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Der Israelit · 1891-04-21 · Heft 32-33 (21.4.1891) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 32-33 (21.4.1891)
Date
1891-04-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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($24 „politischen Joche", das von unseren Schultern genommen ward, haben zahlreiche Kreise unseres Stammes gleichzeitig auch min by, „das Joch der Thora", der heiligen Gotteslehre, von sich abgeschüttelt; mit der Befreiung aus staatlichem Druck, die uns geworden, haben gar Manche von uns auch tohn mrüN, „die Bande des göttlichen Gesetzes" gewaltsam gesprengt, die uns doch wahrlich nicht als beengende Fesseln, sondern als Bande der Liebe erscheinen sollten, mit denen der Allgütige uns väterlich umfassen will, und mit denen er unsere Väter einst erkoren zu seinem Eigenthum. Die Geschichte des jüdischen Mittelalters, so bemerkt Delitzsch in einem seiner berühmten Werke, ist die Urkunde von der Freiheit des Volkes mitten in der Sklaverei; die Geschichte der jüdischen Neuzeit dagegen ist die Urkunde von der Sklaverei des Volkes mitten in der Freiheit; die Geschichte der jüdischen Zukunft aber möge endlich sein die herrliche Urkunde von der Freiheit dieses Volkes in der Freiheit. So möchte doch die Sonne der Freiheit in Zukunft uns wahrhaft erleuchten, aber nicht hoffnungslos verblenden; möchten wir doch über dem kaum errungenen Gute der Freiheit nicht vergessen jenes ewigen Gutes, unseres altehrwürdigen Glaubens; denn wahrlich, um diesen Preis wäre die Freiheit zu theuer erkauft. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. DieJudenverfolgung in Rußland geht ihren Gang weiter. So hat, wie uns aus Petersburg ein heutiges Telegramm meldet, der dortige Stadthauptmann eine strenge Untersuchung in der Absicht eingeleitet, innerhalb Monatsfrist eine große Anzahl daselbst ansässiger Juden, welche als Komptoiristen im ersten Verein der jüdischen Kaufleute beschäftigt sind, was die Regierung als eine Gesetzesverletzung betrachten soll, auszuweisen. Berlin. Welchen Parteien in Oesterreich am meisten mit den antisemitischen Wahlerfolgen in die Hände gearbeitet wird, beweist das Verhalten der tschechischen Blätter gegenüber dem Wahlausfall der Wiener Gemeinderathswahlen. Die Tschechenpresse jubelt über die Wahlsiege der Antisemiten im drttten Wahlkörper. „Narodni Listy" meint, Graf Taaffe werde sich wieder an die Slaven halten müssen, nachdem der Antisemitismus die vereinigte Linke niedergeschlagen habe. Die Organe der Alttschechen bedauern, daß die Zerklüftung der Tschechen nicht gestatte, die antisemitischen Wahlsiege für das Ttschechentum auszunutzen. Die Jungtschechen mögen vereint mit den Polen und Konservativen helfen, auf Taaffe eine Pression auszuüben. — Die Deutschliberalen können hieraus eine beachtenswerte Lehre für ihr Verhalten ziehen. Aus Mittelfrankerr. Das vom Pfarrer Blendin g er in Gollhosen redigirte „Evangelische Sonntagsblatt aus Bayern" schreibt in seiner Nr. 15: „Wie man hört, sollen jüdische Großhändler ungeheuere Mengen Weizen in.Ungarn angehäuft haben, um sie sofort nach Deutschland zu werfen, sobald die Zollermäßigung eingetreten ist. Dann werden diese Händler wieder viele Millionen in die Tasche stecken, die Arbeiter in den Städten werden ihr Brod zu demselben Preis wie früher essen, und der Bauer wird die Zeche bezahlen." Die in diesen Zeilen ausgedrückte handelspolitische Weisheit oder Unwissenheit kümmert uns nicht. Wir erwähnen nur die Thatsache, daß das Organ der mittelfränkischen evangelischen Getstlichlichkeit, mit dem Motto: „Friede auf Erden" durch Verhetzung Andersgläubiger seinem Motto gerecht wird. H. Oppenheimer, Leutershausen. O e st c r r. - U n g a r. Monarchie. Pest. Der Cskathurner wohlhabende Bäckermeister Ludwig Rosenberg erhielt dieser Tage einen anonymen Brief, worin ihn der Leiter des „antisemitisch-nihilistischen Verbandes" auffordert, an einem bestimmten Orte tausend Gulden niederzulegen, da er sonst ermordet würde. Rosenberg hielt dies für einen Spaß, aber am dritten Tage ward er neuerdings aufgefordert, den Betrag unter den Fußteppich auf dem Gauge des Bezirksgerichtes zu legen, da er sonst. . . u. s. w. Rosenberg machte nun dem Bezirksrichter Mittheilung und dieser postirte zwei Gendarmen an einem abseits gelegenen Orte. Nach einigen Stunden sahen sie — wie „M.. Htrlap" berichtet — einen jungen Mann, der spähend umhersah und den Teppich aufhob. Es war der Kanzlist K., welcher natürlich verhaftet wurde. Der Brave scheint weder ein Antisemit, noch ein Nihilist, sondern ein gewöhnlicher Erpresser, und zwar von der ungeschicktesten Sorte zu sein. Eisenftadt. Die gemeldeten Beschädigungen auf dem israelitischen Friedhofe der Gemeinde Unterberg-Eisenstadt haben sich als das Werk mehrerer muthwilliger Knaben herausgestellt. Schneller als man erwartet, sind die Thäter, welche auf dem Friedhofe der Gemeinde Unterberg-Eisenstadt 14 Grabdenkmäler theils arg beschädigt, theils gänzlich demolirt hatten (so heißt es nämlich in der Kundmachung, die hierüber erlassen wurde), eruirt worden. Es sind vier Knaben im Alter von 10 bis 16 Jahren. Wie drei derselben eingestanden haben, gingen sie am 2. d. gegen 6 Uhr Abends mit dem ältesten Knaben Veilchen pflücken und gelangten

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