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Der Israelit · 1891-05-04 · Heft 34-35 (4.5.1891) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 34-35 (4.5.1891)
Date
1891-05-04
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Sittenlehre ist ganz genau dieselbe wie die christliche. (Gelächier der Antisemiten.) Die deutsche Volksvertretung sollte sich einmüthig auflehnen dagegen, daß der Antisemitismus eine ganze Klasse gleichberechtigter, tüchtiger Mitbürger mit dieser Agitation verfolgt. Alle Parteien sollten sich dazu vereinigen. Es ist schlimm genug, daß man einzelnen Parteien dies überläßt! (Beifall Links.) Abg. Schier (kons.): Die Auseinandersetzung der beiden Vorredner hat mit der Sache, die uns hier beschäftigt, nichts zu thun. Den Petenten und auch uns ist es einerlei, welcher Religion der Wucherer augehört. Wir wollen den Schutz des wirthschaftlich Schwachen. Reicht das Gesetz von 1680 nicht aus, so muß es verschärft werden. Ein sehr glücklicher Gedanke ist es, dem Bewucherten einen Entschädigungsanspruch zu geben, dessen Höhe einfach der Richter festzustellen hat, ohne daß der Bewucherte erst noch den Civilprozeß anzustrengen braucht. Wir billigen diesen Gedanken. Zur Bekräftigung unserer Auffassung werden wir für den Antrag Strombeck stimmen. Abg. v. Strombeck (Centr.) befürwortet seinen Antrag auf Ueberweisung der Petitionen an den Reichskanzler zur Berücksichtigung. Abg. Stadthagen (Soz.) spricht sich für diesen Antrag aus. Es würde baare Thorheit sein, bloß den Judenwucher aus dem Lande zu schaffen, jede Art des Wuchers müsse ausgerottet werden. Auch die Bertheuerung des Brodes durch Getreidezölle sei ganz ebenso Wucher, nicht minder die Lohnvorenthaltung, durch welche die Arbeitgeber die Arbeiter aufs Schwerste schädigten. Eine endgiltige Lösung der Wucherfrage werde erst durch die Umgestaltung unserer ganzen Staats- und Gesellschaftsordnung herbeigeführt werden. Abg. Münch (frei].): Herr Lieberinann v. Sonnenberg konnte diese Gelegenheit zu einer Hetzrede nicht vorübergehen lassen, weil er ohne dies bei den Bauern unmöglich wäre. Präsident v. Levetzow rügt den Ausdruck Hetzrede. Abg. Münch (fortfahrend): Abg. Liebermann v. Sonnenberg hat eine große Anzahl von Prozessen gegen jüdische Wucherer angeführt. Hat er denn unter den Prozessen gegen christliche Wucherer keinen anzuführen? Tann empfehle ich ihm den Prozeß gegen seinen Fraetionsgenossen Pickenbach. (Abg. Liebermann v. Sonnenberg: „Unwahrheit!") Welches sind die Ursachen des Wuchers? Wenn Jemand eine Anleihe macht, einen Wechsel ausstellt, sich verpflichtet, denselben zu bezahlen und wenn das mehrere Male passirt, dann sucht der Tarleher sich dadurch zu sichern, daß er einen höheren Zins nimmt. Ich habe hier in den Akten Papiere, die schmutziger sind, als die, aus denen Herr Liebermann vorhin vorlas. Ich lege sie Herrn Liebermann zur Einsicht vor. Es betrifft Ehrenscheine, die unterschrieben und nicht eingelöst sind. (Abg. Liebermann v. Sonnenberg: „Lüge!") Präsident v. Levetzow rügt diesen Zwischenruf. Abg. Münch (fortfahrend): Gegen solche ehrlose Handlungen kann man sich nur durch Wucher schützen. Wenn solche Lente nicht nur moralisch, sondern auch politisch todtgemacht würden, dann würden wir ihre Reden im Reichstag nicht mehr zu hören bekommen. Ein inzwischen eingegangener Antrag auf Schluß der Discussion wird genügend unterstützt. - Vor der Abstimmung bezweifelt Abg. Böckel die Beschlußfähigkeit des Hauses. Das Bureau ist über die Richtbeschlußfähigkeit einig, es muß also die Sitzung aufgehoben werden. IWrirte KüWstsmelse des Herrn Fritsch. Bon Karl Wiefenthal. Theodor Fritsch, der Herausgeber und Leiter der deutsch-socialen Blätter, bemüht sich seit einiger Zeit über die Generale Napoleons und die Juden Frankreichs die sonderlichsten Dinge zu verbreiten. Sind wir es schon von Herr Fritsch gewöhnt, daß er auf historische Quellen wenig Werth legt, so wollen wir aber heute seine eigenthümliche Kampfesweise einmal illustriren. Fritsch möchte durchaus Napoleon und alle großen Männer seiner Zeit als Vorkämpfer antisemitischer Ideen aufstellen. In Nr. 136 seiner deutsch-socialen Blätter leistet sich der historische Antisemit ein Artikelchen, welches lautet: Juden als Schlachtfeld-Hyänen. Alle Kriegs-Geschichtsschreiber und Kriegs-Bericht-Erstatter wissen davon zu erzählen, daß der Jude in dreierlei Gestalt eine gefährliche Rolle in den Tagen spielt, wo die Völker in blutigem Ernst um ihr Schicksal und ihre nationale Ehre ringen. Er weiß Vortheil zu ziehen aus dem Unglück Anderer: er erscheint als Armee-Lieferant, als Spion, und als Leichenräuber — in jedem Falle großen Gewinn einheirnsend. Wie sehr in den napoleonischen Kriegen — abwechselnd zum Verderben beider Theile — der -Jude seine Rolle gespielt hat, ist bekannt. Ein Zeugnis dafür findet sich in den zur Zeit in Paris neu erscheinenden Memoiren des Herzogs Talleyrand. Ueber seine Anwesenheit auf dem Schlachtfelde von Austerlitz berichtet Talleyrand, wie General Lannes ihm die Punkte zeigte, an denen die wichtigsten Angriffe stattgefunden hatten und dabei sich plötzlich mit den Worten unterbrach: „Ich kann es nicht mehr aushalten, Sie müßten denn mit mir kommen, um alle diese erbärmlichen Juden totzuschlagen, die die Toten und Sterbenden plündern." Als Antwort auf dieses Machwerk sei Herrn Fritsch folgender historischer Beleg gegeben. Als Napoleon im Mai 1812 in Kowno lagerte, befahl er, daß man mit Danziger Juden Lieferungen abschließe, um den Preußen nicht in die Hände zu fallen. Er selbst hatte sich Adressen von Juden verschafft. General Graf von Segur erzählt nun in seiner Geschichte: „Napoleon und die große Armee", daß der Danziger Jude Kubloscher von dem Kaiser einen Brief empfing, der in deutscher Uebersetzung wie folgt lautet: „Mein Herr! Wie mir mitgetheilt wurde, liefern Sie gut und billig. Das hat mein Herz erfreut! Wenn

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