Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1891)
- Date
- 1891-05-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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687 Monagu hätten darüber berathen, wie der russische Auswanderungsstrom von England abgelenkt werden könnte. Die Sache sei sehr schwierig und vorzeitige Ankündigungen über gewisse großartige Pläne könnte die Sache nur noch schwerer gestalten. Griechenland. Athen, 20. April. Ueber die bereits erwähnte Judenhetze in Korfu enthalten die hiesigen Blätter ausführliche Berichte, nach denen die Sache sich folgendermaßen verhalten dürfte: Am Montag, 13. April, zeigte ein jüdischer Schneider der Polizei an, daß seine achtjährige Tochter vor Kurzem verschwunden sei. Sofort angestellte Nachforschungen blieben ergebnißlos. Zeitlich am Morgen des nächsten Tages erschien der Schneider bei den Behörden und meldete, er habe Nachts vor seinem Hause einen Sack vorgefunden, worin die Leiche feiner Tochter lag. Letztere war schrecklich zugerichtet: der Körper wie zerhackt, die Stirne von Nägeln durchbohrt; die Augen waren mit Kalk eingerieben. Als nun das Volk von der Unthat Kunde erhielt, wollte es nicht glauben, daß die Ermordete des jüdischen Schneiders Tochter sei, sondern man behauptete, daß es ein Christenmädchen sei, da die Juden, um sich Christenblut zu beschaffen, ein Christenkind in ein mit Nägeln bespicktes Faß einzuschließen pflegen (!?), um es so zu'tödten. Die Nägelmale an der Stirne der Leiche seien ein Beweis dafür, daß es sich hier um einen ähnlichen Fall handle. Mittwoch begannen die Feindseligkeiten gegen die Juden, von denen viele mit Fäusten und Stöcken geprügelt wurden; am selben Tage stürmten Bolkshaufen die Lokalitäten des jüdischen Vereins „Harmonie", verwundeten zwei Vorstandsmitglieder und schleppten die Vereinsfahne nach einem öffentlichen Platze, wo sie verbrannt wurde. Aus dies hin ließ der Nomarch das jüdische Viertel durch Militär undGendarmerie unzingeln, alle Juden schlossen ihre Läden und es wurde den Christen verboten, das jüdische Viertel zu betreten. Selbstverständlich wurde eine strenge Untersuchung eingeleitet. Das dortige Rabbinat veröffentlichte in den Lokalblättern einen Auszug aus den Geburtsregistern, woraus hervorging, daß die Ermordete thatsächlich des Schneiders Tochter gewesen war. (Mittlerweile hat sich die Erregung wieder gelegt. Red.) Athen, 9. Mai. Nach verläßlichen Berichten aus Corfu dauert die Aufregung an; vorgestern wurde versucht, das Judenviertel anzuzünden. vermischtes. Berlin, 23. April. Eine Marmortafel zum Andenken an die verblichene Kaiserin Augusta wird in dem Gebäude der Altersversorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde in der Großen Hamburgerstraße auf Beschluß des Vorstandes angebracht werden. Die hohe menschenfreundliche Frau hatte stets ein reges Interesse für diese Anstalt gezeigt und auch dadurch bethätigt, daß sie dieselbe wiederholt mit ihrem Besuch beehrte und auch in ihrem Testament bedachte. Die Frau des Polizeidieucrs in Cttiugshaufeu, Oberhefsen, ertheilte eine Reihe von Jahren den hiesigen Kindern aller Konfessionen Jndustrieunterricht. In letzter Zeit gab sie den Kindern antisemitische Räthsel zum Rathen auf und gab auch schließlich die Auflösung zum Besten. Ein Kind israelitischer Konfession erzählte diese Vorgänge zu Haus seinen Eltern, woraus der Vater den Sachverhalt an das Kreisamt Gießen berichtete. Kurze Zeit darauf erschien Herr Kreisrath von Gagern plötzlich zur Ueberraschung der Lehrerin in der Schule. Herr von Gagern stellte sie über die Vorgänge zur Rede, sie aber leugnete, bis die Kinder die Wahrheit sagten und sie beschämt da stand. Der Prozeß war nun ein sehr kurzer, die Schule wurde geschloffen und die Lehrerin ihres Amtes gänzlich enthoben. Die israelitische Privatschule in Reumage» an der Mosel wurde durch Verfügung der königlichen Regierung in Trier in eine öffentliche Elementarschule umgewandelt. Weißenburg (Ungarn). In der jüngst ftattgehabten Generalversammlung der Sparcaffe des Weitzenburger Comitats gedachte Graf Zichy in lobenden Worten des Begründers der Sparcasse, Salomon Wertheim, der eine lange Reihe von Jahren hindurch der Leiter der Anstalt war. Redner glaubte, das Andenken des Verewigten dadurch gebührend zu würdigen, datz er das Bild desselben für die Anstalt malen ließ und auf den Namen Wertheims eine Stiftung im Betrage von 1000 fl. errichtete, deren Zinsen alljährlich zur Unterstützung eines armen Hörers der Handelsschule verwendet werden sollen. Wochen - Kalender. Freitag, 15. Mai, 7. Isar. Sabbat-Anfang 7 Uhr 10 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 16. Mai, 8. Jjar. pTJÖ .'J! p“|D Sabbat-Ausgang 8 Uhr 30 Min. (Mainzer Uhr.) Moutag, iS. Mai, 10. Jjar. rvjyn. Briefkasten der Expedition. M. H., Lehrer in Kestrich. Mk. 5.— emspangen. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. fZJtn jüdischer Handwerker mit guten Ge- '3' schäftskenntnissen sucht auf 1 Jahr 200 Mark zu leihen und stellt es frei, ob gegen Gewinnantheil oder monatliche Abzahlung von 10—20 Mark. Gefl. Offerten unter Nr. 3085 an die Exped. d. Bl. erbeten. ir verkaufen, so weit der Vorrath reicht: einige R o t t: „ Gerettetmit beschmutztem Titelblatt, 70 Pf. B erend: „Berirrt," etwasdefect, 20 Pf. Beide Merkchen zusammen bezogen 80 Pf. incl. Porto. Joh. Wirth'sche Hosbuchdruckerei, Actien-Gesellschaft Mainz. föofltrfii zum baldigen Antritt ein nettes Mädchen zur Stütze der Hausfrau u. bei Kindern, in einer orthodoxen Familie. I*. Cohn, Altona, Breitestraße 46, I. (3081 in in Küche und Hausarbeit erfahrenes Mädchen gegen guten Lohn sofort gesucht. Näheres jFran CiOui*Colde, Uhlandfiratze 40, Frankfurt a. M. (3060