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Der Israelit · 1891-05-11 · Heft 37 (11.5.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 37 (11.5.1891)
Date
1891-05-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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minder wichtige Dinge berathen als die Leipziger (Eherechtliches, Sabbatgebräuche, Orgelspiel u. s. w.) sie betonte in trefflichen Sätzen, daß das Judenthum seit frühester Vorzeit in fortdauernder Entwickelung auf dem Boden und nach dem Ziele wahrer Gottes-Erkenntniß und reiner Sittlichkeit begriffen ist, daß ein dringendes Bedürfnitz der Umgestaltung vieler seiner Formen vorliege, daß die Synode Organ dieser Fortbildung sein wolle, daß, wenn ihre Beschlüsse auch keine bindende Geltung haben, doch die Kraft der Wahrheit, des heiligen Ernstes und der Ueberzeugung ihnen innewobne; daß sie in Wahrheit für Erhaltung des Judenthums wirke, wenn sie den Anforderungen der Zeit nachzukommen strebe. Als die Mitglieder dieser zweiten Synode — wieder nach einer ergreifenden und hoffnungsfreudigen Schlußrede des Vorsitzenden Prof. Dr. Lazarus am 17. Juli 1871 den goldenen Saal zu Augsburg verließen, da hat wohl Keiner von ihnen an ein Scheiden auf ein Nimmerwiedersehen gedacht. Zehn Kommissionen waren eingesetzt, ihre Obmänner ernannt, für Ehe-, Kultus-, Ritual-, Unterrichts-, Priester- Fragen, für Einberufung der neuen Synode, für Statistik, für Finanzen u. s. w. Zwanzig Jahre sind darüber hinweggegangen, die tüchtigsten, edelsten, tapfersten und begeistertsten Synodalkollegen sind Einer nach dem Andern zum lichteren Dasein abberufen worden. Am frühesten Geiger, in deffen Hände die Einberufung der dritten Synode gelegt war. Ein Blick auf die Mitgliederliste jener beiden Synoden umflort das Auge. Welche Männer waren da beisammen, von großem Wiffen, von tiefer Begeisterung — und sie sind Einer nach dem Andern dahingeschteden, wie Moses, im geistigen Anschauen einer lichteren, von ihnen geförderten, ersehnten Zukunft, aber ohne das beruhigende Gefühl ihrer baldigen Erfüllung. Ich will keine Namen nennen, sie glänzen in der jüdischen Kulturgeschichte, sie leben in dem Herzen ihrer Zeitgenoffen. Ein neues Geschlecht ward groß, von dem es vielfach heißen mutz, daß es nichts wisse von Joseph. Das erfolganbetende Streberthum und die antisemitische Verhetzung haben den Idealismus, wie auf anderen Gebieten, so auch auf dem in den beiden Synoden gepflegten, zurückgedrängt, eine Formgläubigkeit ist erstarkt, und es will vielfach scheinen, als habe das in seinen Hauptträgern dahingegangene Geschlecht umsonst gestrebt und gelebt." Wie man angesichts solcher Zugeständnisse doch noch einer neuen Synode das Wort reden kann, was einen dazu zu ermuthigen vermag, das erfahren wir nun, indem Herr Lehmann fortfährt: „Und dennoch — es will nur so scheinen. Gerade in neuerer Zeit mehren sich die günstigen Anzeichen, daß Männer, wie Geiger, nicht vergeblich wirken. Gerade in diesen Blättern. Seit ihrer Verjüngung unter tüchtiger Leitung sind wiederholt Arbeiten erschienen, namentlich, wie ich erfreut hervorhebe, aus der Feder von Rabbinern, welche das Wehen eines frischen Geistes bekunden. Da ist es denn endlich Zeit, das seit zwei Jahrzehnten ruhende Werk wieder in Angriff zu nehmen und zur dritten Synode zu schreiten. Hier ist also des Pudels Kern. — Es ist wahr, mit dem Reformjudenthum gehts auf die Neige, seine Taufpathen sterben aus, seine Gevattern haben keinen Nachwuchs, selbst zur Zeit, als der Synodenschwindel noch en vogue war, hat die erste Synode nur 83, die zweite gar nur 52 Mitglieder zusammenbringen können, dabei ist inzwischen diese saubere Sorte von Idealismus verdrängt worden und die Formgläubigkeit — d. h. das einzige, wahre Judenthum 8an8 phrase, welches man das orthodoxe nennt — ist erstarkt, aber-in der „Allg emeinen Zeitung des Judenthums" sind einige Aufsätze, namentlich von Rabbinern erschienen, welche das Wehen eines frischen Geistes bekunden! Namentlich von Rabbinern! — Herr Lehmann denkt sich eine Synode von Laien und Rabbinern zusammengesetzt, und diese sollen nun geködert werden. Die Laien, welche für die Synode reif sind, brauchen aber keine. Sie sind schon ohne Synode O'ivwi O'Miv in einem Grade, der durch keine Synodalbeschlüsse gesteigert werden kann. Und die Rabbiner? Diese, besonders die weltklugen Abbes unter ihnen, werden sich hüten, durch Gemeinschaft mit Herrn Lehmann sich unmöglich zu machen. Von diesen plaudert vielleicht der eine oder andere einmal gleich Herrn Lehmann seine Herzensmeinung in der „Allg. Ztg. d. Judenth." aus, aber von da bis zur offiziellen Blamage durch eine Synode ist doch noch ein sehr weiter Schritt. Die Rabbiner, die radikal genug wären, um in den Augen des Herrn Rechtsanwalts Lehmann Gnade zu finden, sind in jeder jüdischen Gemeinde geradezu unmöglich. Und diejenigen, die noch irgend einen letzten Rest positiven Judenthums besitzen, kann Herr Lehmann für seine Synode nicht brauchen. An diesem Dilemma scheitert alle Liebesmüh. Man erinnert sich noch des peinlichen Aufsehens, den eine Darstellung seines Judenthums zur Folge hatte, welche Herr Lehmann in der hiesigen „Volkszeitung" veröffentlichte. Ein großer Theil der jüdischen Abonnenten kündigten damals der „Volkszettung" das Abonnement. Der verdienten Vergessenheit verfallen sind einige frühere Flugschriften des Herrn Lehmann, in welchen er sich mit anerkennenswerther Offenheit über die Ziele ausspricht, denen er zusteuert. Es ist an der Zeit dieselben ein wenig niedriger zu hängen und es wird jeder sofort einsehen, weß Geistes Kind eine Synode nach dem Herzen des Herrn Lehmann sein würde, und warum es ihm so schwer fällt Gesellschaft zu finden. Es sind dies die Broschüren: „Höre Israel!" Aufruf an die deutschen Glaubensgenossen. Dresden 1869 und „Zur Synode", Ein Ruf an die israelitischen Gemeinden, Breslau 1870. Ueber den Scheidebrief heißt cs in der erstgenannten Schrift, S. 29: Weg darum mit der rabbinischen Jurisdiction in Ehesachen, weg mit dem Scheidebrief, weg mit den veralteten Bestimmungen des jüdischen Eherechts." Ueber die Chalizah, S. 52: „Wie könnte man

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