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Der Israelit · 1891-04-16 · Heft 31 (16.4.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 31 (16.4.1891)
Date
1891-04-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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591 Oldenburg, 12. April. Mein Telegramm vom vergangenen Sonntage brachte Ihnen bereits die frohe Kunde von der Wahl des Herrn Rabbiner Dr. M a n n h e i m e r in Lauenburg in Pommern zum Großherzoglich Oldenburgischen Landesrabbiner. So hat den» endlich die Rabbinerfrage bei uns eine so schöne Lösung gefunden. Es ist zweifellos ein glänzender Triumph des gesetzestreuen Judenthums, der hier errungen worden. Gegen 40 Bewerber hatten sich für das erledigte Rabbinat gemeldet, aus dieser Zahl wurden 4 zur engeren Wahl gestellt und von diesen 4 vereinigte wiederum Herr Dr. Mannheimer durch seinen rednerischen Erfolg alle Sympathien auf sich. Der Eindruck, den seine Rede hervorrief, erhellt am Vesten aus der folgenden Stelle des hier ausgegebenen Wahlaufrufes: „Herr Dr. M. betrat die Kanzel. Gleich die Einleitung seiner Rede fesselte die Zuhörer und voll poetischen Schwunges, gleichsam durchdrungen vom Feuer der Begeisterung, von wahrer Frömmigkeit, hob er die Hörer aus ihrer Alltäglichkeit zu sich empor und ließ sie seinen Worten voll Andacht lauschen. Wie packend waren seine Ausführungen über das wahre Glück, über den wahren Reichthum, wie zu Herzen gehend seine Worte von Elternfreuden und Mutterglück und beim Schluß der Rede schimmerten die Thränen echten Gefühls in vieler Augen. Der Gesammteindruck war ein ganz vorzüglicher." Obgleich unser neuer Herr Rabbiner die Bedingung auf Entfernung des Harmoniums aus der Synagoge aufstellte, wurde er doch einstimmig gewählt, es ist dies ein glänzender Beweis dafür, daß man auch hier angefangen hat einzusehen, daß die Erhaltung des Judenthums nicht in der Mißachtung seiner Gebote, sondern in der treuen Befolgung seiner altbewährten Vorschriften allein zu suchen ist. Die Freude in unserer Stadt ist allgemein: Gott segne unseren neuen Rabbiner! (Nachbemerkung der Redaction). Wir brauchen wohl nicht hinzuzufügen, welche Kraft Oldenburg in Dr. Mannheimer gewonnen hat. Herr Dr. M., 1863 in König im Odenwald geboren, absolvirte das Gymnasium in Darmstadt, worauf er die Jeschiivah zu Papa besuchte, um zu Füßen von j"run Tn Dr. Breuer '"j, (jetzt in Frankfurt a. M.), sich einige Jahre voll und ganz dem Studium des Talmuds und seiner Commentatoren hinzugeben. Um aber dem Grundsätze ritf th nv min N2' gerecht zu werden, ging er von hier aus nach Berlin in das Rabbinerseminar, um neben der weiteren Ausbildung seiner Thorakenntnisse auch den profanen Wissenschaften obzuliegen. Bon hier nach Karlsruhe zum Stiftsrabbtner berufen, wurde er bald darauf Rabbiner von Lanenburg, wo es seiner thatkräftigen Wirksamkeit gelungen, die Gemeinde geradezu umzuwandeln. Es wird daselbst jetzt zweimal täglich Gottesdienst abgehalten, die Verhältnisse der Chewra Kadischa sind geordnet, eine streng rituelle Beerdigung ist eingeführt, auch viele Kinder enthalten sich jetzt des Schreibens am Sabbate. Kein Wunder, daß der Weggang des Herrn Dr. M. von Lauenburg allgemein bedauert wird. Auch durch gediegene Aufsätze in jüdischen Zeitschriften war Herr Dr. M., wie unseren Lesern wohl bekannt, schon öfters im Dienste der jüdischen Oeffentlichkeit thätig. Oldenburg gehört zu den Gemeinden, wo fast alles religiöse Leben brach liegt; erzählt man doch, daß ein vor noch nicht allzu langer Zeit daselbst angestellt gewesener Rabbiner am Sabbat auf die Jagd zu gehen pflegte. Trotzdem zweifeln wir nicht daran, daß es der jugendlichen Kraft, welche allein durch ihre Ueberzeugungstreue diesen glänzenden Sieg errungen, gelingen wird, auch hier eine segensreiche Wirksamkeit in Gemeinde, Schule und Haus zu entfalten. Wir gratuliren der Gemeinde zu ihrem geistigen Führer. Dülken. Der hiesige ultramontane „Sprecher am Niederrhein" reproduzirt die Nachrufe jüdischer Blätter auf „Windthorst", in denen u. A. erwähnt war, wie wohllhuend Wmdhorst's Haltung dem Judenthum gegenüber im Vergleich zu manchen anderen ultramontanen Abgeordneten gewesen und knüpft daran die Bemerkung: Indem wir diese Sätze wiedergeben, müssen wir bemerken, daß „altererbter Judenhaß" im Eentrum nie zu Hause war und daß uns von Aeußerungen des Abg. v. Schorlemer-Alst, welche als „Ausfälle" im Sinne der jüdischen Zeitungen zu bezeichnen wären, nichts bekannt ist. Allerdings haben wiederholt Mitglieder des Eentrums Veranlassung gehabt, mit scharfem Tadel auf die culturkämpferische Haltung von Blättern hinzuweisen, deren Redacteure Israeliten waren. Mit „Judenhetze" hat das nichts zu thun. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Wien. Laut Meldung des „Deutschen Volksblattes" hat Se. Excellenz der Herr Handelsminister Bacguehem den ihm unterstehenden Beamten verboten, als antisemitische Candidaten aufzutreten. Eine Intervention des Prinzen Liechtenstein beim Handelsminister um Rücknahme dieses Verbotes blieb erfolglos. Aus Ungarn, 7. März. Der bisherige Rabbinatsverweser von Dizfö - St. - Marton Herr Albert Wesel, der ein talentvoller Mann ist, wurde in Kronstadt, (Siebenbürgen) zum Oberrabbiner der orth. Kultusgemeinde gewählt. — Der berüchtigte isr. Kongreß hat noch jetzt', nach

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