Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 38 (14.5.1891)
- Date
- 1891-05-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXU, Jahrgang. M S8. Israelit... Jeschuni». Zkttslhüst W FSrSklMß W. Gelltrs »Ä |flH. Zklikis tu Mos. GmelotztMZitzilr. Gentrat-Hrgan für das orthodore IudentHum. Begründet von Dr. Lehmann in Main-, Don «er ft ag, den 14. Mai 5651 (1891). Die nächste Nummer (eine Doppel- MD^' nummer) erscheint Mittwoch, den 2V. Mai. Leitender Artikel. Eine Omerbetrachtung. Von Dr. H. Sänger. Zu den Worten Dn«am 'ui btnier ua nan pan oaTXp rvtsw nvp m. „Bringet ein Omer, das Erste Eurer Ernte dem Priester", bemerkt der Midrasch, nnn. ‘oa din^ jnn1 no rnn vovn, „das ist es, was geschrieben steht: Welchen Vorzug hat der Mensch mit all' seiner Mühe, die er sich müht unter der Sonne." „Rabbi Binjamin ben Levi sagte, unsere Weisen wollten das ganze Buch Kohelet unterdrücken , weil einzelne Stellen darin Anlaß zu einer falschen Deutung gäben und daher zu einem großen Jrrthum in der Lebensauffassung führen könnten. So sagt z. B. Salomo Freue Dich, Jüngling, in Deiner Jugend, laß' Dein Herz fröhlich sein in den Tagen Deiner Jugendkraft und wandle in den Wegen Deines Herzens und nach dem, was Deine Augen sehen. In der heiligen Schrift heißt es aber: „Ihr sollt nicht wandeln nach Eurem Herzen und nach Euren Augen." Da aber zu den angeführten Worten Salomo's der Nachsatz lautet: „Doch wisse, daß über alles dieses Gott Dich ins Gericht bringt", so sprachen sie: „Salomo hat schön und gut gesprochen." Freue Dich, Jüngling, Deiner Jngend! Da scheint ja die Lebenslust der Jugend verherrlicht und gut geheißen, die Lebenslust, die in den Augen der Jugend und gar mancher alten Leute, gar oft sogar in den, Augen der Eltern ihre Berechtigung aus dieser Jugend selbst herleiten und entschuldigen will. Die Jugend hat ein warmes, rasch schlagendes Herz, hat Gefallen an dem Schönen, an der Außenseite der Dinge, da sie noch nicht durch die Erfahrung belehrt ist und die Dinge noch nicht nach ihrem inneren Werthe zu beurtheilen vermag. Und gar mancher ältere Mann hat aus seiner Jugend diese Ansicht mit hinübergenommen und sein Leben lang daran sestgehalten, daß es klug und vernünftig ist, das Leben von seiner angenehmen, schönen und leichten Seite aufzufassen. Hat aber Salomo zu dieser falschen Auffassung Anlaß gegeben? Wenn man freilich nur den Vordersatz lieft. Aber der Ernst und die wirkliche An-. sicht Salomo's wird uns in ganz unzweideutigen Worten im Nachsatz klar gelegt: Aber wisse, daß für alles dieses Gott Dich ins Gericht bringt. Die Jugend, und die es mit der Jugend halten, die begnügen sich mit dem Vordersätze, sie stehen und stellen sich auf den Standpunkt der ersten Hälfte des Lebens, bedenken aber nicht, daß auch im Leben noch ein Nachsatz folgt, daß auch die Jugend enteilt, der leichte Sinn nicht Stand hält, daß das Leben auch noch eine ernste Seite bietet, daß die Folgen nicht ausbleiben, daß schließlich ein Jeder Rechenschaft ablegen muß. Deßwegen, weil es auch der Jugend nicht gut steht, leicht zu denken, nur nach ihren Herzenstrieben und nach dem, was dem Auge gefällt, zu wandeln, sucht die min der Unerfahrenheit und Oberflächlichkeit vorzubeugen durch die Warnung: Und Ihr sollt nicht wandeln nach Eurem Herzen und nach Euren Augen. R. Samuel ben Nachmani sagte, noch eines andern Ausspruchs halber wollte man das Buch Kohelet unterdrücken. Salomo sagt: iruvr,o nnn Vaa, „welchen Vorzug hat der Mensch mit all' seiner Mühe unter der Sonne." Triumphirend hören wir den Leichtsinn und die Unvernunft ausrufen: Seht, Salomo der Weise sagt es selbst, daß alles Mühen unter der Sonne eitel ist; also fassen wir unser Erdenleben von der practischen Seite auf, verkümmern wir uns nicht die kurze Spanne Zeit, die uns vergönnt ist, nutzen wir sie aus und erschweren uns nicht den Genuß des Lebens! Ja, hat denn wirklich Salomo das gesagt? oder spricht nicht eben die Oberflächlichkeit so, die Oberflächlichkeit, die auch heutigen Tages so breite