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Der Israelit · 1891-05-07 · Heft 36 (7.5.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 36 (7.5.1891)
Date
1891-05-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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668 freut. Und wenn er selbst von der Wohlthätigkeit Anderer lebte, wenn er sein Kleid hingeben, sich das Nöthige leihen, ja sich selber vermiethen mußte, es ist kein Einsatz zu hoch für das beseligende Glück, das er aus dem Festesbecher schlürft, welchen ihm vierfach sein Fest in die Hand drückt. O, wenn der Vater der Menschheit unserem Festgebet die Erhörung gewähren und unserer zerklüfteten, rathlosen Zeit den Frieden schenken möchte, den wir mit den Worten erflehten.- .abvb'i “pjnü roia nx 'x 'n „Laß uns davontragen, Gott, unser Gott, den Segen Deiner Fcftzeitcn zum Leben und zum Frieden!" Leben und Frieden! Wie ist diese Zusammenstellung doch so selten geworden in unserer Zeit, daß man unwillkürlich davon betroffen wird, wenn man ihr in unserem Gebetbuch begegnet. Für uns ist Leben Kampf, ist die bloße Möglichkeit, zu athmen, ein Kamps ums Dasein. Nur im Tode winkt der Friede, aber das Leben ruft zum Kampfe und zwar zu einem Kampfe, der unablässig Tag und Nacht, früh und spät, von Groß und Klein, von Allen gegen Alle gekämpft wird. Tiefer und tiefer dringt der menschliche Geist in die Geheimnisse der Natur. Sein Blick schweift in die Himmelsböheu und bannt den zuckenden Blitz in seine Dienste, reicht in die Schachten der Erde und fördert ihre geheimen Schätze ans Tageslicht, aber die Menschheit wird der Schätze nicht froh, die sie am Baum der Erkenutniß pflückt. Keuchend und ächzend bestätigt sie mit jedem neuen Tage die alte Wahrheit: „Je mehr Kenntniß, desto mehr Weh!" Sie hat der Natur ihre Geheimnisse und ihre Schätze abgelauscht, aber das Geheimnitz, der Schatz, welcher in dem friedlichen Erwerb und Genuß der Lebensgütcr liegt, die Vereinigung von Leben und Frieden, von und abw, geht ihr ab. Selbst im jüdischen Kreise sind es nur die Gebete, sind es die gehobenen Weihestunden des Jahres, welche dieses Ideal in seiner ergreifenden Erhabenheit zum Ausdruck bringen, in der Wirklichkeit jedoch erscheint es auch da vielfach getrübt. Während man draußen den Frieden dem Leben, ja den bloßen Mitteln zum Leben opfert, opfert man in unserem heimischen, jüdischen Kreis das Leben dem Frieden. Sicher ist der Friede das höchste Gut des Lebens, deßhalb hat crn ohne diV» keinen Reiz, aber nbv ohne dmpi hat keinen — Sinn. Erft muß das Leben, die Möglichkeit eines pflichttreuen, jüdischen Lebens vorhanden sein, für welches die Segnungen des Friedens gepflegt werden sollen; aber das gottergebene Leben hinzugeben, um den Frieden zu erhalten, hieße die Fieberhitze eines Kranken durch den — Tod stillen. Wie man aber auch in unserer Zeit hierüber denken möge, unseres Lebens froh werden wir erst werden, wenn es nicht mehr die Signatur des Kampfes, sondern die des Friedens trägt, denn nur über D"n, gepaart mit oft», führt der Weg zu inercn nnaty, zur inneren Freude und zu ihrem lauten, wonnevollen Ausbruch. Wenn die Festesfreude auch unser wochentütigcs Leben verklären soll, wenn wir diesen Segen unserer Feftzeiten wirklich nun hinaus ins tägliche, schaffende und genießende Leben tragen möchten, so meint unsere Festbitte, müßte es uns zu allererst ernst sein mit dem Wunsche: uanp. „Heilige uns durch Deine Mi zw ah!" Was macht denn unsere Feste zu der unversieglichen Quelle der Freude und des Segens, was anderes, als daß wir das Gedächtuiß der Geschehnisse neu beleben, in welchen Gottes Gnade in das Lebensgeschick unserer Ahnen so sichtbar eingegriffen, daß es auch heute noch die späten Enkel mit der Zuversicht durchdringt, auch ihnen stehe Gottes Liebe noch eben so nahe und hebe auch sie auf mächtigen Adlersflügeln himmelhoch über die irdischen Niederungen und Kämpfe, denen Andere unterliegen. Dieses Bewußtsein von dem mächtigen Bande, welches jede Menschenseele mit Gottes mächtiger Liebe verbindet, auch im Kampfe der Werktage nicht zu verlieren, ist das Mittel, um auch auf das alltägliche Leben den Feftglanz unserer Feftzeiten hinüberzuleiten. In dieses Band schürzt nun jede Mizwah, die wir üben, einen neuen Knoten. Mila am Körper, Zizis am Gewand, Tefillin an Arm und Haupt, Mesuso an der Thüre, jede Beracha, die uns bei jedem Genuß den Blick zum Himmel hebt, alle haben in letzter Absicht, ja keinen anderen Zweck, als uns durch Wort und That unaufhörlich in zuversichtlichem Vertrauen mit Ihm zu verbinden. Diese treue Hingebung an Gott wird daher geradezu der Inbegriff aller Mizwoth gerannt, imex ^mso b. Wenn daher das Ver- Häl-Äkß zwischen Gott und Israel von den Propheten unter dem Bilde von Verlobten geschildert wird, so ist Emuno, die treue Hingebung Israels an seinen Gott, das Bindeglied, das den jüdischen Menschen mit seinem himmlischen Vater verbindet. b -pnterm Wenn aber diesem Brautstand die wahre, dauernde Verbindung, wenn auf pOnx nun yu/'np folgen soll, so verkörpert sich das treue Festhalten an Gott, welches als Emuno in uns lebt, durch die Mizwoth, die wir von Gott hinnehmen, um sie freudig zu erfüllen. Das ist die Heiligung, die Kidduschin, die uns mit Gott unauflöslich verbindet, das ist der Sinn der Bitte: u&pnp ■pmaoa: Traue uns Dir an. Vollziehe durch die von Dir ertheilten und von uns hingenommenen

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