Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 32-33 (21.4.1891)
- Date
- 1891-04-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XX3JJ. Jahrgang. fötOCttC f eHage)uJK32 *33 r-s „3srnrlit*3rftl|untn“ Leitender Artikel. Peßach-Belrachtung. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Mayer in Bühl (Baden). Herannaht das schöne Fest, nach welchem wir uns mit froher Erwartung gesehnt. Eine heitere Stimmung ist mit'Mecht-in die Herzen Aller eingekehrt; denn, siehe, der Winter ist vorüber, die Zeit des Sanges ist gekommen, die Blüthen lassen sich sehen auf der Erde und Mutter Natur stimmt Gott ein Loblied an. Doch die Bedeutung unseres Festes liegt nicht in der Wandlung, die in den Dingen draußen vor sich geht, sondern in den glorreichen geschichtlichen Vorgängen, als vor mehr denn 3000 Jahren mit dem Frühling in der Natur, auch der Frühling im Geistesleben unserer Nation eingekehrt war, als mit des natürlichen WinterS erstarrender Eisesdecke auch des geschichtlichen Winters erdrückende Fessel im Lande der Egypter gesprengt ward. Seit uralter Zeit begehen wir dieses schöne Fest. Alljährlich verweilen wir mit den Unseligen im traulich-holden Beieinander um den sinnig ausgestatteten Sedertisch und freuen uns mit ihnen des schönen Tages, in glückseligem Behagen, gedenkend der Befreiung, die unseren Vätern einst um diese Zeit zu Theil geworden. Da ist wohl die Frage auch am Platze: Welche Bewandtniß hat es mit dieser Freiheit, ist sie eine solche, wie wir sie gemeinhin verstehen, eine Freiheit, die sich Selbstzweck, oder aber eine solche, die nur Mittel zum Zweck, zu dem erhabenen Zwecke ist, ein Heiligthum Gottes auf Erden zu gründen, wie es heißt: „als Israel aus Egypten zog, das Haus Jakob aus dem Volke fremder Zunge, ward Juda zu seinem Heiligthum, Israel seine Herrschaft"? Hierauf gibt luns die Prophetin Deborah in ihrem Siegesliede mit den Worten Antwort: Op a-unna mjns jnsa 'n o-D. „Wenn die Ketten brechen, die Freiheit anhebt in Israel und das Volk veredelt sich, so preiset den Ewigen." Otcn erklärt diesen Vers ebenso treffend, wie kurz: jn dn uib 28 — mpiv piva, „sowohl im guten, als auch im schlechten Sinne." pin pi nrnV iöDnnro Dy aunna, „wenn Israel sich erhebt zu einem innerlich veredelnden und freien Volke.") Die Weltgeschichte belehrt uns des Oefteren, daß manchem Volke die Freiheit auS Jahrhunderte langer Knechtschaft ward, ohne daß es der Freiheit würdig gewesen wäre, oder sich ihrer würdig gemacht hätte; manch' Sklavenhorde hat im Uebermaaß des Druckes den gestrengen Herrn und Meister von sich abgeschüttelt, aber statt nun innerlich gebessert zu werden und den störrkgen Nacken unter die Gesetze des Rechts und der Sittlichkeit zu beugen, sich der entsetzlichen Herrschaft ihrer schlechten Triebe hingegeben. Auch unsere Vorfahren haben zeitweise die wahre Freiheit nicht zu erfassen vermocht; trotz der wunderbaren Befreiung aus Egypten, trotz der vielen Wunder am Schilfmeere hatte die Knechtesnatur, der Hang nach dem Irdischen, sich gar bald wieder im Volke geltend gemacht. Wenn Völker gegen Völker, Bedrückte gegen Dränger sich erhoben und die eisernen Fesseln gesprengt hatten, da glaubte man, der Völkerfrühltng sei angebrochen und die Menschheit in einen einzigen Tugend- und Bruderbund verwandelt. Aber damit war nur der eine, und zwar geringere Theil der großen Menschenarbeit glücklich vollbracht: nuHD jr>D3, die Befreiung aus Leibesknechtschaft; aber Op am-ü, die befreiende und veredelnde Arbeit der Geister und der Herzen harrte und harrt vielleicht noch heute seiner Lösung. Eine Freiheit, die nur den Herrn wechselt, so ist der Gedanke der Prophetin, die nur den Tyrannen Jabin oder Pharao von sich abschüttelt, um sich dafür der eigenen Tyrannei der Leidenschaft zu ergeben, das ist keine wahre Freiheit, das ist jnsa mir®, Entfesselung des Leibes, die nackte Empörung. Nur das heißt Freiheit, Freiheit im jüdischen Sinne und im Sinne unseres Peßachfestes: Op a*unna, wenn in unserem Innern die Vorbedingung wurzelt für die Verwendung dieses herrlichen Geschenkes nach dem Willen Gottes und im Sinne unserer Weisen: 'v xbx pin p -j*? v« mTü pDiy», nur der ist wahrhaft frei, der mit allen Fibern und Fasern seiner gottentftammten Seele sich versenkt in die beglückenden und beseligenden Wahrheiten unserer Religion. Auch in unserem erleuchteten Abendlande gab es noch bis vor wenigen Jahrzehnten eine Art egyptischer Knechtschaft zweiter Klasse. Wir waren die Stiefkinder der Staaten, in denen wir lebten, bis endlich der Geist der Gerechtigkeit und Menschlichkeit sich Bahn schuf und auch uns die ersehnte Freiheit brachte. Ist aber diese glückliche Wendung unseres bürgerlichen Looses unserem religiösen Leben zum Vortheil gewesen? Mit betrübtem Herzen müffen wir dies verneinen. Denn mit dem rrato by, dem