Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 32-33 (21.4.1891)
- Date
- 1891-04-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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612 gerade ein Verbot der Ehe gewesen, welches kein Rabbiner übertreten durfte. In diesem Falle könnte demnach, falls sich ein Rabbiner fände, der die Trauung vollzieht, meinerseits von moy '->2iy? y"O!2 durchaus keine Rede sein. Nun habe ich aber bloß das erstmalige Aufgebot vorgenommen, das erforderliche zweit- und drittmalige Aufgebot konnte ich infolge eingetretener Umstände ganz unterlassen, und ich habe der Partei gar keine Schrift ausgestellt. Es ist also soviel wie gar nichts geschehen, und in allen Fällen ist es unwahr, daß die Leute durch meine Verkündigung in der Fremde heirathen können. Ob die Leute denn doch in Oesterreich heirathen werden, weiß ich nicht, bis jetzt ist es nicht geschehen. Das ist der wahrhafte Thatbestand, auf dessen Fälschung ich nur darum entgegne und um besten Veröffentlichung ich nur darum bitte, um dem Satze 'ID D’pJ Drrm zu entsprechen. Vor gesetzwidrigen Handlungen, wie die mir ausgebürdeten, schützt mich mein genug bekannter makelloser Character, den böse Menschen nicht begeifern können; aber es gibt doch so Mancher, der gerne Alles, selbst das Grauenhafteste glaubt, daher diese Aufklärung. Das aber steht fest: Man sollte einem Blatte, das die Wahrheit liebt, nicht uneingeweiht sensationelle Berichte senden, die einer grundlosen Verleumdung ähnlich sehen. Der Budapester »Zsidjo Hirado« aber, der erste, der diese üblen Gerüchte ausstreute, müßte, wenn er auf Anstand Anspruch macht, diese Berichtigung in extenso bringen, was die geehrte Redaction dieses Blattes sicher gerne gestalten wird. Feuilleton. > KoYe Kreise. ~f Novelle von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Bella trat auf ihre Mutter zu, nahm sie an der Hand und führte sie zum Sopha. Willig, wie ein Kind, folgte diese der Tochter und als nun die Wärterin erschien und Bella andeutete, daß es Zeit sei, die Mutter zu verlassen und Bella sich erhob, um fortzugehen — da streckte die Kranke die Hände aus, hielt Bella fest und bat flehentlichst: „Bleiben Sie doch! bleiben Sie, bitte, bitte!" Bella blieb und mußte immer mehr erkennen, wie wenig sie auf eine Heilung der Mutter zu hoffen berechtigt war. Sie bedurfte ihrer vollen Energie, um den Schmerz nicht laut werden zu lassen, um die Thränen, die jeden Augenblick hervorzubrechen drohten, zurückzuhalten. Die Mutter hatte sich recht bald an die Tochter gewöhnt und diese übte einen so wohlthätigen Einfluß auf das Befinden der Kranken aus, daß sie dieselbe keinen Augenblick verlassen durfte. Tag und Nacht nahm die Mutter sie in Anspruch, und sie war unglücklich, wenn Bella nicht bei ihr war. Die einzige Zeit, in welcher Bella sich erholen konnte, das waren die zwei Mittagsstunden, während welcher die Kranke schlief. Zu dieser Zeit ging sie, von ihrem Vater oder Großvater begleitet, in dem herrlichen Garten, der sich an das Haus anschloß, spazieren. Oft begleiteten auch Beide das junge Mädchen und stets kehrten alle gekräftigt, getröstet und mit neuem Muthe beseelt, von diesen Spaziergängen zurück; denn der Anblick der herrlichen Natur, die Gottes Allmacht in jedem Baume, in jeder Blume predigt, die reine, frische Luft, die mehr als jede Medizin erfrischend und kräftigend wirkt, die Worte voll gläubigen Gottvertrauens und beseligender Hoffnung aus Bella's oder des Großvaters Munde, waren Balsam für das Herz eines jeden Einzelnen. Auf einem dieser Spaziergänge erfuhr Bella von dem Großvater Alles, was sie wissen wollte. Als das Unglück über seine Schwiegertochter hereingebrochen war, da wußte sein Sohn, bei wem er Trost und Hilfe finden konnte. In jenen hohen Kreisen, für die er früher geschwärmt hatte, hätte er sie vergebens gesucht; in jenen Kreisen war seine Frau von dem Augenblick an, da die Krankheit sie befallen, die verrückte Jüdin, für die man höchstens ein mitleidiges Bedauern empfinden konnte. Keiner von all' den hohen Gästen jenes Festes hatte sich nach der Kranken seither erkundigt; die Glaubensgenossen allein nahmen innigen Antheil an seinem Schicksal, und sein Neffe Arthur war der Erste, der allen Zwist vergessend, seine thätige Hilfe dem Onkel anbot. Der Commerzienrath sah ein, daß er auf abschüssiger Bahn wandelte, und er war energisch genug, sich nicht treiben zu lassen, sondern, die begangenen Fehler einsehend, wandte er sich zurück, dem richtigen Wege zu. In seinem Vater fand er als Mann den Führer wieder, den der Knabe nicht verstanden; in seinem Gotte den Tröster, den er anderwärts vergeblich gesucht. Die Angelegenheiten der israelitischen Gemeinde, deren Vorsteher er war, fanden seitdem einen eifrigen Vertreter in ihm und er würde sich glücklich gefühlt haben, wenn seine Frau genesen wäre. So hatte sich in einem Jahr eine vollstäridige Umwandlung in dem Hause und im Leben des Commerzienrathes vollzogen, und Bella, die im Hause des frommen Arztes in Hamburg lebend, das Judenthum, seine Gesetze und lZeremonien, seine Lehren und Vorschriften erst kennen gelernt und dabei auch liebgewonnen hatte, dankte Gott im Stillen dafür, daß ihr Kämpfe in