Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 31 (16.4.1891)
- Date
- 1891-04-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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592 Verlauf von 21 Jahren seine schlechte Folgen. So hat neulich der Unterrichtsminister die Zamba r e r Kultusgemeinde auffordern kaffen, die seinerzeit dem isr. Landesschulfonde entlehnten 369 ff. sammt Zinsen zurückzuzahlen. Die Kultusgemeinde rekurrtrte aber gegen den Erlaß, da nicht sie, sondern ein vom Ministerium kreirter Wahlbezirk das Darlehen erhielt; dieser Bezirk besteht aber nicht mehr und sind auch aus der Gemeinde seit 20 Jahren viele Mitglieder geschieden. L. G—g. England. London. Die englischen Juden theilen das allgemeine Bedauern über den Tod des Earl Granville, dessen so hervorragende Eigenschaften von allen Engländern ohne Unterschied der Religion und Partei ungemein hoch geschätzt wurden. Bei verschiedenen Gelegenheiten war er mit seinen liberalen Gesinnungen den Juden nützlich, und kein Minister des Auswärtigen war jemals entgegenkommender auf die Hilferufe verfolgter Juden als er; unsere Brüder haben Ursache sein Andenken zu segnen. Lord Granville war auf seinem Posten während der russischen Verfolgungen im Jahre 1882. Er empfing damals im Amtsgebäude eine Deputation der „Angls Jewish" Gesellschaft und hielt eine Rede, die viel dazu beitrug, die allgemeinen Sympathien für die unglücklichen Juden zu erregen. Von den vielen Wohlthaten, die er verfolgten Juden erwiesen, wollen wir an die erfolgreichen Schritte erinnern, welche er im Jahre 1880 zum Schutze der Juden Marokko's und zur Errettung der persischen Juden vor einer ernsten Verfolgung im Jahre 1883 gethan hat. Rußland. Von kompetenter Seite wird in Betreff der von uns veröffentlichten Korrespondenz aus Petersburg über die Unterdrückung des „Woschod" geschrieben, daß der „Woschod" nach wie vor nach Ablauf der Suspendirungs-Frist ohne Präventivcensur erscheinen wird. Nur auf die „Wochenchronik" des „Woschod", nicht aber auf die Monatshefte selbst, bezieht sich das Gesetz, nach welchem die suspendirten Zeitschriften der Präventivcensur verfallen. Monatsblätter sind von dieser Maßregel ausgenommen, in Folge dessen also auch der „Woschod", was übrigens auch in dem offiziellen Ministerialerlaß hinsichtlich des „Woschod" ausdrücklich betont ist. > vermischtes. «3- Frankfurt a. M., 8. April. In Oberhessen sollen in nächster Zeit eine Reihe von öffentlichen Versammlungen abgehalten werden, die bestimmt sind,.der antisemitischen Agitation entgegenzutreten. Posen. In unserer Stadt sind von 37 Stadtverordneten 17, von 8 Stadtrathen 3 Israeliten. Der Stadtverordnelenvorsteher ist mosaisch und der neugewählte Bürgermeister gleichfalls. Stuttgart, 20. März. Herr Rittergutsbesitzer Friedr. Kaulla in Oberdischingen ist vom Könige mit der silbernen Verdienst-Medaille für Landwirthschaft ausgezeichnet worden. Wien. Der Vorstand der isr. Cultusgemeinde hat beschloffen, vom nächsten Schuljahre den Unterricht der Bibel im Urtert bis inklusive der obersten Gymnasialklaffe wieder auszunehmen. Dieser Beschluß ist mit Freude zu begrüßen. Petersburg 2. April. Der „Nowosti" wurde die zweite Verwarnung ertheilt, weil die Zeitung, wie es in einer Veröffentlichung des „Regierungsboten" heißt, sich stets angelegen sein laffe, die Lage der hebräischen Bevölkerung in Rußland in falschem Lichte darzustellen, und dadurch inmitten dieser Bevölkerung ohne jeden Grund Unzufriedenheit erwecke, die Zeitung nehme ferner eine feindliche Stellung gegenüber jeder Regung des russischen Nationalgefühls ein und sehe auf verschiedene Maßnahmen der Regierung vom Standpunkte eines „falschen Liberalismus" herab. London, 19. März. Das Parlamentsmitglied Mr. Mather ist soeben aus Rußland zurückgekehrt, wo von ihm genaue Erhebungen über die berechtigten Beschwerden der Juden gepflogen wurden. Als Resultat seiner mit großer Gewissenhaftigkeit angestellten Beobachtungen führt Mr. Mather an, daß die Klagen der armen Unterdrückten weder gegen den Kaiser, noch gegen die griechische Kirche, noch gegen die bäuerliche Bevölkerung gerichtet find, sondern einzig und allein gegen die untergeordneten Beamten, denen die Handhabung von Recht und Gesetz in den verschiedenen Distrikten obliegt. Allgemein heißt es, daß sie die gegen die Juden erlassenen Verordnungen mit barbarischer Strenge zur Ausführung bringen, und unter den am schwersten davon Betroffenen herrscht die Ansicht, daß diesem traurigen Zustande baid abgeholfen werden könnte, wenn der Zar über die wahre Sachlage informirt wäre. Nach der Meinnug der höchsten jüdischen Autoritäten in Moskau und Petersburg wären jedoch die von öffentlichen Versammlungen in England angenommenen Resolutionen nur von geringem Nutzen, wenn sie mehr beachsichtigen, als blos ihrem Bedauern über die allzu große Strenge, mit der von den Unterbeamten die Verordnungen zur Ausführung gebracht werden, Ausdruck zu geben, zumal dies ja ohne Wissen des Herrschers geschehen soll. Cincinnati, 12. März. Die „ImiKrs,nt8 Aid Society“ (Gesellschaft zur Unterstützung Einwandernder) ist nunmehr vollständig organisirt und zählt bereits 300 Mitglieder. Die Haupt-Aufgabe der Gesellschaft ist, die Einwanderer bei ihrem Eintreffen in Schutz zu nehmen, ihnen Arbeit zu verschaffen, sie bei Erlernung der englischen Sprache, eines Geschäftes rc. zu unterstützen und zu empfehlen, wenn sie dessen bedürfen. Die zweite Aufgabe ist, eine Ackerbau-, Gärtner- und technische Schule für Knaben und Mädchen zu errichten. Feuilleton. -7- Koye Kreise. -4- Novelle von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Ein Jahr ist vorüber. Bella hat trotz aller Einwendungen ihrer Eltern ihreu^Entschluß ausgeführt und sich der Krankenpflege gewidmet. Sie ist nun mit dem Lehrjahre zu Ende und will noch