Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 31 (16.4.1891)
- Date
- 1891-04-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXII. Jahrgasg. Erste Keiloae m M%\ des „Israelit&Iefchurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus dem Grotzherzogthum Hessen. Ich habe Ihnen unlängst berichtet, wie der „Schulbote von Hessen" in neuester Zeit sich die Bekämpfung des Antisemitismus zur Aufgabe gemacht. Auch eine andere in Hessen erscheinende Zeit: „Allgemeine Thierschutz-Zeitschrift", welche sehr lange in der Schächtfrage einen durchaus unfreundlichen Ton dem Judenthum gegenüber angenommen hat, scheint jetzt in dieser Frage objectiver und besonnener vorzugehen. Die Nr. 3 d. I. enthält einen Artikel: Zur „Schlachtfrage", in welcher von einer Eingabe des Thierschutzvereins für das Herzogthum Gotha an des letzteren Stadtrath berichtet, und in welche bet Gelegenheit der Erbauung eines neuen Schlachthauses, das am 1. October in Betrieb gesetzt werden soll, verschiedene Wünsche des T. V. Berücksichtigung finden sollen. Der Passus II behandelt das Schächten. Vor Allem freuen wir uns, daß dieser ganze Artikel von keiner Redactionsbemerkung begleitet ist. Enthält derselbe auch einige Sätze, die in dieser Frage und in diesen Zeitschriften eben nicht fehlen dürfen, so nehmen wir doch gerne vou folgendem Passus Akt. „Wir haben nicht die Absicht, die Religionsgrundsätze der Juden anzutasten", wir halten uns aber verpflichtet, dem Stadtrath mitzutheilen, daß bereits die preußische Regierung gewisse Bestimmungen erlassen hat, die nunmehr in den verschiedenen Schlachthäusern An- I Wendung finden werden. Der Thierschutzverein will noch den functionirenden Schächter für das ordnungsmäßige Niederlegen des zu schlachtenden Viehes verantwortlich machen und denselben verpflichten, vor dem Schächten zwei Messer auf Schärfe geprüft zur Hand zu haben. Am Schluffe der Eingabe, diesen Passus behandelnd, sagt der Bericht: „Der Thierschutz-Verein verlangt nicht die Beseitigung des Schächtens, sondern nur die Abstellung seiner Uebelstände, und daß die in Vorschlag gebrachten preußischen Bestimmungen nicht gegen die Vorschriften des jüdischen Religionsgesetzes verstoßen, beweist das Schreiben des Rabbiners der Synagogengemeinde, Dr. Bamberger, an den Polizeirath Japilski zu Königsberg." Frankfurt a. M., 14. April. Unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiner Dr. Breuer '"j hatte sich vorgestern Abend der Vorstand der israelitischen Religionsgesellschaft zu einer Sitzung versammelt, um die einleitenden Schritte zu der von derselben zu gründenden Jeschibah zu berathschlagen. Von der weitgehenden Wichtigkeit der Sache durchdrungen, hatte der Vorstand eine Anzahl Mitglieder der Religionsgesellschaft zu dieser Sitzung zugezogen, um bet einer für das orthodoxe Judenthum in Deutschland so bedeutsamen Gründung nicht von einseitigem Standpunkte auszugehen, sondern die Ansichten und Vorschläge von Männern verschiedener Berufsarten entgegen zu nehmen. Es liegt auf der Hand, daß ein solches Unternehmen nicht Hals über Kopf begonnen werden darf, sondern mit behutsamer Sorgfalt und Ueberlegung berathen und ausgeführt sein will. Zu diesem Behufe wird der Vorstand die Angelegenheit einer speziellen Commission unterstellen, die aus wahrhaft frommen, für,-umpn wn-nn begeisterten Männern zusammengesetzt sein wird, und welche nichts verabsäumen werden, um die Sache zu einer ersprießlichen Entwickelung zu bringen. So dürfen wir frohen Muthes die Hoffnung hegen, daß in Bälde in Frankfurts Mauern eine neue Pflanz- und Pflegestätte für die Tauroh erstehen wird, und Frankfurt, wie schon so oft, sich auch hier wieder als eine dxi ly bewähren wird. — Daß die Leitung der Jeschibah in Herrn Rabbiner Dr. Breuer einen vorzüglichen erprobten und hochbefähigten Lehrer gewinnt, gelangte des Oeftcren in diesen Blättern zum Ausdruck, und wie es demselben in der Stätte seiner früheren Thätigkeit gelungen ist, bedeutende Rabbinen heranzubilden — wir nennen nur u. A. Rabbiner Dr. Bondi "j in Mainz, Rabbiner Dr. Jung '"i in Brod, sowie den erst eben zum großherzoglich oldenburgischen Landesrabbiner erwählten Dr. Mannheimer '"3 in Lauenburg — so wird derselbe auch fernerhin im Stande sein, in begeisterter und begeisternder Hingebung für unsere heilige Sache zu wirken. Kassel, im April. Dahier ist vor Kurzem das Hauptorgan der Nationalliberalen der Provinz, die „Hessische Morgenzeitung", durch Kauf in die Hände der Antisemiten übergegangen. Am 20. März haben die neuen Eigenthümer des Blattes, Howes, Redakteur der „Hess. Morgenzeitung", und P. Lorenz, zur Zeit Chefredacteur der „Bielefelder Post", das künftige Programm des Blattes veröffentlicht. Es ist das bekannte antisemitische Programm mit dem Kampf gegen die wucherische Ausbeutung seitens „fremder" Elemente, dem Kampf gegen die hohen Anwaltsgebühren 2c. Das bisher nationalliberale Blatt proklamirt