Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 34-35 (4.5.1891)
- Date
- 1891-05-04
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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652 Vollbracht hat und vollbringt, ist das talmndische, das von den Ueberlieferungen des Talmuds getragene, gepflegte und erhaltene Judenthum." *) Die Lossagung vom Talmud ist somit eine Verleugnung und Abschwörung des Judenthums. Wenn wir um den Preis eines solchen Verraths an dem Allerhöchsten uus Ruhe und Sicherheit verschaffeu wollten, verschaffen dürften, dann hätte es nicht erst dieser geschwätzigen, seichten Weisheit des „Comites vom 1. Dezember 1880" bedurft, dann hätten wir schon im Mittelalter uns der Verfolgungen entledigen können. Wir hätten uns vom Judenthum loszusagen brauchen, wie die Reform und deren Bekenntniß in Lazarus' „Unser Standpunkt" das Judenthum abschwört. Ich will nicht daran erinnern, daß die Väter der gegenwärtig lebenden Stimmführer der Reform, zur Zeit, da cs sich um den Kampf für die Juden- Emancipation handelte, ganz ebenso verfuhren, vielleicht mit alleiniger Ausnahme von Gabriel Rieß er. Das Judenthum sollte verleugnet werden, um die Emancipation dafür einzutauschen, ja Geiger wollte die bürgerliche Gleichberechtigung nur für die Reform in Anspruch nehmen und die Orthodoxie in Druck und Elend weiter belassen. Aus diese und ähnliche Thatsachen soll hier nicht des Näheren eingegangen werden. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Gorrespondenzen. Deutschland. (z) Breslau. Rabbinerwahl. Wie verlautet, sollen, nachdem Professor Kaufs m a n n-Pesth einen ehrenvollen Ruf abgelehnt hat, 5 Kandidaten zu Probevorträgen geladen werden. Es sind dies die Herren Dr. Guttm ann-Hildesheim, Dr. Löw- Szegedin, Dr. Rippner-Glogau, Dr. Schwarz- Karlsruhe und Dr. Zieml ich-Nürnberg. K. Ratibor. Jüdischer Waisen-Unterstützungs- Verein. Dem soeben ausgegebenen 47. Rechenschaftsberichte für das Verwaltnngsjahr vom 1. April 1890 bis 31. März 1891 entnehmen wir Folgendes: Die Einnahme beträgt 5346 M. 18 Pf., die Ausgabe 5139 M. 20 Pf., bleibt am 1. April 1891 Bestand 206 M. 98 Pfg. Das Vermögen des Vereins beläuft sich auf 22,122 M. 92 Pfg. geldwerthen Papieren, ferner dem Oppler'schen *) lieber die Beziehung des Talmuds zum Judenthum und zu der sozialen Stellung seiner Bekeuuer von Samson Raphael Hirsch, Seite 4. Legat mit 2400 M. und der Grün w ald'schen Stiftung mit 600 M. Der Verein zählt 161, darunter 13 verstorbene immerwährende Mitglieder. Im Laufe des Berichtsjahres hat sich die Zahl der immerwährenden Mitglieder um 2 vermehrt; der Verein zählt somit jetzt 23 immerwährende Mitglieder. (Durch einmalige Zahlung eines Miudestbetrages von 100 Mk. wird die immerwährende Mitgliedschaft erworben.) Laufende Unterstützungen haben 11 Waisen, 1 Wittwe und ein verarmtes Mädchen erhalten; ferner wurde in ausgiebiger Weise für Bekleidung und Unterricht der Waisen gesorgt, auch ist allen berechtigten Ansprüchen, die an den Verein gestellt wurden, voll Rechnung getragen worden. Infolge Verzuges nach Breslau ist der bisherige stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Herr E manuel Schneider, aus dem Vorstande ausgeschieden und besteht der Vorstand z. Z. aus den Herren Dr. med. Rosenbaum, Adolf Moritz Grunw ald und Max Samo je. — Oeste r r. - Unga r. Monarchie. Budapest, im April. Schon die wenigen Nummern der hier in Ungar. Sprache erscheinenden jüd.-orth. Wochenschrift „Zsido Hirado" hatten einen solch durchschlagenden Erfolg, daß von der jüngsten Nummer zwei Tage nach deren Erscheinen eine zweite Auflage veranstaltet werden mußte. Der Redacteur führt eine sehr spitze Feder und versteht es, die Gegner in solch' wirksamer Weise aus dem Felde zu schlagen, daß der vornehmlichste Theil derselben bereits die Flinte ins Korn geworfen und auf die Fortsetzung des Kampfes verzichtet hat. In orth. Kreisen weiß man denn auch die hervorragenden Verdienste des kampfesmuthigen Redacteurs, HcrrDr. Daniel Weiß voll und ganz zu würdigen. So wurde er von der hies. aut. orth. Cultusgemeinde laut Beschluß vom 12. dss. mit Stimmeneinhelligkeit zum Ehren m itgliede gewählt. — Auf Antrag des gelehrten Oberrabbiners Sp ira aus Munkacs trat Herr Dr. Weiß auch in die Durchführungs-Eommission als ordentl. Mitglied an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Isidor Ullmann aus Groß-Wardeiu ein. — Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Schreibern aus Preßburg übersandte Herrn Dr. Weiß eine in äußerst warmem Tone abgefaßte im», was ihm umso eher zukam, als Herrn Dr. Weiß auch seitens des frommen Rabbi Hillel aus.Kolomea, dessen proi» rabn er ist, beim Abgänge aus dessen naw» die im» erhalten hatte. Herr Dr. Weiß gravitirt bekanntlich dem Chassidismus zu, wodurch er jedoch mit den