Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1891)
- Date
- 1891-05-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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676 Zeitungsnachrichten nuh Correspoudenzeu. Deutschland. Hannover, 20. April. Herr I s a a c Hirsch ist heute zum zweiten Vorsteher der hiesigen Synagogen - Gemeinde gewählt worden. Als vor einiger Zeit, der bisherige zweite Vorsteher, Herr Julius K a u f f m a n n, an Stelle des verstorbenen Herrn Geh. Sanitätsrath Dr. Cohen zum ersten Vorsteher gewählt worden war, lenkte sich sofort die Aufmerksamkeit auf Herrn I. Hirsch, welcher seit 23 Jahren dem Repräsentanten-Collegium, seit längerer Zeit als dessen Vorsitzender, und dem Vorstande fast sämmtlicher hiesiger jüdischer Institutionen angehört. Trotzdem auch von den Gegnern den Character-Eigenschaften, der Intelligenz, Selbstlosigkeit und Thatkraft des Herrn Hirsch rückhaltlose Anerkennung gezollt werden muß, machte sich eine sehr lebhafte Gegenagitation geltend, welche seit mehreren Wochen die Gemüther heftig erregte. Nicht weniger als drei Gegencandidaten wurden ausgestellt, Wahlversammlungen abgehalten, und man sah der Entscheidung mit großer Spannung entgegen. Dieselbe ist nunmehr, wie gesagt, heute zu Gunsten des Herrn Hirsch gefallen. Das Stimmen-Verhältniß stellt sich so, daß die Herren Sammy NeuberglO9, S.H. Oppenheimer 44. Commerzienrath G. Herzfeld 55 Stimmen erhielten und Herr Jsaac Hirsch mit 211 Stimmen gewählt wurde. Die sehr rege Betheiligung, welche noch stärker war als bei der Wahl des Herrn Kauffmann, legt Zeugniß ab für das Interesse, welches unsere gesammte Gemeinde der Wahlhandlung cntgegenbrachte. Herr Hirsch wird, wie bisher, seine Aufgabe darin erblicken, unsere Gemeinde auf traditioneller Grundlage zu erhallen und in der durch dieselbe bedingten Richtung ihre Fortentwickelung zu fördern, und er wird dies mit um so größerem Erfolge thnn können, da er sich in diesen Intentionen mit unserem wackeren ersten Vorsteher, Herrn Julius Kauffmann begegnet. Aus dem harmonischen Zusammenwirken dieser beiden zur obersten Leitung unserer Gemeinde berufenen Männer wird derselben m. G. H. Heil und Segen entsprießen. Clberfeld, 28. April. Vor der Strafkammer kam gestern jene Schlägerei zur Aburiheilung, welche sich am Abende des 11. Januar auf dem .Bahnhofe zu Barmen abspielte. Ein jüdischer Reisender aus Dortmund stand mit einigen jungen jüdischen Kaufleuten aus Barmen im Wartesaal II. Klasse in ruhiger Unterhaltung. Da traten ein Riemendrehereibesitzer und ein Kaufmann von Barmen hierzu und sprachen: „Seht, da steht die Synagoge". Der Dortmunder Reisende verbat sich solche Bemerkungen, worauf die anderen weiter stichelten. Als dann der Dortmunder auf den Perron hinaustrat, erhielt er von hinten einen Stoß mit den Worten: „Fort von hier nach Palästina l" Die Antwort des anderen lautete: „Gemeiner Mensch!", und nun begann eine wüthende Schlägerei. Da kam der Kaufmann herbei und führte mit dem Hirschhorngriffe seines Stockes von unten nach oben einen so wuchtigen Schlag nach dem Gesichte des Dortmunders, daß diesem dadurch ein Auge aus dem Kopfe gerissen wurde. Augenarzt Dr. Stood von Barmen gab sein Gutachten dahin ab, daß der Verletzte, der elf Wochen in der Klinik behandelt wurde, auf einem Auge das Sehvermögen vollständig verloren hat. Die^ Staatsanwaltschaft hielt den Umstand, daß eine pöbelhafte Rohheit von angeblich „gebildeten" Männern ausging, für einen wesentlichen Erschwerungsgrund und beantragte gegen den Kaufmann zwei Jahre Gefängnis;, gegen den Riemendrehercibesitzer, der nur mit der Hand geschlagen hat, 150 M. Geldstrafe. Das Gericht erkannte gegen den Kaufmann auf ein Jahr Gefängniß, gegen den anderen auf 150 M. Geldstrafe. Schweiz. Basel, 5. Mai. In Ihrer jüngsten Correspondenz aus Basel sind mehrere Jrrthümer enthalten, die ich mir zu berichtigen erlaube. Was zunächst die Sammlung für unsere nothleidenden Brüder in Rußland anbetrifft, so hat das Comite, bestehend aus Herrn Rabbiner Dr. Cohn, deni Gemeinde-Präsidenten, Herrn Dreyfus-Reumann und dein Präsidenten des Localcomitas der Alliance, Herrn Dreh fus-B rettauer, bereits gegen 10,000 Frcs. (davon die Hälfte aus Basel) theils an die Alliance, theils an Herrn Rabbiiter Dr. Rülf in Memel abgeliefert. Es verdient diese Thatsache allerdings hervorgehoben zu werden; denn bisher hören wir wenig von ähnlichen Sammlungen, die doch nach den h erzzerr eis;eirden Schilderungen des dortigen Elends überall energisch in Angriff genommen werden sollten. Es ist Ehrenpflicht für alle wohlhabenden Glaubensgenossen, nicht alles den kleinen Gemeinden an der russischen Grenze zu überlassen, sondern thatkräftig zu helfen, daß die Ausgewiesenen und Fiüchtendell ein rettendes Asyl finden. Bei einer hiesigen, von dem Verein „Erholung" veranstalteten Wohlthätigkeits-Vorftellung soll nach dem Berichte Ihres Correspondenden ein „officielles" trefenes Souper stattgefunden haben. So tief sind wir Gottlob denn doch noch nicht gesunken, daß dies möglich wäre, ohne daß maßgebende Persönlichkeiten dagegen Einspruch erhoben hätten. Vielmehr