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Der Israelit · 1891-04-21 · Heft 32-33 (21.4.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 32-33 (21.4.1891)
Date
1891-04-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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öoi übenden zum größten Festmahle auf Erden in jedem jüdischen Haus alle Glieder sich versammeln und der Geist des Propheten Elijahu das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Vätern führt, wenn wir das Brod essen, wie es die Väter im Lande Egypten aßen, dann geht den Feftgenossen eine Ahnung dessen durch die Seele, welchen Hort, welchen Schatz, welches Glück sie in dem Gott der Väter besitzen! Daß sie aus der Geschichte ihrer eigenen Väter wissen, wie Gott eingreift in die Gänge unseres Einzel-, Familien- und Volks-Lebens, daß der Gott, der den Vätern nahe stand, auch uns den Enkeln nahe steht nn« &o D’J3 jjwi, daß Gott um der Väter willen auch den Kindern dieser Väter, seinen Beistand jederzeit entgegenbringt, dieses Bewußtsein ist es ja, das den Sederabend zu einer orm omo» b'b zu einer Nacht allseitiger Hut für alle Zeiten macht. Dieses Bewußtsein von dem Gott der Väter, zeigt Gott als Denjenigen, der selber das innigste Band auf Erden webt, das Band zwischen Eltern und Kindern, und jeder Sederabend schürzt einen neuen Knoten in diesem Band zwischen den Großen und Kleinen, den Alten und Jungen. — Auf der Innigkeit dieses Bandes zwischen uns und unseren Vätern, zwischen der fernsten Vergangenheit und jeder Gegenwart beruht unsere ganze Zukunft. Die Zeiten, die Sitten und Anschauungen wechseln seit Jahrtausenden. Was in der Flucht der Zeiten bleibt, ist Gott, der Gedanken, daß der Gott unserer Väter auch unser Gott ist. — In diesem Gedanken liegt unser Adel, die Verbindung mit unserer Vergangenheit, die Hoffnung unserer Zukunft. Mit der Erinnerungan unsere Väter brechen, das was ihnen theuer und heilig war, als „a lt v ät e ri s ch" bei Sette zu legen, heißt unfern Lebensnerv unterbinden und uns dem Ungefähr der Zeitströmungen preisgeben. — Deßhalb sammelt der Sederabend alle, alle, auch die im Laufe des Jahres fremd gewordenen Glieder des Hauses, mit dem Brot und Bitterkraut, wie es die Väter aßen und mit den anderen Zeichen der Väter, die wir aus ihren Händen hingenommen haben, zu dem Gott unserer Väter, der den Ahnen einst in dieser Stunde Freiheit und Erlösung gab, und von dem allein sie die Enkel zuversichtlich auch für unsere Zeit erhoffen und erbitten. *) *) Wir schließen hiermit die V. Serie unserer Betrachtungen über die Hagada schel Peßach für dieses Jahr, um sie mit Gottes Hilfe im nächsten Jahre sortzusetzen. Zeitungsnachrichten und CorrespondeuzeN. Deutschland. Mainz, 19. April. HerrPastor Seidel in Angermünde hat uns eine ausführliche Erwiderung auf den leitenden Artikel in Nr. 22 d. Bl. „Ref o rmjudent h um und Antis emitis mus" von Bezirksrabbiner Dr. Ehrmann behufs Abdrucks zur Verfügung gestellt, und in einem Begleitschreiben seiner Freude darüber Ausdruck gegeben, daß ihn der Ton jenes Aufsatzes wohlthuend berührt habe. Die geehrten Leser werden sich erinnern, daß Herr Pastor Seidel das Judenthum der Jetztzeit als tief gesunken bezeichnet, weil es die Religion der Väter verlassen habe. Der leitende Artikel in Nr. 22 legte nun das Nichtige dieser Behauptung dar, und schloß mit der Behauptung, daß Herr Seidel zwar die Reformjuden schlägt, aber die Juden meint. Eine Entgegnung des Herrn Pastor Seidel hätte sich nun in allererster Reihe gegen diese Behauptung wenden müssen. Dies hat aber Herr Pastor Seidel nicht nur nicht gethan, sondern er bestätigt gleich nach den ersten Sätzen seiner Erwiderung diese Thatsache ausdrücklich mit folgenden Worten: „Indessen kommt nicht nur das Reformjuden- „thum in Frage. Der Kampf zwischen Christen „und Juden hätte sich nimmermehr so verschärft, „wie es zur Zeit der Fall ist, wenn die unter „uns lebenden Juden an dem alten Testament „fesihielten und von dem Talmud gänzlich ab- „sähen. Sie hätten dann nicht nur einen Boden, „auf dem eine Verständigung mit Christen möglich wäre, sondern ihre Denk- und Handlungs- „weise würde nicht so, wie es thatsächlich der „Fall ist, die Vertheidigung der Christen nöthig „machen." Also, wenn die Juden die Religion ihrer Väter verlassen, dann sind sie tief gesunken. Wenn sie dieselben aber festhalten, indem sie treu zur schriftlichen und mündlichen Lehre, wie sie im Talmud niedergelegt ist, stehen, dann ist eine Verständigung mit den Christen nicht möglich. Wie sollen es nun die Juden anfangen, um es Herrn Pastor Seidel recht zu machen? Herr Pastor Seidel bekämpft die Juden in dem einen wie in dem andern Falle, wie dies eben zum Metier der Antisemiten gehört. In diesem Falle haben seine Auseinandersetzungen für unsere Leser kein Interesse, zumal dieselben auch nicht ein einziges Argument widerlegen, sondern nur die bisherigen Jrrthümer und falschen Auffassungen um eine stattliche Anzahl neuer vermehren.

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