Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 38 (14.5.1891)
- Date
- 1891-05-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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704 Massen erfaßt §at, gerade in Bezug auf die richtige Lebensauffassung. Salomo spricht nicht von allem Mühen, sondern i^oy £aa, bei all' seinem Mühen, wenn alle Mühe, aller Fleiß, alles Streben des Menschen sich nur auf seine Person, auf seine irdischen Verhältnisse bezieht, die ja die Sorgen des Lebens größtenteils für uns Menschen zu bilden pflegen. Das sei kein Vorzug, das, meinte er, bringe keinen Nutzen, keinen Gewinn; s>'yiv mm Vt? froya tat«, aber wenn er sich müht um die höchsten Güter, die die mm uns lehrt, die sie als den Kern, als den Inhalt, als das Wahre im Leben zeigt und als einzig erstrebenswert ans Herz legt, da bringt das Menschentum, sein Fleiß und seine Mühe Nutzen und Gewinn, das erhebt ihn allein dann über alle übrigen Geschöpfe, adelt sein Leben vor allem anderen tierischen Leben. Wo unserem Thun nicht eine göttliche Wahrheit zu Grunde liegt, wo wir nur als Menschen um unser täglich Brod uns mühen und nicht dabei von dem Gedanken geleitet werden, in diesem Kampfe ums Dasein uns als Geschöpfe Gottes zu betrachten und uns mit all unseren Sorgen und Mühen Seinem Dienste unterstellen; wo wir nicht durch einen höheren Gedanken getragen, uns über alles irdische Ungemach erheben können: da lernen wir schließlich, auch wenn Glück und Freude unser Loos gewesen, auch wenn wir vor tausend Anderen bevorzugt waren, doch nur die Außenseite des Lebens kennen, die uns bet einem Rückblick doch nicht befriedigen kann; denn wo ist der Gewinn, was bleibt davon übrig? Anders aber, wenn wir uns mühen, und sei es selbst um das tägliche Brod und mit der alltäglichsten Sorge, aber dabei nicht außer Acht lassen, daß diese Alltagssorge- und Mühe nur zum Leben gehört, um uns auch im Kampfe des Lebens als echte Menschen zu bewähren; wenn wir nicht außer Acht lassen, daß die oft sehr schweren Sorgen und Mühen doch nur die Außenseite des Menschenlebens bilden, aber der Gedanke an unsere Menschenpflichten, der Gedanke an den gütigen Schöpfer, der auch das geringste Geschöpf erhält und ernährt, uns nicht niederbeugen läßt, ja mit Muth und Gleichmuth das irdische Ungemach erträglich macht in dem beruhigenden, glücklichfrohen Bewußtsein, dabei doch stets von dem Bestreben erfüllt zu sein, im Sinne Gottes zu leben und zu kämpfen: Da nützt uns, da ist ein hoher Gewinn, ein unendlicher Vorzug das Mühen und Ringen und Streben des Menschen. Rabbi Jannaj führt uns an einem drastischen Beispiel die Unzulänglichkeit der menschlichen Bemühungen vor, die so häufig sich nur um Kleinigkeiten drehen. Alles, sagt er, macht uns Mühe, und kaum lohnt es sich, daß man sich müht. Da kauft Jemand auf dem Markte seinen Fleischbedarf ein. Er muß auf den Markt gehen, sich durch das Menschengewühl drängen, muß vielleicht warten, bis er ein Pfund Fletsch sich verschafft', das ihm oft nicht nach seinem Geschmack vom Händler gereicht wird. Er kann es aber immer noch nicht essen; er muß es erst kochen und schmackhaft zubcreiten. Wie viel Mühe und welchen Aufwand von Zeit macht doch die Zubereitung auch der einfachsten Nahrungsmittel! Gott aber sorgt für unsere Bedürfnisse, ohne daß wir die Hand zu rühren brauchen, in ausreichender Weise und in demselben Verhältnisse, wie seine Allmacht unserer Ohnmacht und Unzulänglichkeit gegenüber groß, unendlich groß ist. Während wir schlafen sorgt Gott für uns. Auch wenn wir uns nicht bemühen, nicht für uns sorgen können, ist vom Himmel aus für uns gesorgt. Darum sollen wir gleichsam als Lohn der Dankbarkeit für diese himmlische Fürsorge ein Omer darbringen, die Erst! ingsfru cht unserer Ernte. Wenn auch wir gesäet, die Ernte verdanken wir doch Gott. Säen müssen wir, sonst keine Ernte. Und wenn Gott auch den Segen schickt, wenn Gott auch sorgt für Seine Geschöpfe, Anspruch auf diese Fürsorge, auf diesen Segen zu erheben, will und muß doch verdient sein. camp n'ü'N't -ic*y rw onMam „Bringet ein Omer, als Erstling eurer Ernte." Ein Maaß muß es für unsere Dankbarkeit geben. Für die ganze Ernte unseres Landes wurde als Erstlings- und Dankesspende ein Maschen dargebracht. Gewiß ein bescheidenes, winziges und dabei doch das richtige Maß unserer Dankbarkeit. Wir schlafen, und Gott läßt Seine Winde wehen, führt auf Wolken den befruchtenden Regen herbei, die Pflanzenwelt sprießt kräftig empor, die Früchte füllen sich mit Saft, so wie wir gerade jetzt wieder dieses himmlische, göttliche Wunder anstaunen. Wir schlafen oft sorglos in den Tag hinein, verschlafen die herrliche Morgenstunde, finden oft im Laufe unseres Lebens nicht die Zeit, um ein Maschen unserer Ernte, die wir doch nur Gott zu verdanken haben, als Anerkennung und Dank darzubringen. Und wenn wir auch mit unserem Geist, unserem Verstand, unserer Vernunft arbeiten und durch diese ernten, ist es nicht Gottes Geist, Gottes Hauch und Athem, der in uns weht, uns beseelt und erhebt?! toy s>aa unr^ parr no „Welchen Vorzug, welchen Gewinn hatte der Mensch mit all' seinem Mühen", wenn er nicht die Wahrheit des Menschenlebens als Kern herausfindet, herausschält aus der, ob weichen oder harten, immer aber nebensächlichen Schale alles Menschenthums und Menschendasetns. Mag reich oder ge-