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Der Israelit · 1891-05-07 · Heft 36 (7.5.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 36 (7.5.1891)
Date
1891-05-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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669 Mizwoth, die Verbindung mit Dir, die das Fest wieder neu belebt hat. Sind aber die Mizwoth, die uns Gott zahlreich, wie die Tage des Jahres und die Glieder unseres Körpers, in unseren Lebensweg gestreut hat, wirklich das Mittel zur Erreichung unseres höchsten Glückes, dann gibt es, kann es kein höheres Verlangen geben, als diese Pflichten in ihrem ganzen Umfang kennen zu lernen, um sie nun auch ganz dem göttlichen Willen gemäß zu vollziehen. Und wenn auch die Thora, welche sie lehrt, uns niemals in ihrer ganzen Fülle und Tiefe zugänglich sein wird, daß uns Gottes Gnade doch wenigstens einen Theil, wie bescheiden er auch sein möge, in Seiner Thora gewähren möge, das ist die Bitte, die wir in die Worte kleiden: upbn im “jrmrD. Mit diesem Theil begnadet, gewinnen wir eine vollständig andere Anschauung von dem, was sonst Menschen als ihr Theil erstreben und erraffen möchten. Aus der Erfüllung aller menschlichen Wünsche keimen immer wieder neue, größere, schwerer zu erfüllende. Lehren doch die Weisen, daß kein Mensch stirbt, dem auch nur die Hälfte seiner Wünsche erfüllt wäre; hat Jemand Hundert, so nlöchte er Zweihundert, und so ins Ungemessene fort steigert sich jedes Verlangen mit seiner Gewährung. Das aber ist das Geheimniß des Sabbat- und Feiertagsegens, daß er unserem Wollen und Streben eine von Gott gezogene Schranke setzt und damit der Unersättlichkeit unserer Wünsche entgegentritt. Die Schrankenlosigkeit des Genusses ist das Grab jedes Genusses. Nicht mehr und nicht reichlicher erbittet deßhalb unser Festgebet die Gaben von Gottes Liebe, sondern darum, daß das bereits Gewährte uns nicht lüstern nach neuen Begehren mache, fauaa uyatp, sättige uns mit Deiner Güte; In einer Zeit, wie die unsrige, die so viel von sich selbst und so wenig von Gottes Beistand erwartet, lächeln freilich die Glücksritter und Dividendenjäger vornehm auf denjenigen herab, der sich mit dem ihm von Gott bereits Gewährten begnügt und ängstlich über sich selber wacht, nicht lüstern mehr zu verlangen. Aber gestärkt von dem Segen ihrer Feste, deren Geschichte sie lehrt, wie Menschen so wenig vermögen und wie Gottes Macht allein den Ansschlag gibt, beten sie, überzeugt von der Unzulänglichkeit ihrer eigenen Kraft und der Macht derer, die sie verlachen: *]nyiti”a uncw. „Erfreue uns durch Deine Hilfe!" Diesem Gebet wird jedoch nur die beglückende Gewährung werden, wenn es sich aus gutem, reinen Herzen zum himuilischen Vater emporringt, 2b aus Ton nrm>. Ein gutes Herz hat immer Feiertag. Daß unser innerstes Denken und Fühlen rein und treu bleibe in all' den heißen Kämpfen und Versuchungen, die täglich seiner warten, daß Gort uns beistehen möge, damit wir nicht irre werden an der Wahrheit und treu zu ihr stehen, wenn ihr auch Tausende den Rücken kehren, diesem sehnsüchtigen Verlangen geben die Worte Ausdruck: mb inoi rusNii -pay1?. „Läutere unser Herz, um Dir in Wahrheit zu dienen." Nur mit diesem reinen, im Dienste der jüdischen Wahrheit schlagenden Herzen, dürfen wir der Erfüllung des Wunsches hoffen, daß unsere heiligen Festzeiten unser unverlierbares freude- und wonnevolles Besitzthum bleiben, auch wenn die Spanne Zeit, in welche sie fielen, längst dahin ist. Und wenn eine ganze Welt sich zusammen thäte, um ihre Bitternisse in unseren Lebenskelch zu mischen, die Freude mit Gott, mit Seinem Schutz und Seiner liebenden Fürsorge, wiegt alle Nadelstiche auf, die wir deßhalb zu ertragen haben, weil unser Leben der Verherrlichung und Heiligung des Gottesnamens auf Erden gewidmet ist. Der Gegensatz wird nicht ewig dauern. Gott, der Israel zu Seiner Heiligung berufen, heiligt auch die Zeiten. Viele geistige Saatkeime, die seit Jahrtausenden Israel in den Schooß der Menschheit streute, haben bereits Wurzel geschlagen und herrliche Blüthen und Früchte gezeitigt. Die unverzagten Säeleute dieser Gottessaat darf kein Rückschlag schrecken, der sich hier und da geltend macht. Sie geben die Hoffnung auf ins ltot? m» ,aiö frov oi\ auf eine Zeit, in der alles Gute ganz und dauernd seine Verwirklichung finden wird, nicht auf. Das sind einige Laute des Segens, der von unseren Festtagen hinausklingt ins Leben und der in der Zuversicht gipfelt: BHpD 'n nns *]nn Zeitungsnachrichten nud Correspondenzeu. Deutschland. Berlin, 2. Mai. Nachdem in der vorgestrigen Reichstags - Debatte über Petitionen gegen den Wucher der antisemitische Abgeordnete Liebermann v. Sonnenberg eine fulminante Hetzrede gegen die jüdischen Wucherer gehalten, erklärte der freisinnige Abgeordnete M ü n ch, er wolle den Wucher unter allen Umständen unterdrücken, auch den christlichen. Wenn Herr Liebermann solche Fälle nicht kenne, so möge er sich an seinen Fraktionsgenossen Herrn Pickenbach wenden, Geldverleiher seien oft genöthigt, hohe Zinsen zu nehmen, wenn z. B. sich Jemand auf Ehrenwort verpflichte, Wechsel einzulösen und das nicht thue. Er habe darüber sehr schmutzige Papiere, Ehren sch ei ne, die unterschrie-

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