Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1891)
- Date
- 1891-05-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448157--32082-2479911- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^696 Paasch gelesen, gibt sie zu der Frage Anlaß: ob sie nicht erschrickt vor dem tiefen Abgrunde, an deffen Rand uns der Antisemitismus in seiner üppigsten Entfaltung gebracht hat? Denn nichts anderes als die Frucht der jahrelangen antisemitischen Verhetzung, welche so und so vielen Leuten den Kopf verdreht hat, ist das zweibändige Werk des Herrn Paasch, gegen welches die Reichsregierung jetzt den Staatsanwalt aufruft! Frankfurt a. M, 8. Mai. Die israelitische Religionsgesellschaft hat eines ihrer hervorragendsten Mitglieder, das orthodoxe Judenthum einen seiner treuesten Bekenner verloren: in der Nachmittagsstunde des vorgestrigen Tages ist Herr Abraham Schwarzschild im Alter von 75 Jahren plötzlich verschieden. Obwohl einige Tage leidend — einer leichten Erkältung wegen hütete er das Zimmer — kam sein Tod ganz überraschend, ein Herzschlag hat dem Leben des überaus rüstigen, noch in beinahe jugendlicher Kraft stehenden Mannes ein Ende gemacht, nachdem er noch wenige Minuten vorhor das Minchagebet verrichtet hatte. — Der Dahingeschiedene war ein begeisterter Jehudi, ein durch die Biederkeit seines Characters, durch die Aufrichtigkeit seiner Frömmigkeit allbeliebte Persönlichkeit. — Einer der ältesten Frankfurter Familien angehörend, ward dem Dahingeschiedenen das Glück zu Theil, sich zu hervorragender Lebensstellung emporzuschwingen — er war Inhaber der gleichnamigen Bankfirma —, und gehörte er zu den beliebtesten und geschätztesten Besuchern der Frankfurter Börse. Jahrelang bekleidete er in der Rcligionsgesellschaft das Amt eines Vorstehers, waltete mit unermüdlicher Gewissenhaftigkeit seines Aintes als Schulrath und vertrat mit seltener Hingebung die Interessen unserer Gemeinde. — Sie war stets sein höchstes Ideal, für sie arbeitete und kämpfte er, mit ihr freute er sich und mit ihr litt er — sie war das hohe Ziel seiner heiligen Bestrebungen. Wahrlich man wird es begreifen, daß der Hintritt eines solchen Mannes innerhalb unserer Religionsgesellschaft die tiefste Trauer hervorgerufen, daß eine zahllose Menge seiner Bahre folgte. Wegen des bhti t^sn war es Herrn Rabb. Dr. Breuer der noch am Schlußtage des Peßachfestes das Glück hatte, den Dahingegangenen in seiner Wohnung begrüßen zu dürfen, versagt dem allgemeinen Schmerze Ausdruck zu geben. Aus Württemberg. Mit Recht rügt Einsender des Artikels in Nr. 36 Ihrer geschätzten Zeitschrift „Schweiz, Basel, 5. Mai," daß, angesichts der herzzerreißenden Schilderungen des aller Beschreibung spottenden Elendes unserer russischen Glaubensgenossen, man sonst wenig von ähnlichen Sammlungen, wie von der mit so bedeutendem Erfolge gekrönten Baseler, an deren Spitze der Rabbiner steht, die gegen 10,000 Frs. brachte, hört. Zu um so größerem Vergnügen gereicht es mir, von einer aus der Residenz Schwabens für obengenannten Zweck im Gange befindlichen Sammlung, welche infolge „Hilferufs" von hier und auswärts die ansehnliche Summe von ca. 1500 Mark ergeben haben soll, berichten zu können. Die beiden hiesigen Rabbiner stehen der Sache fern! Wer wird sich auch um derartige Kleinigkeiten (?!) kümmern? omn^ Tiny1 nVsro nn nsn njn wnnn ünnn ns ’a ms. nipnn. Ploni. Rußland. Moskau. Das „heilige Moskau" wird „purifizirt" wie die Russen sagen, ehe der neue Generalgouverneur inzieht. Die „Purifikation" aber besteht in der Ausweisung der Juden, welche dabei in der grausamsten Weise behandelt werden. Dem Petersburger Korrespondenten der „Times", einem unparteiischen, wenn nicht gar russenfreundlichen Herrn wird aus Moskau gemeldet, daß in einigen der von der ärmeren Bevölkerung bewohnten Stadttheile große Bestürzung herrsche; die proscribirten Juden würden zu Fuß, in Gruppen, wie Verbrecher am Handgelenk aneinander gefesselt, zur Stadt hinausgeführt und die kleinen Läden und Wohnräume der ausgewiesenen Juden würden von den Russen geplündert. Es wäre nicht überraschend, wenn wieder Judenhetzen vorkämen. Nach dem „Standard" werden die Prediger der nicht-orthodoxen Glaubensbekenntnisse in Moskau von Juden überlaufen, welche sich taufen lassen wollen, um dem ihnen drohenden Ruin zu entgehen, allein das Gesetz verbiete solche Konversionen, außer zur lutherischen und katholischen Kirche und auch dann dürften sie nur in beschränkter Zahl erfolgen. Die Flucht der Juden dauere fort. England. London, 8. Mai. Das „Jewish Chronicle" behauptet „auf Grund bester Autorität" erklären zu können, daß die in der vorigen Woche verbreitete Nachricht, Baron Hirsch beabsichtigte, 3 Millionen Lstr. für einen gigantischen Plan zur Beförderung der Auswanderer der russischen Juden zu spenden, „gegenwärtig ohne Begründung" ist. Baron Hirsch habe sich noch für keinen besonderen Plan entschieden und erst, wenn die nach Argentinien gesandte Kommission ihre Arbeiten vollendet haben werde, dürfte er sich selbst eine Vorstellung von der nöthigen Summe machen können. Lord Rothschild, Sir Julian Goldsmid und Mr. Samuel