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Der Israelit · 1891-04-16 · Heft 31 (16.4.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 31 (16.4.1891)
Date
1891-04-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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596 jetzt Festhalten an den bestehenden llandwirthschaftlichen Zöllen. In derselben Nr. der „Hess. Morgenztg." steht ein Artikel: „Die nationalliberale Partei und der Antisemitismus," der sich mit dem Aufruf zur Bildung eines Vereins zur Bekämpfung des Antisemitismus beschäftigt und denselben als eine „Demonstration" bezeichnet, die leider zwei Mitglieder des Parteivorstandes unterzeichnet hätten. Der „Achtung" der Partei sind dieselben dadurch nicht verlustig gegangen; aber, so erklärte das Blatt, sie haben sich dadurch mit vieleu Mitgliedern der eigenen Partei und jedenfalls mit der großen Mehrheit des hessischen Volkes in Widerspruch gesetzt. Der Artikel ist so antisemitisch, daß das „Reichsgeldmonopol". das sich „Antisemitisches Volksblatt für wirthschaftlich-soziale Umgestaltung" nennt, das Organ des Abgeordneten Werner, denselben unter dem ansprechenden Titel: „Nationalliberale Abwehr gegen den Phtlosemitismus" abgedruckt und dazu bemerkt: „Das läßt sich weuigftens für den Anfang hören." Angesichts dieser Herausforderung hätte der nationalliberale Wahlverein der Provinz klar und deutlich sagen müssen, wie die nationalliberale Partei sich zu dem neuen Programm der „Hess. Morg. Ztg." zu stellen gewillt fei. Vom 20. bis zum 28. März hat der Wahlverein ganz geschwiegen. Endlich am 29. März hat der Vorstand desselben den freisinnigen „Kasseler Nachrichten" und der „Hess. Morg. Ztg." selbst folgende Erklärung zugehen lassen: „Hierdurch bringen wir zur öffentlichen Kenntniß, daß zwischen dem Unterzeichneten Vorstand und der „Hessischen Morgenzeitung", welche sich in ihrem neuerdings veröffentlichten Programm selbst nicht mehr als Organ der nationalliberalen Partei bezeichnet, bis auf Weiteres keinerlei Verbindung mehr besteht." Das klingt ja sehr schön, wenn nur nicht die Worte „bis auf Weiteres" eine Hinterthür offen ließen. Die „Kasseler Nachrichten" bemerken, die Erklärung trage die Unterschrift des Vorstandes des nationalliberalen Wahlvereins, gez. Dr. Harnier; die „Hessische Morgenzeitung" gibt die Unterschrift „Harnier" nicht wieder und schreibt dann: „Wir konstatiren hierzu: Erstens: Ist diese Erklärung ohne Unterschrift; Zweitens: Ist dieselbe nicht von dem gesammten, sondern nur von dem einen Theile des Vorstandes ausgegangen; Drittens: Jst dieselbevon keiner Generalversammlung beschlossen und genehmigt worden." „Bis aus Weiteres" schließt die „H. Morg.-Ztg." mit offenbaren! Hohn, „hätten wir also hierzu nichts zu bemerken." In der That ist, wie dem „Berl. Tagbl." geschrieben wird, die „Erklärung" von dem Vorstände nur mit 3/5 gegen 2/s Stimmen beschlossen worden; die schwächliche Erklärung ist ein Kompromiß zwischen den widerstreitenden Strömungen im Vorstande. Der Vorstand des nationalliberalen Wahlvereins hat also nicht den Muth gehabt, das Tischtuch zwischen dem einst so gediegenen Oetkerschen Blatte, welches jetzt in ein konservativ-agrarischpartikularistisches umgewandelt wird, und der nationalliberalen Partei der Provinz zu durchschneiden, um dadurch die Parteigenossen vor der Verführung durch die antisemitischen Lockvögel zu warnen. Der Niedergang der nationalliberalen Partei Hessens kann durch dieses kraftlose Vorgehen nur beschleunigt werden. Für wirklich liberale Männer, denen es mit ihrer Ueberzeugung Ernst ist, wird in dieser zweideutigen Gesellschaft kein Platz mehr sein. O e st e r r. -Ungar. Monarchie. Wien, 13. April. Bei den heutigen Gemeinderathswahlen für Groß-Wien aus dem ersten Wahlkörper (der Meistbefteuerten) wurden 44 Liberale gewählt. Unter den Gewühlten befinden sich auch der bisherige Bürgermeister von Wien, Prix. Nur in Hernals wurde ein Antisemit gewählt, und eine Stichwahl ist nothwendig. Abgesehen von dieser Stichwahl wird somit der neue Gemeinderath 41 Antisemiten und 86 Liberale zählen. Die Liberalen haben demnach 4 Stimmen über der Zwei- Dritlel-Majorität. England. London. Der an die Vertretung der „Federation of Synagogues“ gerichtete Bericht des von ihr ernannten Eomites über die Verhältnisse der „Chadorim" im East End, wo hauptsächlich unsere armen russischen Glaubensgenossen ihren Wohnsitz haben, schildert Thatsachen und Umstände, die in vieler Hinsicht bemerkenswerth sind. In mehr als 200 Chedorim erhalten zum wenigsten 2000 Knaben von 5.—14. Jahre, nach Schluß der Schule von 5—9 Uhr Abends Unterricht im Hebräischen, wofür die armen Eltern im Durchschnitt von 6 Pence bis 1 Schilling 6 Pence wöchentlich zu zahlen haben. Die Schulräume bestehen zum Theil aus Küchen und Schlafzimmern, nur in wenigen sind Bänke vorhanden. Diese armen Kinder besuchen des Tags über jüdische Schulen, hauptsächlich die „Jewish Free School", in welchen aber kein ausgedehnt hebräischer Unterricht erlheilt wird. Ihren Eltern genügt dies nicht und bringen daher für ihre Verhältnisse große Opfer, indem sie ihre Kinder in den Chadorim noch weiter im Hebräischen ausbilden lassen. Wahrlich, es ist ein Hochgefühl für uns, constatiren zu können, daß an diesen opfermuthigen und treuen Bekennern der jüdischen Religion der Spruch unserer Weisen sich bewährt: wm onot? croy 'jaa nnjn

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