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Der Israelit · 1891-05-07 · Heft 36 (7.5.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 36 (7.5.1891)
Date
1891-05-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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672 längst getroffen und so gründlich durchgeftthrt sind, daß die Herren, denen es nicht wehe thut, sich endlich für immer zufrieden geben könnten. Ein mir zu Gesicht kommender Artikel der .bratianischen, ehemals hochofsiziösen „Vo'intza nationalä, der über Ausland handelt, glaubt die rumänischen Israeliten auch bei dieser Gelegenheit nicht umgehen zu können und faselt, wie schon so oft, wieder unter der längst üblichen Ueberschrift,.Eine ernste Frage" über angebliche Glückseligkeiten, die wir im schönen Rumänien genössen und die uns natürlich genommen werden sollen, wenn sie noch wegzunehmen wären: „Auch wir", sagt das Blatt, „haben „etliche" (?) Gesetze zu einem schwachen (!) Schutz. Die (jungkonservative) Regierung will aber selbst diese nicht (?) anwenden; auch diese beseitigt (?) sie förmlich. Es ist den Juden untersagt in den Dörfern Schenken zu eröffnen. Aber alle (!?) Schenken in der Moldau sind in den Händen der Juden. Ja, noch mehr, wenn auf Staatsgütern Schenken verpachtet werden, so stellen sich die Juden ganz offen zum Bietungstermin ein. ... Die Frage ist ernst (l), denn es handelt sich um unsere Nationalität und um die Errettung der Landbevölkerung aus der gierigen Kralle der Semiten." Jemand könnte glauben, daß es wirklich noch eine Frage und eine „ernste", nicht eine dumme und unverschämte Lüge ist, was der „B. N." plötzlich zu drucken eingefallen. Jedes Kind weiß, daß auf dem Lande außer einigen wenigen Naturalisirten aus dem Kriege 1877/78 keine jüdischen Schanker gibt. Aber die „V. N." macht in Patriotismus, sie will der Regierung was am Zeuge flicken und möchte auch noch die paar Naturalisirten von den Dörfern vertrieben sehen. Dazu ist ihr jeder Firlefanz gut genug und bauscht diesen zu einer „ernsten Frage" auf mit dranhängender „nationaler Gefahr" und wie alle die Schlagworte und Gemeinplätze in Rumänien noch heißen! — Kürzlich fand in Piatra ein Ball der Elite der dortigen christlichen Gesellschaft zu Gunsten der natürlich christlichen Armen statt. Dieser Ball hat den Israeliten mehr Geld gekostet als ihre eigenen zu israelitischen Zwecken. Mit dem Verkauf der Eintrittskarten sind nämlich bei solchen Bällen gewöhnlich und auch in diesem Fall die Polizeikommissare, Steuererheber und andere in Rumänien sehr zu befürchtende Beamte beauftragt gewesen, die ihre Karten sehr schnell bei Israeliten anzubringen wissen, denn bei Christen kommen sie schlecht an mit ihren Bitten und — Drohungen. Es ist dies eine andere Art Steuer für Juden, die in keinem Gesetz vorgesehen, aber in jedem der Fälle einen sehr großen Theil der christlichen Balleinnahmen herstellt. Die wenigen Israeliten aber, die für ihr Geld zum Ball in Piatra gekommen sind, haben sich damit begnügt zuzuschauen, wie ihre Geldabnehmer sich durch Tanz unterhalten, denn aus früheren Jahren wissen sie nur zu genau, wie schimpflich sie von der „Elite" (!) der Rumänen behandelt wurden, als sie noch den Glauben hatten, daß sie für das Geld der ihnen angeworfenen Eintrittskarten, sich auch unterhalten dürfen. — Ich habe Ihnen seinerzeit von den Hindernissen geschrieben, welche man israelitischen Apothekerbeflissenen in den Weg legt. Vor einiger Zeit vereinigten sich 37 von 70 vorhandenen israel. schon ausstudirten Apothekern (Licentiaten) und petitiouirten bei Minister Manu um Abschaffung des intoleranten, ihnen verderblichen Artikels des Sanitätsgesetzes. Der Minister aber wies sie an die Kammern und sie wandten sich an diese mit der Bitte, ihnen bis zur Bewilligung persönlicher Naturalisation wenigstens einstweilig die Leitung von Apotheken zu gestatten. Mittlerweite aber ist ein anderes (noch konservativeres) Ministerium an's Ruder gekommen, die Kammer wurde aufgelöst und die israel. Apotheker werden wohl noch lange auf ihr gutes Recht warten müssen. Rußland. Petersburg. Auch in Petersburg beabsichtigt man, ähnlich wie in Kiew, die alten, in den letzten Jahren milder gehandhabtenJud en g esetze jetzt wieder genau durchzuführen. Der betreffende Befehl des Stadthauptmanns lautet: „Die auf meine Verordnung angeftellten Ermittelungen haben erwiesen, daß viele Juden, welche in Petersburg in der Eigenschaft von Handlungsgehilfen oder Hausbediensteten bei ihren Glaubensgenossen wohnen, keine ständige Beschäftigung haben oder aber unterm Deckmantel von Kaufmannsfirmen selbstständige Geschäfte betreiben. Nachdem ich den Revierverwaltungen die Verzeichnisse solcher jüdischen Personen habe zugehen lassen, die nach Obigem keine Rechte zum weitern Aufenthalt in Petersburg haben, fordere ich die Herren Pristaws auf: 1. den in diesen Listen verzeichnten Juden eine Frist von einem Monat, vom Tage dieses Befehls an gerechnet, zur Erledigung ihrer Angelegenheiten einzuränmen; 2. nach Ablauf dieser Frist sie an die Orte, wo sie angeschrieben sind, nebst ihren Familien zu befördern." Vermischtes. Berlin. Die Alterversorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde hat auch im abgelaufenen Jahre eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet, indem sich wiederum die Zahl ihrer verpflegten Hospitaliten vermehrt hat. — Von der hochseligen Kaiserin Augusta, welche der Anstalt seit Jahren eine Gönnerin war, find derselben letztwillig 4000 Mk. vermacht worden, und erhielt das Legat die landesherrliche Genehmigung. — An Stelle des verstorbenen Herrn Joseph Cohn wurde Herr Albert Levin in den Vorstand gewählt. Durch Gaben zum eisernen Fonds und andere Einnahmen vermehrte sich das Grundvermögen der Anstalt im abgelaufenen Jahre um 129,150.45 Mk. und betrug das Grundvermögen am Jahresschlüsse 1,803,830.58 Mk. Im abge-

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