines Lokals, denn kein Wirth hatte seinen Saal für den Antisemitenhäuptling hergegeben, gab man sich in der auf freiem Felde liegenden Dreschhalle Rendez-vous *). Es muß als eine Ironie des Schicksals bezeichnet werden, in einem Raum, der sonst dem Dreschen des Strohs gewidmet ist, den Hetzapostel seine Alltagsrede abwickeln zu sehen. Ab und zu wurde ihm von dem zahlreich erschienenen Volk, das sich heute kein billigeres Vergnügen verschaffen konnte, als Böckel's Arena zu besuchen, wilder Beifall gszollt. Das anständigere Publikum Groß-Geraus und der Umgegend blieb der Versammlung fern. Der Inhalt der Rede erstreckte sich über alles Mögliche und Unmögliche. Keine Partei blieb unverschont. Die Freizügigkeit, Gewerbefreiheit, Concursordnung, Civilprozeßordnung u. s. w., alles wurde citirt, um vermittelst an den Haaren herbeigezogener Beispiele die falsche Gesetzgebung zu beleuchten, die den Mittelstand untergräbt. Antisemiten-Häuptling Böckel hält es für das beste Mittel, um dem geringen Stand aufzuhelfen, die Concursordnung umzugestalten. Redner vergißt wohlweislich anzugeben, daß gerade im antisemitischen Lager in der letzten Zeit sich Bankerotteure der schlimmsten Sorte produzirt haben. Böckel gibt ferner seinem Unwillen darüber Ausdruck, daß er in der.jüngsten Donnerstagsitzung im Reichstag, nachdem 5 Gegner gegen seine Partei gesprochen hätten, nicht zu Wort habe kommen können. Wir hätten dem Reichstag das Vergnügen, den Teutschesten aller Teutschen zu hören, nicht mißgönnt. Das volle Maß seines Zornes ergießt sich über das bürgerliche Gesetzbuch, das in seiner jetzigen Fassung den völligen Ruin des Mittelstandes herbeiführen muß. Nur schade, daß man an hoher Stelle die großen Kenntnisse Böckel's nicht zu würdigen weiß, sonst hätte man ihn doch in die Commission wählen müssen. Er spricht von dem Elende Italiens, von der Verjudung des hessischen Landtags, von der in 1893 stattfindenden Hess. Landtagswahl, von der Presse, und fordert schließlich die Versammelten aus, sein Blatt zu unterstützen. Die ganze Rede war eine Aufhetzung der hier friedlich nebeneinander wohnenden Confessionen. Nickt wäre es zu wundern, wenn sich die Excesse wiederholen, wie in Windecken, wo man nach einer Versammlung die Grabsteine des jüdischen Friedhofs *) Herr Böckel, der sich in seinem „Reichsherold", in dem der dümmste Quatsch auf das Langweiligste breit getreten wird, über diese Versammlung anfänglich gründlich ausschwieg, berichtet endlich am 12. Mai, daß die Versammlung so groß gewesen sei, daß kein Lokal in Groß-Gerau sie hätte fassen können.

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