Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1891)
- Date
- 1891-05-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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677 hat erst jüngst der „neue Cercle", eine Vereinigung von größtentheils jungen Männern, sein Etabliffement rituell eingerichtet. Bei jenem Feste war ein Essen gar nicht beabsichtigt; es war vielmehr nur für Erfrischungen und für kalte, natürlich koschere Küche gesorgt. Lebhaft zu bedauern ist es allerdings, das; Einige trotzdem und gegen die Verabredung, ohne Rücksicht ans Andersdenkende, sich trcfene Speisen reichen ließen. Was den Synagogenbau anbelangt, so steht allerdings zu hoffen, daß der o»n des Bauens am Sabbat, der hier um so größer wäre, als der Sonntag von den Christen überans streng gehalten wird, vermieden werden wird, zumal in der Synagoge, die nur vergrößert wird, während der Bauzeit regelmäßig Gottesdienst abgehalten werden soll. Da Sie die leider unleugbar vorhandenen Schattenseiten unseres Gemeindelebens hcrvorgehoben haben, so gestatten Sie mir wohl auch auf zwei Lichtpunkte aufmerksam zu machen. Unser Rabbiner hat es durch seine Bemühungen erreicht, daß von den etwa 200 jüdischen Kindern, die hier die niederen und höheren Schulen besuchen, seit'-einiger Zeit keines mehr, weder Knaben noch Mädchen, am Sabbat schreibt. Ueberhanpt weht in unserer Jugend der Geist, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Ferner will ich nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß mit Rücksicht auf unfern Rabbiner die Gemeinde die Orgelfrage vorläufig vollkommen ml acta gelegt hat. Griechenland. Athen, 2. Mai. Die Blätter berichten aus Zante über Unruhen, die anläßlich der Charfreitagsprozession ausbrachen und gegen die jüdischen Einwohner gerichtet waren. Die Truppen gebrauchten die Waffe. Das Panzerschiff „Miaulis" wurde nach Zante entsandt. -£» Vermischtes. < Neuukirchen. Der hiesige Metzgermeister Louis Wenzel hatte vor einiger Zeit an seinem Laden ein Schild angebracht, mit der Inschrift: „Hier hat kein Jude Zutritt!" Einige Tage ließ die Polizei diese Demonstration unbehelligt, dann wurde das Plakat polizeilich entfernt und beschlagnahmt; gegen Wenzel soll Anklage wegen groben Unfugs erhoben worden sein. Ein weiterer Erfolg für ihn ist indeß nicht ausgeblleben; die hiesigen Arbeiter haben ihn mit dem Spitznamen „HeppHepp" ausgezeichnet und wenn sie Morgens ' /%6 Uhr auf die Schicht gehen, dann klingt dieser Ruf aus Hunderten von Kehlen vor der Wohnung Wenzel's. Herr Wenzel ist dieselbe Person, die jüngst bewirkte, daß eine Versammlung des hiesigen Volksvereins, in der Herr Rechtsanwalt Kohn ans Dortmund sprechen wolle, der Auflösung verfiel. Er hatte eine Anzahl halbwüchsiger Buben engagirt, die bei der Rede Kohn's fortwährend „Hepp Heppl" schreien mußten; wegen dieses Lärms wnrde die Versammlung ausgelöst und geschlossen. Memmelsdorf (Bayern). Nach längerem Krankenlager hauchte H. Abr. Nordheimer ntjns seine reine Seele aus. Budapest. Der neue Intendant des königlich ungarischen Opernhauses, der hochedle Graf Göza Zichy, begnügte sich nicht damit, als Componist von sich reden zu machen, es genügte ihm nicht, als Künstler —er spielt mit einer Hand ganz meisterlich Clavier — Anerkennung zu finden, sondern er huldigt der Mode der Zeit und will sich durch seine antisemitischen Allüren populär machen. Nach den Differenzen, die zwischen dem edlen Grafen und dem hervorragendsten Sänger unserer Oper, dem „Juden" David Ney, ausgebrochen waren, wurde der in der Musikwelt hochgeschätzte und gefeierte Director Gustav Mahler, ebenfalls ein Jude, von dem gräflichen Intendanten gegen eine Abfindung fl. 25.000 in aller Form Rechtens auf Knall und Fall entlassen, ja es wurde dem jüdischen Director nicht einmal die Abschiedsvorstellung bewilligt!!!... Die böse Welt behauptet, der edle Graf Gaza Zichy wäre ein Antisemit, wir meinen aber, er müsse ein Judcnfreund sein, da er für das „Fortkommen" der Juden sorgt. Die hiesigen Blätter tadelten das Vorgehen des edlen Grafen auf das schärfste. Herr Mahler hat ein glänzendes Engagement in Hamburg gefunden, wo er vom Publikum mit außergewöhnlichem Beifall empfangen wurde. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. jg* Um eigen. -WA Die Silveeres«ee»r F«bvik * La za ru 8 Posen Wh* in Frankfurt a. M. empfiehlt ihre künstlerisch ausgestatteten isr. Cultusgegenstäncle: i)x Oh.njim, Tass, Kronen, Channkaklampen, Besomlmbüchscn, Seder- Gregenstände, Pokale, Welnlmmpen etc. etc. und versendet ihre neuen, sehr vergrößerten Mnsterkefte nebst Preis-Couranten gratis und franko! (85 Verkaufs - Lokalitäten: Frankfurt a. IW., Zeil 46a., im „Hessischen Palais“. (hin kräftiger Junge kann die Mctzgerei erlernen bei Abraham Samuel, 2969) Bcnsheim a. d. B. rüIP streng geschlossen. Kerlin W., Franzos. Strasse 49, im „Faberhause“. f£in junges Mädchen, welches im Glschüft u. im Haushalt erfahren, sucht Stelle zur werteren Ausbildung rm Haushalte. 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