Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1891)
- Date
- 1891-05-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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68S heutzutage einer Frau solche Scene zumuthen." Ueber Mila schließen die unerhörtesten Gehässigkeiten S. 33 mit folgenden Worten: „Von einem gewissen Standpunkte aus ließe sich sogar ein allgemeines staatliches Beschneidungsverbot, mindestens rücksichtlich der Kinder rechtfertigen — Erwachsenen steht das freie Thun und Lassen zu. — Derartige staatliche Verbote haben aber ihr Mißliches, sie unterliegen schiefer Auffassung und erregen eine scheinfreiheitliche Opposition. Es wird darum genügen, wenn der Staat den Vätern das Wahlrecht läßt, ob sie ihre Söhne beschneiden lassen wollen oder nicht, letzterenfalls sie schützt oder doch nicht stört, ersterenfalls aber jedem Nichtarzt die. Uebung der Ceremonie strengstens und bei Strafe der Medikasterei streng untersagt. Das Uebrige muß Sache unserer Aerzte sein. Mögen sie dafür sorgen, das Judenthum von einem Brauche zu befreien, der nicht erhebt, sondern physisch und moralisch verletzt." Wer je im Zweifel darüber war, ob Herr Lehmann synodenrcif ist, wird den Zweifel aufgeben, nachdem er diese nwoo auf das älteste, jüdische Bundeszeichen gehört hat! Die Mesusa, heißt es S. 39, könnte den Aberglauben befördern. Bet einem bankerotten Kaufmann, der nichts weniger als strenggläubig war, fand sich im leeren Geldschrank eine Mesusa vor, darum — fort mit derselben. Der Sabbat muß auf den Sonntag verlegt werden, denn das Geschäft kann nicht zweimal die Woche feiern, die Schüler versäumen zu viel u. s. w. (Seite 41.) Diese Pröbchen dürften genügen. Herr Lehmann schließt seinen Brief in der „Allg. Ztg. des Judenthums" mit den Worten: „Wirke Du, lieber Freund, in Deinem Kreise und thue das Deine, dann können wir uns im Laufe dieses Sommers, will's Gott, in der dritten Synode in Berlin Wiedersehen." Der Freund hat viel zu wirken, wenn er das Kunststück fertig bringen soll. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 7. Mai. Unsere Religionsgesellschaft hat durch den Tod ein ehrwürdiges, durch seine Bescheidenheit und wahrhaft innige Frömmigkeit in allen Kreisen der hiesigen jüdischen Bevölkerung allgemein beliebtes und angesehenes Mitglied verloren. Herr Emanuel Gutmann ist Dienstag Nacht plötzlich im Alter von 76 Jahren in ein besseres Jenseits abberufen worden. Der Verstorbene, in Joxberg in Bayern geboren und mmn 'am by erzogen, hatte das Studium der nun während seines langen Lebens zu seiner Lieblingsbeschäftigung gemacht. Nachdem er in Neckarbischofsheim und in Trebur bei Groß-Gerau 24 Jahre zur vollsten Zufriedenheit seiner Gemeinden, in denen er hkh min verbreitete, als Lehrer und Vorbeter segensreich gewirkt, versah er vom Jahre 1859 an bei der hiesigen Religionsgesellschaft eine Reihe von Jahren in gewissenhafter und pflichtgetreuer Weise das Amt eines arm 26 Jahre lang fungirte er als Rabbi und Vorbeter bei dem 3. isr. Krankenverein dahier, in welchem seine religiösen Vorträge stets großen Anklang fanden und seine von Herzen kommende und zu Herzen dringende Vortragsweise der Gebete die Anwesenden zu Andacht stimmte. Auch wir beklagen in dem Dahingeschiedenen einen fleißigen, treuen und gewissenhaften Mitarbeiter. Seit der Gründung des „Israelit" war Herr Gutmann an den vielverzweigten Arbeiten unserer Expedition beschäftigt. Wir und mit ihm seine zahlreichen Freunde werden dem Verstorbenen stets ein ehrendes Andenken bewahren. n"axjn. Berlin, 6. Mai. Eine besondere Art neuer Freunde hat der ehemalige Reichskanzler jetzt in den Antisemiten Böckel'scher Richtung gewonnen. Sie haben gestern eine große Versammlung hier abgehalten, um ihrer Treue, Liebe und Anhänglichkeit an den Fürsten Bismarck Ausdruck zu geben, den allerdings der Antisemitismus, als den Schutzheiligen seiner Kinderjahre zu verehren, allen Anlaß hat. Zimmermann und Böckel hielten Ansprachen, in welchen sie wacker auf den unsicher» Kurs der gegenwärtigen Regierung loszogen, die sie sich als von den Juden beherrscht vorstellen und ihre Sehnsucht und Treue dem Fürsten Bismarck auch durch das übliche Telegramm zum Ausdruck brachten O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Budapest, 1. Mai. Zwei, in kurzer Zeit aufeinanderfolgende Todesfälle sind es, durch welche das ungarische orth. Judenthum einen herben Verlust erlitten hat. Am 18. v. Mts. verschied der in Stampfen (Preßburger Com.) wohnhafte Grundbesitzer Herr Süß nach mehrwöchentlicher Krankheit im schönsten Mannesalter von 40 Jahren. Der Verblichene, ein Schüler des isiv nnn, zählte zu jenen Wohlthätern, deren größter Stolz darin besteht, die npiu mso verborgen auszuüben. Er unterstützte stets D'oan nvabn, onina wie auch D’Din' in großem Maßstabe und verwendete namhafte Sum-