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Der Israelit · 1891-04-16 · Heft 31 (16.4.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 31 (16.4.1891)
Date
1891-04-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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594 auf ihren Geist gelegt, weichen, banne die finstern Gewalten, die ihre freie Willensentschließung hemmen, damit sie in voller körperlicher und geistiger Frische, mit neuer Kraft noch lange Dich preisen, Deine Gnade und Barmherzigkeit zu rühmen vermöge. Hast Du es aber in Deiner Weisheit und mit Deinem unerforschlichen Rathschluß anders bestimmt, o Vater im Himmel, so schenke mir und meinem armen Vater Geduld und Kraft, diesen furchtbaren Schlag, dieses schreckliche Unglück als Ausfluß Deiner väterlichen Weisheit zu betrachten und ohne Murren zu ertragen. Du weißt, was uns frommt und mein kurzsichtiger Blick soll mich nicht verleiten, über Deine Schickung zu murren. Nur bei Dir ist Hilfe, Du, der Du alle Kranken heilst; sende Deine Hilfe meiner Mutter, lasse sie Genesung finden, erhöre das Flehen Deines Kindes, welches sich in heißem Gebete dem Throne Deiner Majestät nahet, um Hilfe zu erflehen, Rettung und Genesung für seine kranke Mutter." Noch eine Weile betete Bella leise, inbrünstig, dann erhob sie sich. Das Gebet hatte sie wunderbar gekräftigt und getröstet. Frohe, hoffnungsreiche Zuversicht war in ihr betrübtes Herz eingezogen. Sie hoffte, hoffte auf ihren Gott, und diese Hoffnung stärkte und kräftigte sie. Bella verließ ihr Zimmer und begab sich in die Gemächer der Kranken. Die Wärterin erwartete sie schon und führte sie, nachdem sie ihr Vorschrifts- und Verhaltungsmaßregeln gegeben, vor ihre Mutter. Hätte Bella nicht gewußt, daß sie eine Kranke vor sich habe, so wäre sie vielleicht durch das brillante Aussehen der Mutter getäuscht worden. Nur der unruhig flackernde Blick des dunklen Auges hätte sie nicht irre führen können. Sie näherte sich ihrer Mutter, doch diese erkannte sie nicht. Sie erhob sich vielmehr, reichte Bella die Hand und sprach: „Ei, das ist schön, Gräfin, daß Sie meinem Wunsche so bald Folge leisten. Seien Sie willkommen. Wie geht es der Prinzessin?" „Mutter, Du irrst, ich bin ja Deine Tochter Bella; ich will nun auch bei Dir bleiben." „Ei, Gräfin, redet man so mit feiner Fürstin?" „Mutter, zerreiße mir das Herz nicht, steh' mich au, ich bin Deine Tochter Bella; komme, laß' mich Dich umarmen und küssen und sei mir wieder gut, wie Du es früher warft", und Bella schlang ihren Arm um die Kranke, streichelte mit ihrer zarten Hand deren Wangen und drückte einen Kuß auf ihre Stirne. Die Mutter ließ sich alles mit einem gewissen Wohlbehagen gefallen. Eine geheimnißvolle magnetische Kraft schien Bella's Körper zu entströmen und beruhigend auf die Kranke zu wirken. Sie setzte sich, sah Bella starr an und sprach endlich: „Du bist nicht die Gräfin; M Dir ist Ruhe, während die Gräfin —" „Ich bin ja Bella, liebe Mama, Deine Tochter Bella." „Verriegle die Thüre," drängte sich jetzt die Kranke mit allen Zeichen einer furchtbaren Angst an ihre Tochter, „draußen ist sie und will herein, will mich peinigen und quälen", und als Bella sich nicht sofort erhob und ihrem Befehl Folge leistete, sprang sie selbst hin, schob den Riegel vor und ließ sich dann mit einem gellenden Lachen in einen Sessel fallen. Bella erschauerte bis ins Innerste vor diesem Lachen. Sie kannte es; sie hatte es oft genug in ruhiger Nacht durch die stillen Räume des Krankenhauses schallen hören und wußte, daß nur der Wahnsinn so grauenerregend lache. Nun mußte sie dieses Lachen von ihrer Mutter hören, mußte sehen, wie Gebilde des Wahns sie erschreckten, verfolgten und quälten und konnte nicht helfen! (Fortsetzung folgt.) „JSrmüt" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedeSmal in mindestens 8 Bogen. Breis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 18 Reichs-Mark. für'S Ausland IS Reichs-Mark. Man abvnnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Le» KuchhanLrl fil besiehe« bet V. F. Kteiuachrr, Leipzig, Poßpiatz 18. — Inserate 25 Pfennige die dreigefpaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichifche Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland m»d Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo oiirznfnib»« Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Hagadah schcl Peßach. (Fünfte Serie. Fortsetzung.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: WormS. Oldenburg. Dülken. — Oestcrr.-Ungar. Monarchie: Wien. Aus Ungarn. — England: London. — Rußland. — Vermischtes. —Feuilleton: Hohe Kreise. Novelle von H. Berger. (Fortsetzung.) — Karte von Rußland mit besonderer Kennzeichnung derjenigen Gouvernements, in welchen den Juden die Niederlassung gestattet ist. Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus dem Großherzogthum Hessen. Frankfurt a. M. Kassel. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — England: London. — Türkei: Konstanünopel. — Afrika: Marocco. — Palästina: Jaffa. Jerusalem. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeimngsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Gleiwitz. Königsberg. Posen. — Oesterr. - Ungarische Monarchie: Wien. — Rußland: Aus Moskau. Inhalt der Extra-Beilage: Omer-Tabelle. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aetien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilugen.

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